Seit Renate Wendt 2012 den Vorsitz der Aktiven Senioren Bietigheim-Bissingen übernommen hat, sind die Mitgliederzahlen in die Höhe geschossen: 468 Mitglieder, von denen, so Renate Wendt, die meisten auch aktiv sind. Allein 60 sind 2019 hinzugekommen. Die Lebensaufgabe der 73-Jährigen, die auch Vorsitzende des Dachverbands für Seniorenarbeit ist, ist die Freizeitgestaltung anderer Senioren,

Frau Wendt, warum kümmern Sie sich in Ihrer Freizeit um die Freizeit anderer Senioren?

Renate Wendt: 2008 bin ich in meine Heimatstadt Bietigheim zurückgekehrt, weil ich in Rente gegangen bin. Genau vier Wochen habe ich es ausgehalten, dann war mir langweilig. Ich hatte das ganzheitliche Gedächtnistraining für Senioren kennengelernt und hatte die Idee, das auch in Bietigheim anzubieten. Ich ging auf Roland Hellmann, den damaligen Vorsitzenden der Aktiven Senioren, zu und fragte, ob ich einen Kurs anbieten kann. Er war sofort damit einverstanden, 2009 fing ich an. Diesen Kurs gibt es immer noch, nun seit zehn Jahren, aber inzwischen gibt es sechs verschiedene Gruppen und fünf ausgebildete Gedächtnistrainer.

Warum ist Gedächtnistraining so wichtig für ältere Menschen?

Die größte Sorge der alten Menschen ist, sich nicht mehr erinnern zu können. Die Erinnerung kann man aber trainieren. Bei uns geht es nicht um reine Wissensabfrage, sondern vorrangig  um Kommunikation. Das Gespräch mit anderen Menschen über Aktuelles, Vergangenes und Erinnerungen ist wichtig. Wortschatzübungen sind beliebt, vor allem dann, wenn sie mit Bewegung verbunden werden. Man erfährt viel Neues, wichtig ist auch das Zusammengehörigkeitsgefühl, das in diesen Gruppen entsteht.

Was raten Sie älteren Menschen, was sie tun sollen, um fit zu bleiben?

Alles, was ihnen Spaß macht. Hauptsache, sie gehen raus, treffen sich mit Menschen. Wissen Sie, wenn man alleine ist, dann kommt schnell die Einsamkeit und die Hemmschwelle, rauszugehen, wird größer. Und viele Menschen leben im Alter alleine, wobei der Anteil der Frauen, die an der Existenzuntergrenze leben, deutlich zugenommen hat. Es sind Frauen, die aus familiären Gründen nicht berufstätig waren, und deren Rente etwas über der Grundsicherungsrente liegt. Da sind Ausgaben für Freizeit und Unterhaltung ein Problem. Deshalb wollen  wir möglichst viele Veranstaltungen kostenfrei anbieten.

Sind Angebote wie die bei den Aktiven Senioren wirklich notwendig?

Ja, unbedingt. Wissen Sie, wenn man, sagen wir, mit 65 Jahren in Rente geht, dann denken die meisten, ich bin noch kein Senior. Ich mache Reisen, engagiere mich in Vereinen oder arbeite sogar noch stundenweise. Mit 70 aber fängt es langsam an, dass alles beschwerlicher wird. Und dann, was tun? Da kommen wir mit unseren Angeboten gerade recht. Es gibt so vieles, das wir anbieten: Bewegung, Geselligkeit, Kultur, Kreativität und jetzt auch manches  aus dem Medienbereich. Unser Vereinsprogramm ist nahezu kostenfrei dank des ehrenamtlichen Einsatzes aller Beteiligten.  Und nicht zu vergessen unseren Pavillon-Kurier, der bei unseren Mitgliedern sehr beliebt ist.

Was sollen Ihre Mitglieder bei den Aktiven Senioren finden?

Eine Wohlfühlatmosphäre. Jeder, der den Enzpavillon betritt, soll bereits an der Eingangstür spüren, dass bei uns ein guter Geist herrscht. Ich weiß, dass dies ein hoher Anspruch ist. Da sind alle gefordert. Das fängt bei den Mitarbeitern im Tagescafé an, geht weiter in den Gruppen, Kreisen, Seminaren, in den vielen Veranstaltungen und Sondereinsätzen. Ich bezeichne den Enzpavillon gerne als zweites Wohnzimmer. Hier geht es nicht um die bloße Anwesenheit, wir kümmern uns umeinander. Alleinsein macht mürbe, wir kommunizieren miteinander, das hält jung. Es ist uns auch wichtig, jeden zu integrieren. Ich kenne fast alle Mitglieder persönlich. Viele kommen zu einer Veranstaltung und helfen später in der Organisation mit. Es ist sehr wichtig, sich im Alter zu beschäftigen, aber sich auch mitteilen zu können. Und wenn es einmal ein Problem gibt, gibt es auch eine oder mehrere Lösungen, davon bin ich überzeugt.

Was ziehen Sie selbst aus Ihrer Arbeit bei den Aktiven Senioren?

Ich hätte nicht gedacht, dass ich nach einem erfüllten Berufsleben  im Ruhestand nochmal so ein Rad drehen würde. Aber Begeisterung steckt an und ich bin begeistert von dem, was wir hier machen. Ich habe so viele Glücksmomente. Ich hoffe, dass auch andere Menschen diese bei uns finden. Das macht mich froh und hält mich fit.

Die Aktiven Senioren Bietigheim-Bissingen


Die Aktiven Senioren Bietigheim-Bissingen gibt es seit 50 Jahren. Der Sitz des Vereins ist der Enzpavillon, dort finden alle Kurse und Angebote statt. Es gibt Gedächtniskurse, Kreativitätsangebote, Bewegungsangebote, Unterhaltung, ein Tagescafé, Spielnachmittage, Basare, Literaurkreise, Mediensprechstunde.

Das Tagescafé im Enzpavillon hat dienstags bis freitags, 14 bis 18 Uhr, geöffnet. Der Pavillonkurier, der monatlich erscheint, informiert über die Aktivitäten. Kontakt unter Telefon (07142) 511 55, E-Mail: info@aktive-senioren.org.

www.aktive-senioren.org