Susanne Yvette Walter

Für viele war es ein Wiedersehen auf der „Bühne onderm Balka“ im Walheimer Café Bricklebrit. Der Auftritt von Barbara Weinzierl dort im vergangenen Jahr war wohl einer der Höhepunkte im Jahresprogramm und ihre Rückkehr am Samstagabend entpuppt sich als ein neues Blitzlicht im eben erst angelaufenen Jahr 2019. „Wir müssen reden! Sex, Geld und Erleuchtung 3.0“ überschreibt sie ihr neues Programm und zeigt darin Solokabarett vom Feinsten.

Die Schauspielerin und Komikerin Barbara Weinzierl wird von vielen geliebt wegen ihrer lockeren Zunge. Eigentlich gilt sie als Frau mit vielen Talenten, eine Wanderin zwischen den Welten mit doch eindeutiger Ausrichtung. Deshalb darf man immer neu gespannt sein, an welchem Thema sie sich gerade festbeisst und an welcher Stelle auf den Zug des Zeitgeistes sie gerade aufspringt. Eins wird gleich deutlich: Im österreichisch-bayrischen Gemisch redet sie am liebsten. Da kommt sie her. Da fühlt sie sich wohl. Doch Barbara Weinzierl kann auch anders, ohne die Wahlmünchnerin herauskehren zu müssen, schließlich ist sie ein Chamäleon mit viel Lebensfreude, die selbst singt und spielt, dichtet und malt, Regie führt und schauspielert.

Diagnose Labertasche

Frohnatur Barbara Weinzierl lachte übers ganze Gesicht als sie hinterm Balken hervorspechtete und übers Reden zu philisophieren begann. „Meine Mutter sagte immer ich lande mal noch in einer Reederei“, sagte sie zu ihrer „Diagnose Labertasche“ und findet sofort ihr zweites Steckenpferd, wenn sie niemand zum Reden hat: Zeitschriftwen, zum Beispiel die „Men`s Health“.

Entsprechend gut kennt sie sich in der Werbung aus und kann sofort treffsicher zitieren: „So ein Mieder von Triumpf, das drückt das Fett bis in den Strumpf“,. Alles lacht. Deutlich ist herauszuhören, dass sie vor dem Phänomen Sport längst kapituliert hat und lieber das bisschen Hüftgold in Kauf nimmt. „Ich bleib einfach in meinen Kissen liegen, denn dafür sind sie da und frage mich allen Ernstes, warum eine Frau immer sexy aussehen muss“.

Und sie macht sich Gedanken über die Shopping Touren von morgen im Zeitalter von Altersarmut. „Shoppen gehen in der Diakonie wäre doch mal eine Alternative“ und sie liebäugelt schon mit „Heidis Armmutsshow“. und dichtet: „Ich kann meinen Hund schon gar nicht mehr streicheln. ich bin so arm. ich habe gar keine Arme mehr“. In dieser Situation bilden sich neue Parteien wie die AfC „Armut für Christen“ oder die AfD „Armut für Dummies“. Und dann singt sie den Song vom „Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu-Strand-Bikini“, der gleich mal Appetit machen will auf den nächsten Sommer.

Und sie spielt mit den Dialekekten, kokettiert mit ihren österreichischen Wurzeln beim Gedanken an die Tante in Österreich und ihren Dessousschrank. Dann wirds feministisch, immer alles im Dauergalopp, denn Barbara Weinzierl hat gelernt, dass das Publikum in Atem gehalten werden will. Aus dem Wasserhahn wird die Wasserhenne aus dem Pater noster die Mutter noster und schließlich landet sie beim Yoga nach schwäbischer Hausfrauenart. „Wir rotieren langsam mit zwei Spätzlespressen..“ Integriert werden auch die Klobürste und andere Utensilien. Und sie fordert im Zuge ihres Zeitschriftenwahns die „Bravo für die Frau ab 80“ für alle mit „präseniler Bettflucht.“  Das ist Barbara Weinzierls Essenz zur Vergänglichkeit des Lebens.

Viele Talente

Das alles fällt ihr ein, wenn sie malt „viel, bunt und gerne“, wie sie sagt und lockt: „Meine Vernissagen sind unvergessen. Ich schaffe es immer wieder, die Gäste meiner Veranstaltungen zum Malen zu bewegen, so dass schon einige Gemeinschaftswerke entstanden sind, die für wohltätige Zwecke versteigert wurden“, erzählt sie stolz.

Was die Leute magisch anzieht im Café Bricklebrit ist ihre Echtheit. „Barbara Weinzierl ist eine Stimmungskanone, eine Frohnatur, die das Herz am rechten Fleck hat und sagt, was ihr auf der Leber brennt“, bringt es eine Zuschauerin auf den Punkt. Im Walheimer Café Bricklebrit  heimst die dynamische Solokabarettistin wieder reihenweise Symphatien ein und angelt sich neue Fans.