Wahlen Windmühlenbauer sind gefragt

Besigheim / Roland Willeke 10.11.2018

Am 1. Dezember 2019, dem 1. Advent und damit dem ersten Tag des neuen Kirchenjahres, wählen die Mitglieder der evangelischen Landeskirche in Württemberg ihre neuen Kirchengemeinderäte. In 1280 Kirchengemeinden werden dann rund zwei Millionen Wahlberechtigte zur Urne gerufen, um 10 000 Kirchengemeinderäte für die nächsten sechs Jahre zu wählen. Gleichzeitig werden 90 Landessynodalen neu gewählt, die als Vertreter der Gemeinden den Kurs der gesamten Kirche auf der Ebene der Landeskirche mitbestimmen sollen. Wahlberechtigt ist man ab einem Alter von 14 Jahren – nach der Konfirmation – gewählt werden kann man ab 18 Jahren.

Aber, was macht eigentlich ein Kirchengemeinderat? Darüber sprach Eberhard Feucht, Dekan des Kirchenbezirks Besigheim und Erster Stadtpfarrer und damit Geschäftsführer der Kirchengemeinde Besigheim, am Donnerstag mit Angelika Töpfer, seit 2013 Kirchengemeinderätin in Besigheim, und Dr. Michael Ketterle, der seit 2006 Mitglied im Besigheimer Kirchengemeinderat ist. Moderiert wurde das Gespräch von Christoph Willmann, Diakon und Leiter der Ehrenamtsakademie für Kirche und Diakonie im Evangelischen Kreisbildungswerk Ludwigsburg.

Noch wenig Interesse

Willmann bietet in seiner Akademie Diskussionsrunden vor Ort an, um an der kirchlichen Mitarbeit Interessierte zur Kandidatur für den Kirchengemeinderat zu gewinnen. Im Moment noch mit mäßigem Erfolg – eine Podiumsdiskussion in Marbach fiel jüngst ins Wasser, wegen fehlender Zuhörer. Und auch die Besigheimer zeigten, mehr als ein Jahr vor der Wahl, noch kein Interesse. Dekan, Diakon und die zwei Gemeinderäte blieben unter sich. „Wahrscheinlich waren wir mit dem Thema einfach zu früh dran“, mutmaßte Christoph Willmann, der im Frühjahr einen neuen Anlauf nehmen wird. Möglicherweise fühlte sich auch manch ein Interessierter davon abgeschreckt, dass man sich zu der Veranstaltung anmelden sollte – vielleicht ein zu früher Schritt.

In Besigheim müssen die 4800 Kirchenmitglieder zwölf Kirchengemeinderäte wählen, daneben sind die drei Pfarrer und der Kirchenpfleger kraft Amtes Mitglied im Gremium. Zusammen mit den Professionellen leiten die Kirchengemeinderäte die Gemeinde. Besondere Voraussetzungen hierfür müsse niemand mitbringen, beruhigte Michael Ketterle, außer Motivation zum Amt. Dieses könne, abhängig von den zu übernehmenden Aufgaben – „zwischen Weihnachtsbaumdekoration und kirchenmusikalischer Gestaltung“ – auch zum Zeitfresser werden, berichtete Ketterle aus seiner Erfahrung als Vorsitzender des Bauausschusses.

Für Angelika Töpfer gehört eine gewisse Gesprächigkeit zum Amt: ihr ist die Kommunikation mit der Basis besonders wichtig. Christoph Willmann zitierte die alten Chinesen: „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen.“ Windmühlenbauer sind also in den Kirchengemeinden gefragt.

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