Bietigheim-Bissingen / Heidi Vogelhuber  Uhr

Im Werkraum der Schule im Sand in Bietigheim-Bissingen brennt’s. Jemand hat vergessen, das Bügeleisen auszuschalten und nachdem der Bezug des Bügelbretts ankokelte, breitete sich das Feuer über die Vorhänge aus. Der starke Rauch, der entstanden ist, wird von Nachbarn entdeckt, diese rufen die 112.

Jetzt muss es schnell gehen. Es ist 19.30 Uhr, Schüler werden sich wohl keine mehr im Schulgebäude befinden, jedoch werden Abendkurse und Musikunterricht angeboten. Fünf Fahrzeuge und 21 Einsatzkräfte der Feuerwehr Bietigheim und Bissingen rücken aus. Für einen kleinen Brand ohne Personen ausreichend, jedoch ist es eine Schule, also werden mehr Kräfte zusammengetrommelt. Das erste Feuerwehr-Fahrzeug ist vor Ort. Die Vorhut sucht den Kontakt zum Hausmeister und entfernt die Pfosten, um eine Einfahrt in den Schulhof zu ermöglichen, eine erste Einschätzung der Lage erfolgt. Es wurden Personen im Schulgebäude gesichtet – Alarmstufe Rot. Insgesamt 85 Einsatzkräfte sind mit 13 Fahrzeugen im Bietigheimer Wohngebiet und haben sich um die Schule postiert.

Eine Übung, kein Ernstfall

So trug es sich am Freitagabend nach 19.30 Uhr zu. Allerdings handelte es nicht um den Ernstfall, sondern um eine Übung. Eine Großübung der Wehren Bietigheim und Bissingen sowie Ingersheim, die ebenfalls mit einem Fahrzeug und neun Personen zur Unterstützung ausrückten. Ausgedacht hat sich die Szenerie Jochen Mühlstrasser, Kommandant der Abteilung Bietigheim. Zu retten gab es 15 Personen – allesamt von der Jugendfeuerwehr. Einige mussten über eine Leiter aus dem zweiten Stock befreit werden, an anderer Stelle waren bewusstlose Personen unter Einsatz der Drehleiter aus einem verrauchten Raum zu befreien und als ob das noch nicht genug gewesen wäre, wurde auch noch ein Unfall im Chemieraum festgestellt mit einer unbekannten, ätzenden Flüssigkeit. „Hier ist das natürlich alles geballt, damit jedes Rad, das wir haben, bewegt wird“, sagt Übungsleiter Mühlstrasser. Realistisch seien die Szenerien alle.

Und dann geht die Rettungsaktion richtig los. Jeder weiß, was er zu tun hat. Die Rolltore an den Fahrzeugen werden geöffnet und meterweise gelbe Schläuche entrollt, die mit Wasser volllaufen. Überall blinkt es blau, die Durchsage aus dem Schullautsprecher „Aus technischen Gründen bitten wir sie, das Gebäude sofort zu verlassen“ ist ohrenbetäubend und läuft in Dauerschleife.

Nach kurzer Zeit sind die Personen befreit und werden im Hof versorgt, nun ist der Chemieunfall dran. „Feuer breitet sich aus, wenn nichts unternommen wird“, erklärt Mühlstrasser das Vorgehen. Bei Gefahrstoff gebe es Zeit, sich wichtige Informationen zu holen, um die Sache nicht noch schlimmer zu machen.

Gasdichte Schutzanzüge

In gelben und grünen Schutzanzügen, die gasdicht gegen Säure, Laugen und Dämpfe sind, bahnen sich die Einsatzkräfte ihren Weg. Auf dem Rücken tragen sie Sauerstoffflaschen. Wenn die ausgelaufene Flüssigkeit gesichtet ist, wird nach der UN-Nummer gesucht, die auf jeder Chemikalie angegeben sein muss. Diese wird an die Einsatzleitung weitergegeben, damit Infos zum Umgang mit dem Stoff gesammelt werden können. Dann wird auf weitere Anweisungen gewartet.

Diese kommen aus dem Schulhof, wo zwei Einsatzbusse stehen. „Das ist unser mobiles Büro. Der Rechte ist mehr auf Funk gemünzt, der Linke auf Besprechung und Dokumentation“, sagt Mühlstrasser. „Die Säure kann mit ausreichend Wasser neutralisiert werden“, sagt ein Feuerwehrmann in ein Funkgerät.

Gegen 21 Uhr wurden alle Aufgaben erfüllt, der Übungsleiter zeigt sich zufrieden. „Nach dem Einsatz ist aber vor dem Einsatz“, so Mühlstrasser. Auf der Wache müsse nun alles verstaut, ausgetauscht, befüllt werden. Das dauere zwei bis drei Stunden. Auch eine Nachbesprechung gebe es noch auf der Wache. Aber auch ein Vesper, das sich die 85 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr redlich verdient haben.

www.ff-bietigheim-bissingen.de

Tage der offenen Tür: 31. Mai bis 2. Juni

Die Freiwillige Feuerwehr Bietigheim-Bissingen, Abteilung Bietigheim veranstaltet vom 31. Mai bis 2. Juni Tage der offenen Tür.

Der Höhepunkt am Freitag, 31. Mai, ist die Vorführung der neuen Drehleiter um 18 Uhr. Am Samstag um 15.30 und Sonntag um 15 Uhr zeigt die Jugendfeuerwehr in einer Übung, was sie kann. An beiden Tagen können Kinder eine Fahrt im Feuerwehrauto erleben. Am Samstagabend gibt es Live-Musik von „The Melting X“. hevo