Bietigheim-Bissingen "Tulpendieb" schreibt TV-Geschichte

Bietigheim-Bissingen / JÖRG PALITZSCH 16.01.2016
,,Adrian der Tulpendieb" war vor 50 Jahren die erste deutsche Fernsehserie, die komplett in Farbe gedreht wurde. Die Romanvorlage stammte von Otto Rombach, Hauptdarsteller war Heinz Reincke.

Bei der Funkausstellung in Westberlin drückte Willy Brandt am 25. August 1967 um 10.57 Uhr auf einen roten Taster, der Startschuss für das Farbfernsehen in der Bundesrepublik. Ab 14.30 Uhr zeigten ARD und ZDF gemeinsam als Testsendung den französischen Spielfilm "Cartouche, der Bandit", am Abend war im ZDF als erste farbige Fernsehshow "Der goldene Schuss" mit Vico Torriani zu sehen.

Mit ,,Adrian der Tulpendieb" des Bietigheimer Schriftstellers Otto Rombach wurde schon ein Jahr zuvor Fernsehgeschichte geschrieben. War es doch die erste deutsche Serie, die mit sechs Folgen in Farbe gedreht und im sogenannten Versuchsfernsehen gezeigt wurde. Die Drehorte für die Serien lagen in Deutschland, Außenaufnahmen wurden in der alten holländischen Hafenstadt Hoorn gedreht. Für den Schriftsteller Rombach war die Verfilmung seines Erfolgsromans ein großes Abenteuer, wobei sich die Ausstrahlung der Serie nur kurz auf die Nachfrage seines 1936 erschienenen Buches auswirkte.

Das Filmteam aus Deutschland sorgte mit seinen zahlreichen Statisten rund um den Hafenturm aus dem 16. Jahrhundert in Hoorn für Aufsehen, vor Anker lag das Filmschiff ,,Zuiderland". Rombach ließ es sich nicht nehmen, auf eine Einladung der Filmleute hin, selbst in das Städtchen mit seinen zahlreichen mittelalterlichen Häusern und dem beschaulichen Binnenhafen zu reisen. Der Bietigheimer Schriftsteller konnte so die Dreharbeiten aus nächster Nähe miterleben und er nutzte die Gelegenheit, um Gespräche mit der Regieleitung und den Schauspielern zu führen. Hier konnte er unmittelbar erleben, wie seine Romanfiguren lebendig wurden und welchen filmischen Verlauf seine Geschichte nahm.

Die Schutzleute hätten unablässig damit zu tun gehabt, die neugierig drängenden Zuschauer abzuweisen, die bei den Dreharbeiten an der abgesperrten Hafenmole näher dabei sein wollten, beschrieb Rombach das geschäftige Treiben.

Regie des Abenteuer-Mehrteilers führte Dietrich Haugk, der das Drehbuch nach Rombachs Vorlage zusammen mit István Békéfy geschrieben hatte. Neben seiner Tätigkeit als Hochschulprofessor am Mozarteum in Salzburg avancierte Haugk zu einem der gefragtesten Fernsehregisseure und blieb den Serien treu, darunter "Die fünfte Kolonne", "Der Kommissar", "Derrick" und "Tatort".

Die Hauptrolle in "Adrian der Tulpendieb" verkörperte Heinz Reincke, laut Otto Rombachs Beobachtungen "mit allem Behagen der Spitzbüberei". Der aus Kiel stammende Schauspieler galt als "typischer Norddeutscher" und wirkte in zahlreichen Filmen mit. Unter anderem 1957 an der Seite von Horst Buchholz in den "Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull" und 1960 unter der Regie von Bernhard Wicki in "Der längste Tag" und "Die Brücke von Remagen" (1969). Neben Reincke spielten in der Serie "Adrian der Tulpendieb" noch weitere Schauspieler mit, die dem Publikum bereits bekannt waren und so für einen Erfolg garantierten. Neben Reincke war dies vor allem Karl Lieffen in der Rolle des Kaspar und Günther Neutze als Reeder Hendrik von der Maassen. Eine hohe Popularität hatte Lieffen durch seine Titelrolle in der Comic-Verfilmung Nick Knattertons Abenteuer (1958) erlangt.

Otto Rombachs Geschichte um die Tulpisten, bei denen Mitte des 17. Jahrhunderts in den Niederlanden die Menschen in einen wahren Rausch verfielen, war idealer Fernsehstoff.

Die erste Staffel des Sechsteilers lief nach Beendigung der Dreharbeiten von Montag, 18. April, bis zum Samstag, 23. April 1966, jeweils ab 19.10 Uhr im ARD-Vorabendprogramm im Sendebereich des WDR. Wiederholungen der 25 Minuten langen Serienteile erfolgten in den Jahren 1969 und 1970.

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