Mit einem Widerspruch gegen einen Bußgeldbescheid des Landratsamtes Ludwigsburg ist es einem 72-jähriger Autofahrer gelungen, ein vierwöchiges Fahrverbot abzuwenden. Dafür wurde die Geldstrafe verdoppelt.

Dem Bußgeldbescheid zufolge war der Mann am 5. April dieses Jahres nachmittags von Ottmarsheim in Richtung Ilsfeld unterwegs. Der Talheimer fuhr geradewegs in die Radarfalle und war etwa 50 Stundenkilometer schneller als erlaubt. Die Geschwindigkeit ist an dieser Stelle auf 70 km/h begrenzt. Die Folge 480 Euro Bußgeld und vier Wochen Fahrverbot.

In Gedanken gewesen

Vor Gericht räumte sein Anwalt das Vergehen unumwunden ein. Sein Mandant sei in Gedanken gewesen. Die Geschwindigkeitsmessung zweifelte er ebenfalls nicht an: „Ich gehe einmal davon aus, dass die Polizeibeamten ihre Arbeit richtig gemacht haben“, sagt er. Ein Beamter des Polizeireviers Bietigheim-Bissingen schilderte, wie er mit einem Kollegen hinter dem Stromkasten am Sportplatz das Tempo der vorbeifahrenden Autos gemessen habe. Die Kreisstraße sei an jenem Tag recht lebhaft befahren gewesen, weil sich auf der Autobahn der Verkehr staute, fügte er hinzu.

Der Rechtsanwalt gab zu bedenken, es handele sich um eine lange Gerade und deshalb „fahren die Leute eben wie sie fahren“. In der Gegenrichtung sei schließlich Tempo 100 erlaubt. Ohne Fahrerlaubnis verliere sein Mandant seine Arbeitsstelle. Und Urlaub nehmen, um das Fahrverbot anzutreten, könne der Mann in der Probezeit nicht.

Die Bitte des Rechtsanwalts, von dem Fahrverbot gegen eine Erhöhung der Geldbuße abzusehen, wurde vom Gericht erhört. Für das Überschreitens der zulässigen Höchstgeschwindigkeit hielt es in diesem Fall 900 Euro Geldbuße für vertretbar.