Bietigheim-Bissingen "Roter Flitzer" auf Fahrt in die Pfalz: Leser unserer Zeitung bei Ausflug dabei

JÖRG PALITZSCH 23.04.2013
Mit dem historischen Schienenbus "Roter Flitzer" ging es für eine größere Gruppe unserer Leser am Samstag in die Pfalz. Eine Fahrt mit vielen Überraschungen - und Anstrengungen.

Der "Rote Flitzer" ist eine historische Schienenbusgarnitur, die auf meist eingleisigen sogenannten "Nebenstrecken", in den 50er- und 60er-Jahren kleinere Ortschaften mit größeren Eisenbahnknoten verbunden haben. In Kornwestheim gibt es den Förderverein Schienenbus, der sich dieser spannenden Bahn-Epoche der Wirtschaftswunderzeit widmet und Interessenten mit ganz unterschiedlichen Ausfahrten ein unvergessliches Erlebnis auf Eisenbahnschienen bietet. So auch am vergangenen Samstag, als sich eine große Gruppe von BZ-Lesern auf die Reise in die Pfalz machten.

Der rote Schienenbus wartet mit einer ganzen Reihe von Besonderheiten auf: Zum einen kann man dem Lokführer, bei der Ausfahrt war dies Gerhard Dietzmann, über die Schulter schauen, das rundum voll verglaste Fahrzeug bietet einen Panoramablick auf die vorbeiziehende Landschaft, die man immer auch von einem Platz in Fahrtrichtung genießen kann, weil der Schienenbus über umklappbaren Rückenlehnen verfügt, die in jeder Fahrtrichtung die Sicht nach vorne ermöglicht.

Zunächst ging die Fahrt am Samstag morgen von Bietigheim-Bissingen aus über Sachsenheim, Pforzheim und Karlsruhe nach Wörth. Schaffner und Fahrgastbetreuer Arno Langer von Förderverein Schienenbus hatte viel zur Landschaft, den einzelnen Städten und dem Schienenbus, einem österreichischen Lizenzbau, zu erzählen.

Im Unterschied zu Fahrzeugen aus deutscher Fertigung, die nur eine schmale Öffnungsklappe am Fenster haben, verfügt die Variante aus Österreich über Fenster, die man bis zu Hälfte öffnen kann. Die deutsche Variante läuft mit zwölf Volt, die aus Österreich mit 24 Volt.

Die technischen Details waren von Interesse, im Mittelpunkt standen jedoch beiden Ausflugsziele. Die Stadt Annweiler war der erste Punkt. Nach einem Stadtrundgang ging es mühsam zu Fuß hinauf auf die Burg Trifels, einst Sitz deutscher Kaiser und Verwahrort der Reichsinsignien. Von dort führte die Ausfahrt weiter über die Pfälzer Nordbahn nach Bad Dürkheim, wo die Strecke in einem Kopfbahnhof endet. Dort hatte man dann drei Stunden Zeit, die Stadt zu erkunden und so manche pfälzische Spezialität wie Saumagen und Riesling zu probieren.

Auf der Heimfahrt konnten die Ausflugsgäste dann noch eine Betankung des Schienenbusses miterleben, anschließend ging es am Abend recht zügig wieder in Richtung Bietigheim-Bissingen. Vor dem Ziel wurde der Schienenbus allerdings vom Fahrdienstleiter in Vaihingen gestoppt, weil Sensoren auf der Strecke eine ansteigende Temperatur gemeldet hatten. Der Grund: Der Auspuff des Fahrzeugs führt auf die Schienen, bei anderen Zügen ist der Auspuff nach oben geführt. Mit dem Zwischenstopp war der zeitliche Vorsprung zwar wieder aufgebraucht, trotzdem kamen alle Fahrgäste innerhalb des Zeitrahmens von dem Ausflug mit dem Schienenbus wieder auf dem Bahnhof in Bietigheim-Bissingen an.