Letztes Jahr in einer ehemaligen Wengerthütte in Hohenhaslach, an diesem Donnerstag in der Eselsburg bei Ensingen: Als Zeichen der Verbundenheit mit der Region und der Bodenständigkeit der Genossenschaftsbank wählt die VR-Bank Neckar-Enz solche ungewöhnlichen Orte für die Vorstellung ihrer Jahreszahlen. Anderthalb Jahre nach der Fusion der drei ehemals selbstständigen Banken VR-Bank Stromberg-Neckar mit Sitz in Bönnigheim, Volksbank Freiberg und Umgebung und der Enztalbank mit Sitz in Vaihingen schließt das Geldinstitut 2015 mit einem "sehr guten Ergebnis" ab, sagte Vorstandschef Timm Häberle. Die Fusion sei geradezu "idealtypisch" bewältigt worden. Die Bilanzsumme bleibt mit 1,22 Milliarden Euro nahezu stabil. Der Jahresüberschuss sei mit 3,5 Millionen Euro ebenso auf Vorjahresniveau.

Doch das wird nicht so bleiben, machte Häberle deutlich. Mehr und mehr habe die Bank mit den Folgen der Niedrigzinsphase zu kämpfen. Der Vorstand stelle sich auf eine "lange Durststrecke" ein, sagte er. Die Zuwächse vergangener Jahre werden sich "künftig nicht mehr darstellen lassen".

Noch allerdings profitiert die VR-Bank von den langen Kreditlaufzeiten der Altverträge mit vergleichsweise hohen Zinssätzen. Mit 29,9 Millionen Euro konnten die Erträge aus dem Zinsgeschäft "recht stabil" gehalten werden, sagte Vorstandsmitglied Heiko Herbst. Er geht davon aus, dass die VR-Bank in den kommenden fünf Jahren rund 15 Prozent dieser Erträge verlieren wird, weil mehr und mehr Altverträge auslaufen. Doch im Vergleich mit anderen Banken, die seinen Angaben nach mit Rückgängen von zehn Prozent jährlich rechnen, stehe die VR-Bank relativ gut da.

Deutliche Zuwächse von acht Prozent verzeichnet die VR-Bank bei den Provisionen, die sie für die Vermittlung von Aktien, Aktienfonds, Konsumentenkrediten oder anderer Anlagenformen kassiert hat (8,8 Millionen Euro). Auch das Geschäft mit der Immobilienvermittlung läuft laut Herbst sehr gut. Es könnte noch besser laufen, gäbe es genügend Immobilien auf dem Markt.

Was die Firmenkredite angeht, kämpfe die VR-Bank mit einem "Luxusproblem", sagte Herbst. Zwar stieg die Summe der Kredite um zehn Millionen Euro auf 762 Millionen Euro. Doch die Bank habe sich im Firmengeschäft "etwas mehr erhofft", sagte er. Regionale Firmen investieren nach wie vor, aber häufig können sie neue Maschinen oder Erweiterungen aus eigener Tasche bezahlen und sind nicht auf eine Bank angewiesen. Und das Geschäftsgebiet außerhalb der Region auszuweiten - "dies entspricht nicht unserer Strategie", sagte Herbst.

Angesichts der schmelzenden Erträge wird die Bank weiter auf ihre Kosten achten müssen, sagte Vorstandsmitglied Jürgen Jetter. Langfristig wird der Personalstand weiter sinken. Die Bank hat ein Altersteilzeitprogramm aufgelegt, das 20 Mitarbeiter in diesem Jahr nutzen werden, darunter Jürgen Jetter selbst und seine beiden Vorstandskollegen Wolfgang Weidler und Roland Frank.

Auch das Netz der 37 Geschäftsstellen rückt 2016 in den Fokus. Häberle versicherte, dass es keine konkreten Pläne für Schließungen gibt, doch die Bank werde sich damit auseinandersetzen, wie groß der Publikumsverkehr in den einzelnen Filialen sei. Es mache keinen Sinn, wenn die Bank präsent sei, "aber keiner mehr kommt", weil viele Geschäfte digital erledigt werden.