Gemmrigheim Vom Schriftsetzer zum Autor

Manfred Henne aus Gemmrigheim hat drei eigene Bücher veröffentlicht, und es sind noch mehr in der Planung. Zwei weitere enthalten eine Sammlung seiner Lieblingsgedichte.
Manfred Henne aus Gemmrigheim hat drei eigene Bücher veröffentlicht, und es sind noch mehr in der Planung. Zwei weitere enthalten eine Sammlung seiner Lieblingsgedichte. © Foto: MARTIN KALB
Gemmrigheim / Susanne Yvette Walter 06.02.2019

Vielleicht hat die idyllische Landschaft rings um Albstadt, in der Manfred Henne aufgewachsen ist, seine Kreativität wachsen lassen. Vielleicht gaben die Autoren, die beim Reclam-Verlag ihre Skripte einsendeten, die Zündung für seine kreative Ader. Der 74-Jährige hat dort als Schriftsetzer gearbeitet und bei seiner Tätigkeit unzählige Texte anderer Schreiber gelesen. Das führte zu seiner Lust zu schreiben, die er veröffentlichte.

Manfred Henne lebt seit Jahren in der Region, zuerst in Besigheim, jetzt in Gemmrigheim. Bei verschiedenen Druckverlagen ging er seinem Beruf als Foto- und Schriftsetzer nach. Bei Reclam sei er „infiziert“ worden, vom Schreibvirus, erzählt er. „Meine Kollegen haben kaum gelesen, was sie gesetzt haben, ich dagegen schon. Ich war sehr oft ganz vertieft in die Texte“, erzählt er von den Anfängen.

Besonderer Bezug

Zuerst hat er sich darauf verlagert, seine Lieblingstexte von berühmten Autoren in einer Anthologie zu bündeln. „Die Auswahl reicht von Schiller bis Brecht“. Gesammelt hat Henne einfach die Texte, die ihm besonders gefallen haben und zu denen er sofort einen Bezug hatte. Manche großen Schreiber wie Günter Grass zum Beispiel beflügelten ihn direkt zu eigenen poetischen Texten. Und so trägt eine seiner Geschichten den anmutenden Titel „Beim Schälen des Fliederbaumes“ in freier Anlehnung an Günter Grass „Beim Häuten der Zwiebel“. „Aufhänger für diese Geschichte war ein Bubenstück in meiner Kindheit auf der Schwäbischen Alb. Da haben wir nämlich immer vom Fliederbaum Haut abgezogen“, erinnert er sich.

Inzwischen hat er bereits zwei eigene Bücher veröffentlicht. Sein erstes Buch erschien 2015 und trägt den Titel „Leben, Landschaft, Jahreslauf“. Henne liebt es, seine Gedichte in einer bildhaften, aussagekräftigen Sprache zu verfassen. „Das soll die Vorstellungskraft des Lesers anregen“, beschreibt er die Absicht, die dahinter steht. Oft sind es Alltagsphänomene und kleine Beobachtungen in der Natur, denen Manfred Hennes Aufmerksamkeit gilt. Er selbst interessiert sich sehr für Römerbauten, Relikte der Griechen und für die Geschichte, die ihn umgibt und die auf seine eigenen Wurzeln hindeutet. „Lokalmatadoren“ bekommen ihre Plattform bei ihm wie der Asperg oder die Stute Helene, das Lieblingspferd des württembergischen Königs Friedrich I. „Über die Stute Helene und ihren Gedenkstein habe ich ein Gedicht geschrieben“, erzählt er.

Historische Begebenheiten in Gedichtform zu fassen ist eine Stärke des Gemmrigheimer Autors. Ein zweites Buch folgte: „Der Weißdorn des Grafen Eberhard“ erschien in der ersten Auflage 2016. „Im Einleitungsgedicht geht es darum, wie der Weißdorn ins Württemberger Land kam, wo er bis dato völlig unbekannt war“, beschreibt Henne. Er widmet sich dem Jüdischen Friedhof in Prag ebenso wie Franz Kafka und seiner Grabstätte. Immer wieder begibt er sich gern auf die Fährte, die andere Dichter gelegt haben wie Hölderlin in Tübingen. „Den habe ich schon als ganz junger Mensch gern gelesen“, erklärt er.

Sein drittes Buch mit dem Titel „Römische Impressione – Streifzüge durch die Antike“ ist seit einem Monat in den Buchhandlungen erhältlich. „Darin geht’s um Streifzüge und Sehenswürdigkeiten in der Ewigen Stadt, diesmal in Prosa. Es sind reine Beschreibungen, die lebendig illustriert sind mit rund 100 Bildern und Texten vom Autor über das Pantheon und das Kolosseum. Perseus ist ein Thema und Kaiser Caracalla, die Götter, Hadrian, Konstantin, das Kapitol, römische Triumphbögen und vieles mehr. „Nur den Vatikan, den habe ich ausgespart“, sagt der Autor und erklärt, dass das den Rahmen gesprengt hätte. In einem weiteren Buch eventuell mit dem Arbeitstitel „Versteinerte Zeit“ soll es dann um Skulpturen in Athen gehen. Auf meinen Reisen habe ich dort eine Menge fotografiert – ein Fundus aus dem ich jetzt schöpfen kann.“

Motivation

Was ihn motiviert zu dieser Auseinandersetzung mit alten Bauten? „Im letzten Band will ich festhalten, wie die Zeit stehen bleibt durch das Erschaffen von Monumenten und Figuren“, erklärt er. Einen Verlag, mit dem er zusammenarbeiten kann, hat er inzwischen gefunden. Darin war er unerbittlich und ließ sich von Absagen nicht entmutigen.

Der Rentner zeigt auch noch an anderer Stelle Biss und Durchhaltevermögen: Er fährt ehrenamtlich das Tafelmobil für die Tafelläden und engagiert sich als Flüchtlingshelfer, begleitet Geflüchtete bei ihrem Gang auf Ämter. Und dann ist da noch das Gartenstück, wo er auf 16 Ar unter Obstbäumen Ruhe und Erholung findet.

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