Walheim / Susanne Yvette Walter  Uhr

Die bläulich schimmernden Grashalme des Rispengrases gaben dem Bluegrass als amerikanische Folklore in den 1930er-Jahren seinen Namen. Noch heute pflegen Bands auf der ganzen Welt diesen Stil, entwickeln ihn weiter und machen aus Newgrass, Jazzgrass oder Irishgrass, den modernen Varianten, schließlich Steamgrass. So heißt die Band mit Musikern aus Walheim, die am Samstagabend das Cafe Bricklebrit aufmischte.

Das Walheimer Geschichtenhaus in der Alten Kelter hat nicht nur Raum für schwäbische sondern auch für amerikanische Traditionals. Längst hat der Bluegrass seine Heimat Kentucky verlassen und ist mit seinen Anhängern auch nach Europa gekommen. In Walheim leben zwei, die ihre Leidenschaft für den Stil zwischen Hillbilly und Fiddlemusik schon vor 30 Jahren entdeckt haben: die Schulkameraden Berti Demel und Norbert Schulz. Mit ihren Bandkollegen Geli Siebert am Kontrabass und Klaus Thomas bilden sie seit Jahrzehnten die Kombo Steamgrass, was so viel wie „Dampfhammer-Grass“ bedeutet.

In der Wagenhalle des Geschichtenhauses gab die Band ein Konzert zwischen amerikanischen Wurzeln und irischen Höhenflügen. Nach längerer krankheitsbedingter Pause startete die Band, die am liebsten rustikale Kleinkunstbühnen bespielt, ihr Comeback im Jahr 2017. Und weil die Wurzeln der Band tief sind, spielen sie sich exzellent in die Hände. Die Zahnräder greifen, obwohl es, so Sänger und Geiger Klaus Thomas, nicht viel Gelegenheit zum gemeinsamen Proben gibt. Denn die Musiker leben dann doch zu weit voneinander entfernt. Klaus Thomas selbst kommt beispielsweise aus dem Taubertal. Doch haben alle das gleiche Gespür: Geli Siebert unter dem Sonnenschirm ganz hinten zupft genauso laut, um Rhythmus zu geben. „Das ist so eine Sache mit dem Bass. Man hört ihn kaum und trotzdem fehlt viel, wenn er fehlt“, weiß sie.

Die Mandoline ist dafür melodiegebend in vielen Songs. Das gehört zum Stil, ebenso Ausflüge auf der Geige, die Klaus Thomas drauf hat. „Inhaltlich ist Bluegrass zwar nicht der Blues der Weißen, aber es geht um ähnliche Themen wie beim Blues: Liebe, Betrug, Gefängnis, Tod“, erzählt Klaus Thomas. Es sind die alltäglichen Sorgen, die der Bluegrass aufnimmt. Besonders die Geschichten, die ein blutiges Ende nehmen, finden Eingang in diese Musik. Aber nicht nur: „Es gibt viele Eisenbahnsongs, die vom Abschied und vom Wiederkommen handeln“,  so Klaus Thomas.

In ihrem Repertoire hat die Steamgrass-Band vieles, was erst Jahrzehnte nach der richtungsgebenden Legende Bill Monroe entstanden ist. Dazu gehören Songs von Bob Dylan und Gordon Lightfood. Ebenso Gospels,  irische Balladen und Stücke von Jonny Cash und Valerie Smith. „Wichtig ist, dass uns allen ein Song gefällt. Nur dann spielen wir ihn“, bringt es Bandleader Klaus Thomas auf den Punkt. Das Schöne: Für all die, die nicht firm sind in irischem Slang oder countryamerikanisch, erzählen die Musiker die Geschichten zu den Songs.

In der Walheimer Wagenhalle wird am Samstagabend geklatscht und gefeiert. Linedancer kommen aufs Parkett, und ein Pärchen dreht das ganze Konzert über seine Runden. Wurzeln treiben Blüten, vor allem, wenn das Wiesen-Rispengras bläulich dabei leuchtet und die Halme im Wind rascheln.