Schwerpunkt Ärzteversorgung 25 000 Patienten nutzen die Notfallpraxis

Die Notfallpraxis im Bietigheimer Krankenhaus ist eine viel genutzte Anlaufstelle für Patienten, wenn der Hausarzt geschlossen hat.
Die Notfallpraxis im Bietigheimer Krankenhaus ist eine viel genutzte Anlaufstelle für Patienten, wenn der Hausarzt geschlossen hat. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Von Susanne Yvette Walter 13.01.2018

Sammy Eskridge kümmert sich in Bietigheim-Bissingen um die Notfallpraxis, die jetzt im Erdgeschoss des Bietigheimer Krankenhauses angesiedelt ist. Mit rund 120 Mitarbeitern ist Eskridge dann zur Stelle, wenn der Hausarzt Feierabend hat.

Die Notfallpraxis in Bietigheim-Bissingen wird laut Eskridge, der die Firma „Ärztliches Notfallpraxenmanagement“ betreibt, rege genutzt: „Auch unter der Woche ist hier nachts immer Betrieb“, erzählt Eskridge und erst recht an den Wochenenden. „Man muss mit Wartezeiten von einer bis zu drei Stunden rechnen.“ Dennoch werde die Notfallpraxis immer mehr frequentiert. „Wir haben wie überall Menschen, die öfter kommen und bewusst Wartezeiten in Kauf nehmen.“

Diese Tendenz steigt weiter, seit die Praxis nicht mehr nur in der Nähe des Krankenhauses, sondern direkt im Krankenhaus integriert ist. Waren es im Jahr 2016 noch 23 400 Patienten, die hier eine erste medizinische Versorgung bekommen haben, so sind es ein Jahr später schon gut 1000 mehr.

Den jüngsten Zulauf erklärt sich der Experte auch durch die Anbindung an die Klinik. Die Leute schätzten es heute, wenn viele unterschiedliche Leistungen auf einem Fleck seien. Auch für die Notfallklinik selbst sei die Nähe zum Krankenhaus ein Vorteil. Noch mehr Patienten dürften in Zukunft deshalb kommen, weil zum Jahreswechsel die Notfallpraxis in Sersheim geschlossen hat und das Einzugsgebiet sich dadurch noch ausgeweitet hat (siehe Infokasten).

Die Ärzte, die hier nachts und an den Wochenenden Dienst haben, kommen aus der Region, aber nicht nur. „Prinzipiell ist jeder niedergelassene Arzt verpflichtet, sich in der Notfallpraxis zu festen Zeiten zu engagieren“, lässt Sammy Eskridge wissen. Doch damit kann der Manager der Notfallklinik das nötige Aufgebot an Ärzten nicht stemmen. „Es gibt Vertretungsärzte, die kommen teils aus Aalen oder Stuttgart“, berichtet er. Abgerechnet wird über die kassenärztliche Vereinigung. „Wir haben hier Teilzeitkräfte und Kräfte auf 400 Euro Basis sowie Vollzeitkräfte, aber ehrenamtlich arbeitet hier niemand“, stellt der organisatorische Kopf der Notfallpraxis klar.

Nicht für Infarkte

Eskridge betont außerdem: „Wir sind eigentlich kein Notdienst für die schweren Fälle. Dafür sind wir nicht ausgerüstet. Wer einen Notfall, wie zum Beispiel einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall hat, sollte also nach wie vor die 112 wählen“, definiert Sammy Eskridge die Funktion der Notfallpraxis und gibt eine Faustregel: „Jeder, der zu Fuß in der Lage ist, selbst zu uns zu kommen, bekommt hier eine Erstuntersuchung“, schränkt er die Zuständigkeit ein.

In der Notfallpraxis werden Prioritäten gesetzt. Denn hier richtet sich die Reihenfolge der Patienten nicht zwingend danach, wann wer im Wartezimmer Platz genommen hat, sondern nach der Dringlichkeit der Fälle. „So kann es natürlich passieren, dass man mit längeren Wartezeiten rechnen muss, denn bei uns gibt es keine vorherige Anmeldung“, beschreibt Eskridge.

Zu den gängigen Beschwerden, die hier behandelt werden, gehören Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Fieber, das nicht sinken will, Blutdruck- und Blutzuckerentgleisungen. Für Schlaganfallpatienten oder Menschen mit Herzinfarkt sei nach wie vor der Rettungsdienst des Ludwigsburger Klinikums zuständig.

Ende des Standorts Sersheim und Öffnungszeiten in Bietigheim

Zum Jahreswechsel hat bereits die Notfallpraxis in Sersheim ihre Türen endgültig geschlossen (die BZ berichtete). Die Praxis sei aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr rentabel gewesen, teilt Kai Sonntag, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), mit. Auch dieser Standort gehörte wie Bietigheim zum „Ärztlichen Notfallpraxenmanagement“ von Sammy Eskridge und dem Verein Ärztlicher Notfalldienst. Eine Schließung stand immer wieder im Raum, zuletzt war Sersheim  nur noch eine Außenstelle Bietigheims. Nach dem Anschluss der Bietigheimer Notfallpraxis ans Krankenhaus Anfang 2016 gingen die Zahlen in Sersheim weiter zurück.

Die Notfallpraxis in Bietigheim, Riedstraße 12, hat unter der Woche von 18 Uhr bis zum nächsten Morgen, 8 Uhr, und am Wochenende ab Freitag, 16 Uhr, geöffnet. Sie ist unter anderem für folgende Kommunen zuständig: Vaihingen, Besigheim, Bietigheim-Bissingen, Bönnigheim, Erligheim, Freudental, Gemmrigheim, Ingersheim, Sachsenheim, Hessigheim, Kirchheim, Löchgau, Mundelsheim, Oberriexingen, Pleidelsheim, Sersheim, Tamm und Walheim. msc/suy

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