Überraschend war das Ergebnis der ersten „Total lokal“-Aktion der Otto-Rombach-Bücherei und der Bietigheimer Zeitung für die Jury, die aus Mitarbeitern der Veranstalter bestand. Fast 30 regionale Autoren bewarben sich darum, am Mittwoch, 29. Januar, in der Bücherei ihre Werke vorzustellen.

Überraschend war nicht nur die Anzahl der Bewerbungen, sondern auch die Vielfalt. „Es war jedes literarisches Genre vertreten sowie Autoren von jung bis alt“, sagt Hans-Christian Pöhnl, Leiter der Otto-Rombach-Bücherei. „Es war nicht einfach, eine Entscheidung zu treffen, deshalb haben wir uns dafür entschieden, nicht nur fünf Autoren, sondern sechs lesen zu lassen“, so Pöhnl.

Er hoffe, dass sich die Lesung am kommenden Mittwoch zu einer Art Treffpunkt der regionalen Literaturszene entwickle und viele interessierte Zuhörer, aber auch Schreibende kommen. „Es ist auch angedacht, denjenigen Autoren, die wir nun nicht ausgewählt haben, immer wieder einen Platz in der Bücherei zu bieten“, bietet Pöhnl an, dem es sehr daran gelegen ist, seine Institution zu einem Treffpunkt der Literatur zu machen.

Viel Science-Fiction

Gemeinsam mit der BZ-Kulturredakteurin Gabriele Szczegulski hat er nun die Autoren ausgewählt, die die erste „Total lokal“-Lesung bestreiten. Die Jury wählte nach qualitativen Gesichtspunkten aus, dabei war weder das Alter noch das Geschlecht ein Kriterium, genauso wenig wie das Genre. „Auffällig war die Überzahl an Science-Fiction-Texten und die vielen Lyrikeinsendungen“, so Pöhnl.

Mit der Entscheidung für Dr. Bernd Stöhr aus Sachsenheim wird ein Vertreter des Science-Fiction-Thrillers vorgestellt. Stöhr ist Ingenieur für Mikroelektronik bei der Robert-Bosch-GmbH in Abstatt und entwickelt Mikrochips für Autos. In seiner Freizeit schreibt er Romane, die am Cern, der europäische Organisation für Kernforschung, in der Schweiz spielen.

Schon 2017 ist sein erster Roman „DarkSky – Die fremde Bedrohung“ erschienen, im März wird der zweite Teil der Reihe veröffentlicht und setzt die Geschichte um die indische Computerexpertin Dr. Priya Singh und den Erfinder Dr. Henning Finnley fort. Daraus wird Stöhr in der Bietigheimer Bücherei lesen.

Ein Vertreter des Fantasy-Genres ist der Besigheimer Bernd Perplies. Er bewarb sich mit der Kurzgeschichte „Küchenmagie“, einem Teil der „Drachengasse 13“-Reihe. Perplies schreibt seit 2008 Fantasybücher für Kinder und Jugendliche. Inzwischen hat er zwölf Bücher veröffentlicht. Im Mittelpunkt seiner Geschichte steht eine Art weiblicher Harry Potter, Hanissa, die gemeinsam mit ihrer Tante in einem Altersheim für Magier lebt.

Ein Vertreter der modernen Lyrik ist Ralf Preusker, der in Markgröningen lebt. Der Gründer des Literaturvereins Litera Freak und im Hauptberuf Verwaltungsangestellter beim Regierungspräsidium wird einige seiner Poesie-Gedichte vorstellen. Auffällig ist hier die Sprachgewalt seiner Bilder, die in der Summe Geschichten erzählen und daher fast wie ein Prosatext wirken, so die Jury in ihrer Entscheidung.

Einen Vertreter schwäbischer Gedichte wird es auf der „Total lokal“-Lesung aber doch geben: den Bietigheimer pensionierten Lehrer Der 79-Jährige versucht in seinen „Vier Schwaben“-Reimen humorvoll und einfallsreich dem „typisch Schwäbischen“ auf die Spur zu kommen. Kurz geht mit seiner Lyrik durch seine Bewerbung zum ersten Mal an die Öffentlichkeit, obwohl er schon jahrelang Gedichte verfasst. Die Jury war begeistert von „S’isch nemme so, wia’s früher war“, weil es eben keine platte, „Reim dich oder fress dich“-Gedichte sind, sondern eine Art Dialog der vier Schwaben, die reden, wie ihnen der Mund gewachsen ist.

Eine Frau

Die Fünfte im Bunde ist die Deutschlehrerin Ruth Grübl aus Bietigheim mit ihrem Text „Träume von Italien und andere Wirrungen“. Die Geschichte ist das erste Kapitel ihres unfertigen Romans „Nach Zitronenland“. Im Mittelpunkt steht der Schriftsteller Karl Philipp Moritz, Verfasser des Romans „Anton Reiser“ und Bekannte von Johann Wolfgang Goethe. Die beiden Autoren trafen sich auf einer Italienreise. Humorvoll nähert sich Ruth Grübl dem Schriftsteller, unterhaltsam beschreibt sie in einer zur Zeit passenden Sprache Episoden seines Italien-Aufenthaltes, aber nähert sich Karl-Philipp Moritz in intensiver Weise. Das Kapitel macht Lust auf den ganzen Roman.

Vinod Talgeris erstes Buch „Schwaben DNA“, das der Bietigheimer selbst als Sachbuch bezeichnet, ist eigentlich eine biografische Beschreibung seiner Erlebnisse als Inder in Deutschland. Seit 45 Jahren beobachtet Talgeri die Schwaben und ihre DNA. Besonders gut gelang dem Informatiker dies während seines Studiums, als er Ferienjobber bei Bosch in Stuttgart war. Er liest eine Geschichte aus seinem Buch mit dem Titel „Ferienjob bei Bosch – ein Erlebnis mit Intranet-Toilettengruß“.

Info Die Lesung „Total lokal“ findet am Mittwoch, 29. Januar, 20 Uhr, in der Otto-Rombach-Bücherei in Bietigheim statt. Jeder der sechs Autoren liest zehn Minuten aus seinem Werk, im Anschluss an die Lesung gibt es eine kurze Gesprächsrunde und die Möglichkeit, die sechs Autoren kennenzulernen. Der Eintritt ist frei.