Die Sandschule feierte am Wochenende ihr 60-jähriges Bestehen. Der Renner war am Samstag die Schulhausrallye, bei der die Teilnehmer nicht nur ein Quiz spielen, sondern auch Stationen bewältigen konnten. Dazu gehörten beispielsweise das von Gabriele Rosenberger und Birgit Clauss-Scheuing veranstaltete Bobby-Car-Rennen Richtung Bushaltestelle hinunter, das Wikinger-Kegeln bei der Schulsozialarbeiterin Hannah Schaude, die Mohrenkopfschleuder, die Bonbonschleuder oder das Zehn-Cent-Werk, wo Münzen mit Münzen in Sandmuscheln geschnippt werden mussten. Konrektor Sven Schneider leitete das Torwandschießen.

Die Unterhaltung kam bei der Schulparty auch nicht zu kurz. Die Drittklässler von Claudia Raad und Chris Kempers spielten Open-Air ein lustiges Konzert mit aus Socken gestalteten Puppen, deren Köpfe aus einer vertikalen Bühne heraus agierten. Die Erstklässler schmökerten auf dem Bücherflohmarkt. Bei ihnen konnten Kunstwerke aus Plastik besichtigt werden, die aus dem Wal-Projekt der Lehrerin Sabine Hagenlocher stammen. Bei den Siebtklässlern stand ein Architektenmodell für die „Sandschule der Träume“ aus der Werkstatt „Bauen und Orientierung“.

Vor der Kulisse der Zweitklässler von Adrijana Solo, angelehnt an die Kunstwerke von Friedensreich Hundertwasser Regentag Dunkelbunt, konnten sich Besucher mit witzigen Perücken und Brillen fotografieren lassen. Innerhalb dieses Projekts gaben sich die Schüler Künstlernamen wie Sterni Leuchtstark, Schwarzer Pumasprung oder Bibina Strafarbeit. Sportsgeist zeigten die Karate-AG und die Jugendförderung „Das NETZ“ mit einer Boxerdarbietung unter der Leitung des ehrenamtlichen Trainers Tony Brooks. Brooks arbeitet in Sachen Gewaltprävention auch im Jugendhaus 4D und holt beim gezielt Daneben-Treffen negative Energie aus Kindern und Jugendlichen heraus, um sie zum Respekt vor ihren Mitmenschen zu erziehen.

Musical, Jonglage und Musik

In der Sporthalle lief ein Bühnenprogramm: Die Jahrgangsstufe zwei führte das liebenswerte Musical „Der Löwe, der nicht lesen konnte“ (und deshalb seiner Löwin keinen Liebesbrief schreiben konnte) auf. Die Theatergruppe „Das NETZ“ zeigte ein Stück und die Zirkus AG von Sabrina Kaiser bot nicht nur Akrobatik wie Balance auf dem Ball, Diabolo sowie Jonglage mit Tellern und Tennisbällen, sondern auch eine Nummer am Trapez, das aus einer Stange zwischen den Ringen bestand. Im Musikraum agierte die Musikschule mit einem Ukulelenkonzert, einem Cellovorspiel und der Aktion „Ich zeig‘ dir mein Instrument“.

Mit dem Leiter der Schulband, Fabio Scinta am Saxofon, und Nikolaos Braoussis verfügt die Sandschule über zwei Vollblutmusiklehrer. Sie rockten als „Saxokeys“ den Schulhof, brachten Schüler, Kollegen, Eltern, Großeltern, Tanten, Onkels, Geschwister und alles was sonst noch so an der Schulparty teilnahm, zum Tanzen. „Alle Lehrer auf die Bühne“ hieß es beim Sandschulsong: „Schule im Sand, wir gehen Hand in Hand, fit und fair und echt galant.“ Der Referendar Fabio Scinta sprach den Schülern aus der Seele, als er meinte, „ich würde sagen, wir fangen jetzt jeden Morgen den Unterricht so an“. Er entwickelt mit seinen Schülern auch eigene Songs wie zum Beispiel innerhalb des gemeinnützigen Projektes „Unsere Welt“ gegen Ausländerfeindlichkeit.

Die offizielle Eröffnung der Geburtstagsfeier ging allerdings bereits mit geladenen Gästen im Musiksaal über die Bühne. Vertreten waren die Rektorin der Sandschule, Jso Steigelmann, Konrektor Sven Schneider, Marijke Japs von der Steuergruppe, Oberbürgermeister Jürgen Kessing, Schulamtsleiter Hubert Haaga, die Leiterin der Berufsorientierung Sabrina Kaiser und die Elternbeiratsvorsitzende Sabine Bothner.

Zum Abschluss der Aktion „Lesen für UNICEF“ übergab die Sandschule der Kinderhilfsorganisation einen Scheck in Höhe von 1636 Euro. Unter dem Motto „Fit und Fair“ haben die Schüler Bücher gelesen und pro gelesene Seite Spenden gesammelt. Alleine Benedict Holzhammer hat es dabei auf 360 Euro gebracht. Die Aktion, sagte er, habe sein Leben verändert. Er wisse jetzt, was die Kinder in Madagaskar brauchen und würde sich in der Juniorgruppe weiter engagieren. Was er beim Schulfest bereits tat, denn er ging mit der Spendenkanne herum.

Die Sandschule von 1959 bis heute


Im April 1959 wurde mit der Sandschule die erste Stadtteil-Schule Bietigheims eröffnet – als achtjährige Volksschule. 631 Schüler bezogen damals die 14 Klassenräume.

Drei Jahre später mussten Klassenzimmer angebaut werden – bis 1964 erhöhte sich die Schülerzahl auf mehr als 900 Schüler.

1966 entstand aus der Volksschule die Grund- und Hauptschule, die nach neun Jahren mit einer Prüfung beendet werden konnte.

Ab 1995 konnten Schüler neben dem Hauptschulzug auch den Werkrealschulzug bis Klasse 10 besuchen.

2001 folgte mit der Einführung der Ganztagsschule ab Klasse 5 die nächste tiefgreifende Veränderung. Parallel dazu wurde die erste Schulsozialarbeiter-Stelle geschaffen und 2006 die erste Schulmensa erbaut und eingerichtet.

2010 wurde die erste Ganztages-Grundschule in Bietigheim eingeführt.

2011 beschloss der Gemeinderat die Einführung der zehnjährigen Werkrealschule mit neuem Bildungsplan.

2015 wurde die Sandschule eine Gemeinschaftsschule. Seit Frühjahr 2019 besuchen 410 Schülern die Sandschule. Die auslaufende Werkrealschule besuchen aktuell noch 90 Schüler. rwe