Elektrobusse „Es muss funktionieren“

Bülent Menekse ist Geschäftsführer der Omnibusverkehr Spillmann GmbH in Bietigheim-Bissingen. Ab 2025 sollen bei ihm nur noch Elektrobusse fahren.
Bülent Menekse ist Geschäftsführer der Omnibusverkehr Spillmann GmbH in Bietigheim-Bissingen. Ab 2025 sollen bei ihm nur noch Elektrobusse fahren. © Foto: MARTIN KALB
Bietigheim-Bissingen / Rena Weiss 31.12.2018

Ab 2025 sollen in Bietigheim-Bissingen nur noch Elektrobusse fahren. Als Epochenumbruch bezeichnet dies Bülent Menekse, Geschäftsführer der Omnibusverkehr Spillmann GmbH in Bietigheim-Bissingen: „Der Gemeinderat und die Stadtverwaltung haben eine sehr kluge und vorausschauende Entscheidung getroffen.“ Klug und vorausschauend deshalb, weil Bietigheim-Bissingen nicht dem blinden Aktionismus verfalle, der andernorts gerade herrsche.

„Wir befassen uns seit rund zehn Jahren sehr intensiv mit Elektrobussen“, erklärt Menekse. Dabei beobachte man andere Städte und Regionen in Deutschland, aber auch die weltweiten Hersteller. Dabei sei dem Unternehmen ganz klar: „Es muss funktionieren, unabhängig vom Wetter.“ Doch Elektrobusse seien im Moment nur eingeschränkt nutzbar. Die Kernaufgabe des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sei es jedoch, Menschen zur Arbeit zu bringen, zu den Läden, zur Schule oder zu ihren Freizeitaktivitäten „und das 365 Tage im Jahr, 24 Stunden“, sagt der Geschäftsführer. Im Sommer aber fresse die Klimaanlage Strom und im Winter die Heizung, das verringert die Reichweite. Hinzu kommen derzeit noch hohe Preise. „Ein E-Bus kostet ungefähr das 2,5-fache eines Diesel-Busses“, sagt Menekse, „das ist im Moment wirtschaftlich überhaupt nicht tragbar.“ Zudem zahle man noch für die Entwicklung dazu.

Genaue Preise wollte er nicht nennen. Er spekuliert jedoch darauf, dass bis 2025 das Angebot größer ist, eine höhere Stückzahl produziert werde und sich so die Kosten verringern. „Wir sprechen ja nicht davon, dass wir nur einen Bus wechseln.“ Circa 35 Busse muss das Unternehmen bis 2025 auf Elektromobilität umstellen. Doch damit allein ist es nicht getan: E-Busse müssen auch geladen werden. Das heißt, der komplette Betriebshof muss umgebaut werden. Bislang reiche die Reichweite nicht, um nur im Betriebshof sogenannte Depotladungen durchzuführen. Die heutige Generation von E-Bussen müsse entweder an Endhaltestellen oder an Haltestellen, an denen sie länger halten, geladen werden. Beispielsweise mit Pantografen oder anderen Ladestationen. Pantografen sind Stromabnehmer, die entlang der Fahrbahn angebracht sind und das Fahrzeug so laden. So zum Beispiel bei Oberleitungsbussen und Straßenbahnen. Bei Induktionsladung sei die Strahlung indes zu hoch. So oder so sei es eine unnötige Investition, die im Falle der Pantografen noch „ein Eingriff ins Stadtbild ist“, stellt Menekse klar.

So wolle auch der Umbau des Betriebshofs wohlüberlegt sein. „Wenn wir alle Busse gleichzeitig laden würden, würde hier das Licht flackern“, erklärt er salopp. Daher müsse ein intelligentes Ladesystem mit Starkstrom her. Damit muss der Betriebshof an die Brandschutzverordnung angepasst werden. Eine Depotladung mit Hallenpantografen ist die derzeitige Überlegung. 2022, so schätzt er, ist Baubeginn. Was bringt es jedoch, wenn der Strom, den die E-Busse tanken, nicht „grün“ ist? Auch hier hat das Unternehmen schon Überlegungen angestellt. „Unser Wunsch und Ziel ist es, nachhaltig umzustellen.“ Der Geschäftsführer könne sich vorstellen, den Bahnhof mit Solarenergie zu betreiben oder auch mit den Stadtwerken zusammenzuarbeiten. „Alles andere wäre Fake“, betont Menekse.

„ÖPNV ist kein Experimentierkasten“, sagt der Spillmann-Geschäftsführer. Deswegen setze er auf die dritte Generation Elektrobusse. Die erste, die es im Moment gibt, funktioniere, aber die Reichweite ist zu gering. Die dritte, so hofft er, habe eine Reichweite ohne Einschränkung. Zwar gebe es bereits interessante Anbieter aus China, Polen und den Niederlanden, doch keiner habe langjährige Erfahrung damit, wie sich die E-Busse ins gesamte ÖPNV-Netz integrieren lassen. Zudem müsse auch das Ladesystem von den Herstellern kommen und die müssen auch bei Wartungen und Reparaturen schnell verfügbar sein. Damit spricht Menekse einen weiteren Faktor an, an dem es derzeit ebenfalls mangelt: Fachkräfte. Auch hier gilt der Blick in die Zukunft.

Zum Vergleich: Heutige Elektrobusse müssen laut Menekse noch über den Tag verteilt immer wieder geladen werden. Noch dazu komme eine lange Ladezeit mit Steckern. Es gibt zwar Schnellladesysteme, aber die verringern die Lebensdauer der Batterie. Hybridbusse laden sich im Betrieb wieder auf, und ein Dieselbus benötigt rund eine Tankfüllung am Tag.

Auf die Frage, ob es bis 2025 wirklich funktionierende Systeme und E-Busse geben kann, antwortet Bülent Menekse: „Die Hersteller werden liefern müssen.“ Bis dahin setzt das Spillmann-Unternehmen auch auf Hybridbusse. Hier dient ein Dieselmotor als Stromversorger für einen Elektromotor. Damit fallen Ladestationen weg. Der erste Hybridbus des Unternehmens werde April/Mai 2019 durch die Straßen Bietigheims fahren. So werde sich das Unternehmen stufenweise dieser Herausforderung stellen. „Es ist eine schöne Herausforderung. Darauf freuen wir uns.“

Finanziell gesehen soll die Umstellung keine großen Auswirkungen auf die Fahrpreise haben. Die Fahrpreise gestaltet jedoch nicht das Spillmann-Unternehmen, sondern der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart. Generell wird der ÖPNV aus verschiedenen Töpfen von Bund, Land und Kommunen finanziert. Hier fordert Menekse eine Erhöhung der Gelder vom Bund.

Was die Spillmann GmbH im neuen Jahr vor hat:

„ÖPNV ist Teil des öffentlichen Raums“, sagt Bülent Menekse, Geschäftsführer der Spillmann GmbH, „wir wollen diesen attraktiver gestalten.“ Gemeint ist damit, dass das Unternehmen seine Busse innen mit Themen wie Bildung, Wissenschaft und die Stadtentwicklung füllen will. Auch Informationen über die Stadt sollen enthalten sein. Im Frühjahr will er sich mit der Stadtverwaltung und den Schulrektoren zusammensetzen und ein Konzept erarbeiten.

Auch der Fahrplan werde ab 2020 Neuerungen enthalten. Die Ausschreibung (die BZ berichtete) stoppte viele Entwicklungen, erklärt Menekse. So werden die Busse nach Bönnigheim im 15-Minuten-Takt fahren. „Dafür haben wir uns jahrelang eingesetzt und wollten es schon früher einführen.“

Das Kronenzentrum werde ein großer Umschlagplatz, vor allem für die Kammgarnspinnerei. Diese Strecke soll häufiger gefahren werden. So auch die Strecke von Bissingen zum Hauptbahnhof. „Vor allem Bissingen-Süd und das Gewerbegebiet werden besser angeschlossen sein.“ Die Ringlinie wird gesplittet und soll dadurch schneller werden.

Der Zulauf auf den ÖPNV wachse, sagt Menekse. Auch deswegen werde die Spillmann-Flotte leicht erhöht. Beim Bezahlsystem hofft er auf eine zeitgemäße Umstellung, die für den Nutzer unkompliziert ist. Bislang sei es ein großer Verwaltungsaufwand. rwe

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