Bietigheim-Bissingen / Rena Weiss  Uhr

Dendemann prägt seit den 90er-Jahren den deutschen Rap. Wortspiele, Ironie und seine Reibeisenstimme sind seine Markenzeichen. Nicht zuletzt mit Jan Böhmermanns Sendung Neo Magazin Royale erlangte Daniel Ebel, wie er mit bürgerlichen Namen heißt, neue Fans und begeisterte erneut seine alten. Jetzt hat er nach neun Jahren Album-Pause eine neue CD veröffentlicht und präsentiert diese am Samstag, 29. Juni, in Bietigheim-Bissingen bei Hip-Hop am Viadukt. Die BZ hat mit dem Rapper über seinen Auftritt und sein neues Album gesprochen.

Waren Sie schon mal in Bietigheim-Bissingen?

Dendemann: Ich glaube nicht, aber ich freue mich darauf.

Möchten Sie sich etwas anschauen?

Ich möchte alle Geburtshäuser von Bausa, Rin und Shindy sehen. Wobei Bausa ja gar nicht in Bietigheim geboren wurde. Dann möchte ich alle ihre Stammkneipen sehen. In Bietigheim-Bissingen gibt es ein sehr gutes Output.

Bausa, Rin und Shindy – Bietigheimer Kinder – was sagen sie zum „Nachwuchs“?

Das sind alle drei sehr wichtige deutsche Künstler und alle wichtig auf ihre Art.

Vielleicht werden sie sich am 29. Juni auch unters Publikum mischen. Was dürfen Sie bei Hip-Hop am Viadukt erwarten?

Es ist ein sehr inhaltsschwangeres Line-Up. Wirklich ganz toll ausgewählt. Ich fühle mich sehr gut vorbereitet und habe ein gut gemischtes Programm. Toni kommt auch mit neuem Album.

Auch, denn seit Januar gibt es das neue Dendemann-Album „Da nich für!“. Was können Sie zum neuen Album sagen?

Es ist draußen, es ist verfügbar. Das ist das Wichtigste.

Und sind Sie zufrieden damit?

Ja, da konnte ich nichts mehr dran machen. Das ist durch alle feinen Prozesse gegangen. Ein bisschen viel Delay (Verzögerung, Anm. der Red.) an manchen Stellen.

Neun Jahre hat es gedauert. Was haben Sie in all der Zeit neben der Fernsehsendung Neo Magazin Royale gemacht?

Ich mache viel Musik einfach so, dass nichts damit passiert. Das ist am angenehmsten.

Jetzt mündete alles im Album „Da nich für!“, auf dem die Beginner, Casper, Trettmann und Teutila vertreten sind. Eher untypisch für ein Dendemann-Album. Warum?

Es war immer klar, dass ich auf dem neuen Album Gäste dabei haben will. Das gab es sonst nicht. Trettmann war zum Beispiel ein absoluter Herzenswunsch.
Casper hat sich richtig krass ergeben. Er hatte eine Rohfassung von „Alle Jubilare Wieder“ gehört und hat mit seiner Strophe dem ganzen Song einen Sinn gegeben. Beginner hatte ich seit unserer letzten Zusammenarbeit immer im Hinterkopf. Wenn es passt, wollte ich etwas mit ihnen machen.

Klingt nach einer guten Zusammenarbeit. Gibt es noch weitere Künstler, mit denen Sie gerne Musik machen möchten?

Alles aus dem deutschsprachigen Raum – Bilderbuch zum Beispiel.

Das neue Album ist deutlich politisch, aber oder gerade deswegen sehr erfolgreich. Sehen Sie einen Zusammenhang?

Es wird auch ganz viele verschrecken. Meistens macht man aber Musik für Gleichaltrige. Da fühlen sich einige wohl, wenn Musik nicht ganz inhaltslos ist.

Warum denn gerade jetzt so politisch?

Halbpolitisch war meine Musik ja immer. Es wird unglaublich viel über Politik gesprochen, aber keine gemacht. Auf dem Album zeigen sich jetzt wohl die Einflüsse der letzten Jahre.

Bei jedem neuen Album wird gern die Frage nach einem neuen Eins-Zwo-Album gestellt. Wie ist das für Sie, wenn ständig nach Ihren Anfängen gefragt wird?

Inzwischen bekomme ich sehr viel vom Hip-Hop-Geschäft mit. Da zieht man Vergleiche. Heute gibt es kein Respekt vor der alten Garde und das ist das Mindeste, was ich von Nachwuchs-Künstlern erwarte. Anders entsteht nichts Neues.

In den 90er-Jahren ging es bei Ihnen richtig los. Wie hat sich Hip-Hop seitdem entwickelt?

Heute genießt deutscher Hip-Hop eine unfassbare Aufmerksamkeit. Für Alteingesessene ist das interessant zu sehen. Junge Leute haben so eine Selbstverständlichkeit. Wir haben noch für die Akzeptanz von Hip-Hop gerappt.

Der Stil scheint sich aber verändert zu haben. Der Hip-Hop-Trend geht klar zu Auto-Tune, also eine automatische Tonhöhenkorrektur, und beispielsweise Trap.

Das, was heute in ist, gab es eigentlich schon immer – die Beats zumindest. Nur die Technik hat sich weiterentwickelt. Wenn wir Auto-Tune gehabt hätten, hätten wir es auch genutzt.

Jetzt nutzen Sie es auch.

Stimmenverfremdung fand ich immer schon geil. Was haben wir gestaunt, als Daft Punk heraus kam. Auto-Tune hilft etwas nachzumachen, was man gut findet. Das ist eine Technik, die es einem leicht macht.

Leicht machen – das klingt nach Kritik an der Technik?

Es ist natürlich polarisierend und manche wird es nicht erreichen. Aber es heißt ja nicht, dass die Rapper es nicht auch anders können. Auch mit Auto-Tune muss der Song trotzdem gut sein.

Info Am Samstag, 29. Juni, beendet das Konzert mit Dendemann und Co. die Reihe Live am Viadukt. Um 17.30 Uhr geht es los. Neben Dendemann treten bei Hip-Hop am Viadukt auch Dexter, Yassin, Fatoni und die Antilopen Gang auf. Weitere Informationen gibt es online. Karten gibt es unter anderem beim Ticketschalter der BZ.

www.live-am-viadukt.de

Hip-Hop am Viadukt mit Dendemann

Am Samstag, 29. Juni, beendet das Konzert mit Dendemann und Co die Reihe Live am Viadukt. Um 17.30 Uhr geht es los. Neben Dendemann treten Dexter, Yassin, Fatoni und die Antilopen Gang auf. Weitere Infos gibt es online. Karten gibt es unter anderem beim Ticketschalter der BZ. rwe

www.live-am-viadukt.de

 

Am Samstag, 29. Juni, beendet das Konzert mit Dendemann und Co die Reihe Live am Viadukt. Um 17.30 Uhr geht es los. Neben Dendemann treten Dexter, Yassin, Fatoni und die Antilopen Gang auf. Weitere Infos gibt es online. Karten gibt es unter anderem beim Ticketschalter der BZ. rwe

www.live-am-viadukt.de