Tag der Muttersprache „Gosch uff“ zum Erhalt der schwäbischen Mundart

Mundart­autor Hans Fleischle.
Mundart­autor Hans Fleischle. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf 21.02.2018

Laut einer Umfrage des Allensbach-Instituts für Demoskopie – die aus dem Jahr 2008 stammt – sprechen 37 Prozent der 16- bis 29-jährigen Deutschen die Mundart ihrer Region „gut“ und 30 Prozent immerhin „ein wenig“. Für den Förderverein Schwäbischer Dialekt mit Sitz in Tübingen einerseits ernüchternd, weil im Vergleich dazu 58 Prozent der Befragten, die 60 Jahre oder älter sind,  angaben, den Dialekt zu beherrschen. Andererseits ist der Verein überzeugt, dass sich der Dialekt als Ganzes in nächster Zukunft nicht verabschieden wird, denn die Jugend spreche ihn größtenteils noch, wie auch die Allensbach-Umfrage bestätige, auch wenn er nicht in jeder Situation gleich stark angewendet werde. Auch der Bietigheim-Bissinger Hans Fleischle, der sich als Mundartdichter betätigt, will den Dialekt keineswegs abschreiben.

Fleischle, vormals Rektor der Bietigheimer Hillerschule, hat vor etwa 20 Jahren damit angefangen, Gedichte auf Schwäbisch zu verfassen und dann auch in Buchform zu veröffentlichen. Bei Lesungen war Hans Fleischle in ganz Baden-Württemberg unterwegs, die Bücher seien gut verkauft worden – ein Zeichen für ihn, dass es um die schwäbische Mundart so schlecht nicht stehen kann. Seit etwa einem Dreivierteljahr hält der ehemalige Rektor, der nächstes Jahr 80 Jahre alt wird, nur noch Lesungen in kleinerem Rahmen.

Er verweist aber auf den regen Verein „Schwäbische mund.art“, der sich die Pflege und den Erhalt des Schwäbischen zur Aufgabe gemacht hat. Dort gilt die Maxime „Gosch uff“, und zwar gerade im öffentlichen Raum, denn der Dialekt lebe nicht von seiner Erforschung und der Diskussion in kleinen Gremien.

Der Bietigheim-Bissinger Hans Fleischle hat das getan und dabei viele Erfahrungen gesammelt. Dazu gehört für ihn auch die große Vielfalt der schwäbischen Sprache. So sei nach einer Lesung einer auf ihn zugekommen und habe ihm gesagt, er wisse aus seiner Dialektfärbung, wo er herkomme, nämlich aus Mühlacker, erzählt Fleischle. Das habe nicht ganz gestimmt – er stammt aus Ensingen –, er habe aber als Lehrer acht Jahre in Mühlacker unterrichtet und dort wohl einige Brocken aufgeschnappt, erzählt der Bietigheimer. Die dortige Mundart gilt als „Dachtraufschwäbisch“, weil hier wie bei einer Dachtraufe das Schwäbische ins Fränkische hinübertropft.

In jedem Flecken anders

Letztlich spreche jeder Flecken etwas anders, sagt Fleischle. Es gebe sogar ein Dorf bei Metzingen, wo sich die Bewohner teilweise selbst nicht alle verstehen, wie eine Untersuchung herausgefunden habe. Generell gelte, dass die Mundart in ländlichen Regionen noch einen anderen Stand habe als in städtischen.

Insgesamt hat der Bietigheimer Mundartdichter festgestellt, dass sich der Wortschatz des Schwäbischen ändere. Alte Begriffe würden zum Teil heute nicht mehr verwendet und gingen verloren. Schaue man sich alte Literatur auf Schwäbisch an, sei einiges auch ihm nicht mehr so ohne Weiteres verständlich. „Der Dialekt passt sich auch an.“

Liegt es auch an der Schule, dass Jugendliche heute weniger Mundart sprechen als früher? „Der Dialekt ist an der Schule in der Vergangenheit ein bisschen madig gemacht worden“, meint der ehemalige Rektor. Heute sei das aber nicht mehr so. So gingen beispielsweise Mitglieder des Vereins „Schwäbische mund.art“ bewusst an die Schulen, um dort den Dialekt populär zu machen. Eine AG Mundartdichtung in höheren Klassen wäre etwas, was dem ehemaligen Rektor gefallen würde.

Allerdings gebe es auch Hindernisse. Etwa die hohe Zahl an ausländischen Kindern. So habe es schon zu seiner Zeit an der Hillerschule teilweise Klassen mit über 50 Prozent Schülern ohne deutsche Muttersprache gegeben. Hier stehe der Erwerb der Hochsprache im Mittelpunkt. Auch die Tatsache, dass die Lehrer teilweise aus anderen Regionen kommen, spiele eine Rolle.

Insgesamt steht für Fleischle aber fest: „Von einem Niedergang der Mundart kann man nicht sprechen“, so sein Fazit zum heutigen Tag der deutschen Muttersprache.

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