BZ-Mobil „Irgendwann kracht es“

Bietigheim-Bissingen / Rena Weiss 23.06.2018

Seit 44 Jahren lebt Hans Egenlauf bereits in Bietigheim-Buch, doch in den letzten Jahren hätten sich der Stadtteil und vor allem die Anwohner sehr verändert – und nicht alles zum Positiven. Das erzählt er den beiden BZ-Redakteuren Rena Weiss und Uwe Mollenkopf beim BZ-Mobil-Stopp am Buchzentrum.

„Das Menschliche geht immer mehr verloren“, bemängelt Hans Egenlauf, „es gibt einfach keinen Zusammenhalt mehr.“ Mit diesen Worten beschreibt er unter anderem das seiner Meinung nach rücksichtslose Verhalten vieler Anwohner, die den Spielplatz am Krokusweg nutzen. „120 Kinder spielen da manchmal“, sagt er aufgebracht, „und deren Kindergärtnerinnen haben noch nicht mal die Tafeln mit den Regeln gelesen.“ Auf denen stehe, dass nicht mit dem Ball gespielt werden dürfe und darauf angesprochen, hätten ihm Kindergärtnerinnen sogar bestätigt, dass sie die Schilder nicht gelesen hätten. „Wenn die Kinder weg sind, kommen die Säufer“, sagt Egenlauf und ergänzt, dass er nie das Fenster offen haben kann und auch seinen Balkon nicht nutzen könne. „Ständig bin ich auf der Flucht vor dem Lärm.“

Auf dem Radweg geparkt

Einer seiner Nachbarn nimmt indes die Kinder in Schutz: „Wo sollen sie denn sonst spielen?“ Das sagt auch Silke Grandel. Sie ist selbst Mutter und hat Verständnis für beide Seiten, betont aber, dass die Kinder nichts dafür könnten. Es seien die Eltern, die für die Erziehung zuständig sind. Grandel lebt gern in Bietigheim-Buch, doch „die Parkplatzsituation ist schrecklich“. Das erleben auch die BZ-Redakteure bei ihrem Besuch. Kaum ein Parkplatz ist frei, im Minutentakt fahren Autos auf den Parkplatz, um doch einen zu ergattern. Da wird auch mal ein Behindertenparkplatz genutzt, und wehe, der Vordermann benötigt etwas mehr Zeit, schon wird gehupt. „Das würde sich ändern, wenn mehr Menschen mit dem Rad fahren würden“, sagt Silke Grandel.

Das sei auch mit ein Grund, warum ihre Familie viel mit dem Fahrrad unterwegs sei. Generell sei sie zufrieden mit dem Radwegenetz, doch eine Stelle störe sie: die Kreuzung Gröninger Weg und Sudetenstraße. Vor rund einem Jahr hatte die Stadt die Straße und damit auch den Radweg umgebaut. „Jetzt ist die Fahrradführung so, dass die Straßenseite gewechselt werden muss“, erklärt sie. Doch auf dem Gröninger Weg Richtung Kreisverkehr ist noch Platz für zwei parkende Autos, bevor der Radweg wieder beginnt (siehe kleines Foto), und das werde auch genutzt, so Grandel. „Da kracht es irgendwann“, ist sie überzeugt. Denn durch die parkenden Fahrzeuge werde nicht nur die Sicht verschlechtert, sondern auch der Weg der Fahrradfahrer auf der „falschen“ Straßenseite verlängert. „Richtig gefährlich wird es aber, wenn die Türen aufgehen“, erklärt sie. Die Menschen würden einfach auch nicht schauen, ob ein Fahrradfahrer kommt. „Da parken morgens, mittags und abends Autos“, sagt Grandel. Die Theorie und die Praxis passten hier einfach nicht zusammen. Verboten ist es allerdings nicht, dort zu stehen, anders ist es auf ausgewiesenen Fahrradwegen. Auf diesen darf man nicht parken. Doch das, so Silke Grandel, sei regelmäßig der Fall.

Unzufrieden mit Wohnbau

Mit der Umgestaltung des Buchzentrums ist die Anwohnerin zufrieden. Vor allem der CAP-Markt „ist super geworden und wird gut angenommen“, findet Grandel.

Hans Egenlauf sieht die Entwicklung im Buch hingegen kritisch: „Die Stadt verbaut alle Grünflächen, und für der Wohnbau ist egal, wer mietet, Hauptsache es ist vermietet.“

So sieht es auch Kornel Boronka, der hier die Stadt in der Pflicht sieht. „Ich verstehe die Stadt, doch die muss auch einen gewissen Druck aufbauen“, sagt er. Er würde sich von der Stadt wünschen, dass sie großen Supermärkten den Bau nur erlaube, wenn sie auch in Stadtteilen investieren, in denen die Nahversorgung gering ist. „Früher gab es hier Geschäfte ohne Ende“, sagt Boronka, der seit 1961 hier lebt. Heute sei die Konkurrenz einfach zu groß.

Roswitha Grau indes hat einen konkreten Vorschlag für die Stadt: „Warum nicht die Ampel in der Freiberger Straße zu einer Pförtnerampel machen?“ Die Ampel werde nur grün, wenn ein Fußgänger sie drückt, das nutzen vor allem Motorradfahrer aus, um hier zu rasen. „Wenn die Ampel immer rot wäre und nur grün wird, wenn jemand heranfährt, dann müssten sie hier langsamer werden“, denkt sich Grau. „Mich wundert es, dass da noch nichts passiert ist.“

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