Betreuung „Die Bedürfnisse haben sich verändert“

Das Haus an der Metter wurde umfassend modernisiert und erweitert. Im Bild trainiert eine an Multipler Sklerose erkrankte Frau an einem speziellen Gerät ihre Beinmuskulatur.
Das Haus an der Metter wurde umfassend modernisiert und erweitert. Im Bild trainiert eine an Multipler Sklerose erkrankte Frau an einem speziellen Gerät ihre Beinmuskulatur. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf 21.07.2018

Nach mehrjähriger Bauzeit hat die Evangelische Heimstiftung (EHS) das rundum modernisierte Haus an der Metter in Bietigheim-Bissingen am Freitag feierlich eingeweiht. Es hat nun Platz für 90 Einzelzimmer, 40 betreute Wohnungen, eine Tagespflege für bis zu 15 Gäste, Räumlichkeiten für die Mobilen Dienste der EHS sowie eine moderne Wohngruppe für Menschen mit Multipler Sklerose (MS).

Die Evangelische Heimstiftung betreibt das Pflegeheim in Bietigheim-Bissingen seit 1982. Nach 30 Jahren war ein grundlegender Umbau nötig, auch vor dem Hintergrund, dass ab 1. September 2019 in den Heimen im Wesentlichen nur noch Einzelzimmer zulässig sind. „Die Bedürfnisse der Menschen haben sich verändert“, sagte Ralf Oldendorf, Prokurist für Regionen und Markt bei der EHS, beim Festakt. Deshalb sei ein Konzept entwickelt worden, um die Einrichtung zu modernisieren und zukunftsfähig zu machen.

17 Millionen Euro investiert

Ab 2012 habe sich die Evangelische Heimstiftung mit dem Bauprojekt beschäftigt, 2015 folgte der erste Spatenstich, so Oldendorf. Insgesamt seien 17 Millionen Euro in das Gesamtprojekt investiert worden, es sei eines der großen Projekte der Evangelischen Heimstiftung.

Eine Besonderheit sei das sogenannte „Aladien“-System, das in allen betreuten Wohnungen im neuen Haus an der Metter zum Einsatz kommt. „Aladien“, die Kurzform für „Alltagsunterstützende Assistenzsysteme mit Dienstleistungen“, wurde von der EHS speziell für Menschen mit Unterstützungs- und Pflegebedarf entwickelt. Es bedeutet, dass technische Systeme wie eine automatische Licht- und Rolladensteuerung, eine automatische Herdabschaltung, Sturzsensoren oder ein moderner Hausnotruf die Bewohner im Alltag unterstützen. Hinzu kommen Dienstleistungen, die durch die Hausdirektion, die Mobilen Dienste oder durch Angehörige sowie örtliche Gruppen erbracht werden können. „Aladien“ steuere diesen Mix aus Technik und Dienstleistung individuell über ein für Senioren optimiertes Tablet, das zur Grundausstattung jeder Wohnung gehöre, sagte Oldendorf.

Ein Ziel des Umbaus sei es auch gewesen, die Situation der Menschen mit MS im benachbarten Haus am Lindenhain zu verbessern. Als das Wohnheim vor über 30 Jahren gebaut wurde, sei es ein Novum gewesen. Im Zuge des Sanierungsprozesses sei aber deutlich geworden, dass es weder den pflegerischen noch den baulichen Anforderungen der Landesheimbauverordnung entspreche und deshalb nicht zukunftsfähig sei, erläuterte der Prokurist. Deshalb wurde im neuen Haus an der Metter ein spezieller Wohnbereich für die MS-Kranken geschaffen. Der Umzug sei ihnen nicht leicht gefallen, meinte Oldendorf, inzwischen lebten sie sich aber ein.

Bürgermeister Joachim Kölz betonte, das erweiterte Seniorenheim, das nach den Worten von Hausdirektorin Ursula Uhlig zuvor 30 Plätze in 15 Doppelzimmern hatte, bilde einen „ganz wesentlichen Bereich“ im sozialen Netz der Stadt und schließe mit der Erweiterung eine Lücke in der Betreuung.

Drei Umzüge

Architekt Dieter Juranek und Andy Vonderlind, Geschäftsführer der Baufirma Gottlob Rommel, erinnerten an die Herausforderungen, die der Umbau, der während des laufenden Betriebs stattfand, mit sich brachte. Es habe so manche Situation gegeben, die den Verantwortlichen den Schweiß auf die Stirn getrieben habe, berichtete Juranek. Es gab drei Umzüge während der Bauphase, außerdem noch einen Fahrstuhlbrand, sagte Ursula Uhlig. Nun hoffen alle, dass sich das Haus mit Leben erfüllt. Das geistliche Wort dazu sprach Pfarrer Stephan Seiler-Thies.

Am Sonntag Tag der offenen Tür

Nach der feierlichen Eröffnung veranstaltet das Haus an der Metter am Sonntag, 22. Juli, zwischen 13 und 17 Uhr einen Tag der offenen Tür. Alle Räumlichkeiten können entweder auf eigene Faust oder im Rahmen einer Hausführung besichtigt werden, heißt es in einer Mitteilung. Auch die Partner des Hauses stellen sich vor: der Friseursalon, die Fußpflege, die Apotheke das Sanitätshaus sowie die Wohnraumberatungsstelle der Stadt Bietigheim. Ebenso kann eine „Aladien“-Wohnung besichtigt werden. bz

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