Leichtathletik-EM „Jeder, der nicht im Stadion war, hat was verpasst“

Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf 14.08.2018

Am Sonntag ist die Leichtathletik-Europameisterschaft in Berlin zu Ende gegangen. Für Bietigheim-Bissingens Oberbürgermeister Jürgen Kessing war es die erste EM, an der er als Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) teilnahm. Seine Eindrücke deckten sich mit denen vieler anderer Besucher, schilderte er am Montag gegenüber der BZ: Es sei eine „unglaublich schöne“ EM gewesen mit „faszinierenden Wettkämpfen“. Die Veranstaltung hätte ruhig noch länger gehen können.

Als DLV-Präsident führte Kessing viele Gespräche, nahm an Sitzungen teil. Dennoch sei auch Zeit geblieben, sich Wettkämpfe anzusehen. Die Begeisterung darüber war ihm am Montag immer noch deutlich anzuhören. „Jeder, der nicht im Stadion war, hat etwas verpasst“, so der OB. Im Stadion erhalte man ein ganz anderes Gefühl für die Geschwindigkeit und die Dynamik der Wettkämpfe, so Kessing, es sei „pure, unverfälschte Realität“. Das Publikum im Berliner Olympiastadion sei fair und offen gewesen, habe Beifall für den Ersten und den Letzten gespendet. Er habe inzwischen auch viele positive Rückmeldungen per E-Mail erhalten, so der DLV-Präsident, zum Teil von Leuten, die 1986 in Stuttgart dabei waren und ebenfalls begeistert gewesen seien.

Was die nackten Zahlen anbelangt, so hatten sich die Veranstalter im Vorfeld mehr vom Ticket-Verkauf erhofft. Insbesondere, nachdem die Fußball-Weltmeisterschaft aus deutscher Sicht zum Debakel geworden war. Aber erst, als die Wettkämpfe begannen, seien die Zahlen weiter nach oben gegangen, sagt Kessing. Kamen zum ersten EM-Abend 34 000 Zuschauer, so waren es am vergangenen Samstag mehr als 60 000. Auch die Hitze war dabei für Zuschauer wie Athleten eine Herausforderung. Am Ende wurden mehr als 350 000 Zuschauer gezählt. Nehme man noch die 150 000 Besucher der Fan-Meile hinzu, so habe die Veranstaltung eine halbe Million Menschen erreicht, zeigt sich der DLV-Präsident zufrieden.

Die überlappende Austragung der European Championships in sieben Sportarten vom 2. bis 12. August in Glasgow  habe er anfangs mit Skepsis betrachtet, sagt Kessing. Doch das Gegenteil sei eingetreten. Die Veranstaltung in Schottland habe die Zuschauer auf die Europameisterschaft vom 6. bis 12. August eingestimmt. „Das war eine gelungene Sache“, so seine Bilanz.

Kritik an Messungen

Für Kritik hatten bei den Wettkämpfen in Berlin fehlerhafte Messungen gesorgt. So etwa beim Weitsprung. Zum Glück habe der Videobeweis Klarheit schaffen können, so der DLV-Präsident. Zum Teil sei auch die Kalibrierung daran schuld gewesen. Diese Dinge seien angesprochen worden, so Jürgen Kessing, es habe deshalb eines der vielen Treffen gegeben, an denen er teilgenommen habe. Künftig solle ein Stock, der zusätzlich in den Sand gesteckt wird, für Besserung bei der Weitsprung-Messung sorgen.

Was den Medaillenspiegel anbelangt, so hat das 125-köpfige Team des Deutschen Leichtathletik-Verbands in Berlin 19 Medaillen geholt, davon sechs goldene. Nach Angaben des DLV wurde damit das beste EM-Ergebnis seit den Titelkämpfen 1998 in Budapest erreicht. Ein Ergebnis, das sich sehen lassen könne, unterstreicht Kessing.

Er betont zugleich, dass der DLV darüber hinaus auch auf die Platzierungen bis Platz acht schaue und darauf, ob die Wettkämpfer ihre persönlichen Bestleistungen erreichten. Wichtig sei auch, so der DLV-Präsident, dass viele junge Athleten dabei waren wie etwa Alina Reh oder Niklas Kaul. Damit sei gewährleistet, dass die deutschen Leichtathleten auch für die Zukunft gut aufgestellt seien.

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