Dass Mitglieder einer Kirchengemeinde Spenden sammeln, um die Renovierung eines Gotteshauses zu finanzieren, ist wenig überraschend. Die Idee aber, die der Kirchengemeinderat von Mundelsheim hatte, war für den Oberkirchenrat „doch etwas Ungewöhnliches“, sagt Paul Möhrer, der Vorsitzende des Gremiums. Rund 1,43 Millionen Euro hatte es gekostet, um die Kilianskirche in den Jahren 2015/2016 instand zu setzen, noch immer fehle „eine gewisse Restmenge“, um die Kosten zu decken.

Das war der Grund, warum der Kirchengemeinderat beschloss, einen Weinberg direkt neben der Kirche zu pachten, dort auf eigene Rechnung Wein zu erzeugen, ihn in Mundelsheim von Kellermeister Stefan Schumacher ausbauen zu lassen, als Kirchengemeinde Mitglied der Genossenschaft der Lauffener Weingärter zu werden, der auch die Mundelsheimer Wengerter angehören, und vom Erlös zwei Euro pro Flasche an die Kirchengemeinde abzuführen. Wie hoch der Fehlbetrag noch ist, sagte Möhrer nicht, der Weinverkauf jedenfalls soll „ein paar Jahrzehnte laufen.“

Pachtvertrag seit 2017

Schon seit dem Jahr 2011 hatte ein „Kilianwein“ dazu gedient, Spenden einzusammeln. Möhrer und Wengerter Martin Link stellten am Dienstag den ersten Wein vor, der auf dem zwölf Ar großen Weinberg neben der Kirche angebaut wurde: einen Lemberger des Jahrgangs 2017. Der Weinberg wurde 2017 von der Familie Fink gepachtet, bis zu 20 engagierte Mundelsheimer sind an seiner Erzeugung beteiligt. Es sei ein Gemeinschaftsprojekt, das aktive Mitarbeit erfordere, sagte Link, beim Schneiden, Biegen, Entblättern und Ernten.

Schwieriges Jahr

Rund 600 Flaschen stehen seit dieser Woche bei der Mundelsheimer Genossenschaft zum Verkauf. Mehr zu erzeugen war nicht möglich im schwierigen Jahr 2017, das von Spätfrösten und Unwettern mit leichtem Hagel geprägt war, führte Martin Link aus. Bei knapp 90 Grad Öchsle konnte etwa ein halber normaler Ertrag abgefüllt werden.

Das in Schwarz gehaltene Etikett zeigt eine Zeichnung der Kilianskirche mit dem Weinberg davor. Beim Ausbau setzte Wengerter Link auf die traditionelle Maischegärung und eine Lagerung im Barriquefass. Der Wein, der zwölf Euro kostet, besteche durch „Intensität und einen kräftigen Körper“, sagte er. Vom Jahrgang 2018, so kündigte er an, wird es deutlich mehr geben.

Info Am Sonntag, 15. September, 16 Uhr, wird Christopher Reichert als neuer Pfarrer in der Nikolauskirche eingesetzt. Beim anschließenden Fest im Pfarrhof kann der Kilianswein verkostet werden. Ab sofort kann der Wein bei der Mundelsheimer Genossenschaft gekauft werden.