Bietigheim-Bissingen / MICHAELA GLEMSER  Uhr
Die Eisfläche der EgeTrans Arena in Bietigheim-Bissingen wurde am Samstag zur großen Showbühne. Die knapp 50 Artisten des "Moscow Circus on Ice" begeisterten 3000 Besucher mit zwei fantasievollen Programmen, die zahlreiche Höhepunkte hatten.

Die Eisfläche war in violette Nebelschwaden getaucht, als Ole Lukoje, die dänische Sandmanngestalt, das Publikum in die Märchenwelt des berühmten Schriftstellers Hans Christian Andersen entführte, aus dessen Feder die Erzählung von der geheimnisvollen Schneekönigin stammt. Die kleine Sagengestalt glitt mit seinen beiden Regenschirmen über das Eis und versprach den braven Kinder die schönsten Träume unter seinem bunten Regenschirm, während er die unartigen Kinder vor traumlosen Nächten unter dem schwarzen Regenschirm warnte.

Doch die rund 1500 Zuschauer in der EgeTrans Arena in Bietigheim-Bissingen hatten an diesem kalten Winternachmittag Glück, und Ole begann ihnen eine wundersame Geschichte zu erzählen. Die Tonqualität war allerdings am Anfang der Vorführung nicht die beste, sodass einige Passagen des Märchens nur schwer zu verstehen waren. Doch die Darsteller auf dem Eis machten diesen kleinen Schwachpunkt mit ihrer künstlerischen Leistung wett. Allen voran zogen Gerda und Kai, die beiden Hauptakteure, das Publikum in ihren Bann. Die beiden Kinder lebten wie Bruder und Schwester in einer Stadt und genossen dort den Winter in vollen Zügen. Um Gerda und Kai herum tanzten Schneeflocken in prächtigen und funkelnden Kostümen, drehten Pirouetten auf Kufen oder am Seil, rollten in Rhönrädern über die Eisfläche oder jonglierten in unterschiedlichen Formationen mit Keulen in der Luft. Dramatische Musikklänge kündigten die Schneekönigin an, die auf ihren Hochschlittschuhen wie auf Stelzen in die Arena glitt und dabei gerade bei den kleinen Zuschauern für glänzende Augen sorgte. In ihrem blau-weißen glitzernden Mantel zog die Schneekönigin alle Blicke auf sich und nahm auch den Jungen Kai für sich ein. Schließlich fuhr die Königin in einem schneeweißen Schlitten mit silbernen Kufen über das Eis und nahm Kai mit in ihr eiskaltes Reich im fernen Lappland.

Gerda aber weinte viele Tränen, bis der Frühling nahte und sie sich auf die weite Reise zu ihrem Freund begab. Erste Station war ein geheimnisvoller Blumengarten, in dem Tänzerinnen in Federkostümen mit neonpinkfarbenen Diabolos allerlei Kunststücke vorführten. Plötzlich eroberten zwei Darsteller im Rabenkostüm die Eisfläche, doch sie wirbelten nicht nur auf Kufen schwungvoll herum, sondern schaukelten auch hoch über dem Publikum und führten Gerda zum eindrucksvollen Schloss eines Prinzenpaars. Dieses gab zu Ehren Gerdas einen großen Ball. Zu lebendigen Musikklängen stürmten kunterbunte Gaukler mit farbenfrohen Seilen auf das Eis und sprangen munter über die schwingenden Taue. Formationen von bis zu zwölf Artisten hielten zeitgleich sechs Seile in Bewegung, über die sie abwechselnd sprangen. Diese Meisterleistung belohnte das Publikum mit tosendem Applaus.

Auch eine argentinische Tangotänzerin hatte auf dem Ball ihren fulminanten Auftritt und verzückte die Zuschauer mit ihrer Hula-Hoop-Show, bei der sie an Bauch, Händen und Füßen bis zu sechs Reifen gleichzeitig drehte. Nach der Pause fuhr Gerda in einer goldenen Kutsche weiter zum nächsten Abenteuer, bei dem wagemutigen Piraten ihren großen Auftritt hatten. Frauen drehten sich mit einer Halsschleife befestigt an ihren Partnern, Tänzerinnen wurden in temporeichen Hebefiguren über das spiegelglatte Parkett getragen, bis das Lieblingsrentier der Freibeuter das Mädchen Gerda ins Land des ewigen Schnees brachte, wo die Schneekönigin auf ihrem Schloss unweit des Nordpols residierte. Ihre Armee zeigte eine faszinierende Lichtershow mit fluoreszierenden Figuren wie Würfeln oder Bällen die sie artistisch umherwirbelten. Umgeben von einer Schar Eistänzerinnen mit glitzernden Federkleidern entdeckte Gerda endlich ihren Kai, dessen Herz sich sofort wieder für sie erwärmte. Gemeinsam gelang es den Kindern den Fängen der Schneekönigin zu entkommen. In ihrer Heimatstadt erwartete das junge Paar ein ausgelassenes Fest, bei der die 47 Darsteller des Ensembles noch einmal alle ihre Künste auf Kufen, Kunst-, Ein- oder Hochrädern zeigten.

"Wir sind mit der Resonanz auf eine erste Eisrevue-Veranstaltung dieser Art in der EgeTrans Arena sehr zufrieden und wollen dies in Zukunft auf jeden Fall ausbauen. Seit Mitte 2015 gab es Verhandlungen mit dem ,Moscow Circus on Ice'. Es ist toll, dass es gelungen ist, die Deutschlandpremiere der ,Schneekönigin' nach Bietigheim-Bissingen zu holen", betonte Nadine Eckhardt, Sprecherin der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen, die für die Eisarena verantwortlich sind. Auch am Samstagabend waren die Zuschauerplätze bei der Show "Sensation 2016" gut gefüllt. Dabei stand vor allem die Akrobatik auf Schlittschuhen im Fokus des Interesses, denn schließlich wurde das russische Ensemble vor nunmehr über 50 Jahren als weltweit einziger "Zirkus auf dem Eis" gegründet.