Für die meisten der 79 Musiker aus dem Jugendblasorchester der Jugendmusikschule im Schloss war es der erste Sprung über den großen Teich. Vom 30. März bis zum 13. April genossen die Jugendlichen aus Bietigheim-Bissingen und den Nachbargemeinden das Land der unbegrenzten Möglichkeiten bei einer gemeinsamen USA-Tour. Auf seiner zehnten USA-Reise stattete das Orchester den Partnerschulen in Overland Park/Kansas und Downers Grove in der Nähe von Chicago einen Besuch ab, gab Konzerte und lernte Land und Leute kennen.

"Durch das Leben in den Familien lernt man die USA so kennen, wie sie wirklich ist und nicht aus der Warte eines Touristen. Faszinierend: Hier ist alles viel größer und weiter als in Deutschland. Es gibt dort Riesenkonzertsäle. Es war schön, bei den Amerikanern zu spielen und wir waren schon stolz auf unser Programm", schwärmt Juliane Gebler immer noch. Mit ihren 20 Jahren gehört sie zu den erfahrenen Spielern im Orchester. Sie hatte das seltene Glück, gleich zweimal mit zum Austausch nach Amerika zu können. "Die meisten steigen aus, wenn sie Abitur machen", weiß Musikschulleiter Reimund Schiffer aus Erfahrung. Orchesterleiterin Sandra Kaltenbrunn ist schon etliche Male dabei gewesen und fühlt sich im Gastland längst "wie zuhause". Als Teilnehmerin war sie mit 13 Jahren schon selbst dabei, erzählt sie und ergänzt: "Ich freue mich immer wieder dorthin zurückzukehren." Simon Essig, 15 Jahre, genoss es vor allem, gemeinsam in einer großen Gruppe unterwegs zu sein. "Lauter gerade Straßen, nur weißes Brot und eine Baumart statt der Fülle, die es bei uns gibt. Vieles ist anders in Amerika und das ist einfach toll", findet er.

Zur USA-Tour gehörten Konzerte in den Partnerschulen, Ausflüge, gemeinsame Zeit mit der Gastfamilie und jede Menge Fun. "Alle vier Jahre reisen wir nach Amerika. Seit den 1970er-Jahren bestehen die Musikschulpartnerschaften. Da wir zwei Orte ansteuern, kommen auch Schüler aus verschiedenen Schulen zu uns - jedes Jahr", lässt Musikschulleiter Reimund Schiffer wissen.

Vorwiegend "Musik aus Europa" haben die Bietigheimer Bläser und Percussionisten mitgebracht und natürlich "Stars and Stripes". "Das muss man dort einfach spielen", erklärt Schiffer. "Das Unterrichtssystem ist völlig anders als bei uns. Die Orchester dort proben fünfmal die Woche, wir einmal", erklärt der Musikschulleiter weiter. Ein Professor für Dirigieren habe zwei Stunden lang mit den Bietigheimer Jugendlichen geprobt, die natürlich ihr Bestes gaben. Reimund Schiffer: "Das war ein Highlight." Ein anderes war ein amerikanisches Fußballspiel der ersten Liga live mitzuerleben und der Besuch der Premiere des Musicals "Carousel". "Niemand soll wegen der Kosten für die Reise zuhause bleiben müssen", ist ein Grundsatz des Musikschulleiters. Es gebe Zuschüsse von der Stadt und vom Förderverein sowie eine Geschwisterermäßigung.

Zu den Konzerten der Bietigheimer und der Partnerorchester kamen teils zwischen 600 und 700 Zuhörer. "Es gab auch ein Austauschkonzert, bei dem 180 Musiker auf der Bühne waren", so Schiffer.