Hessigheim Vertragsverlängerung versus Versuchsmodell

Der amtierende Hessigheimer Bürgermeister Günther Pilz (links) und einer seiner Herausforderer, Ulrich Raisch.
Der amtierende Hessigheimer Bürgermeister Günther Pilz (links) und einer seiner Herausforderer, Ulrich Raisch. © Foto: Werner Kuhnle
Hessigheim / Roland Willeke 12.02.2018

Knapp 100 Hessigheimer waren in die Gemeindehalle gekommen, um sich ein Bild über die Kandidaten zur Bürgermeisterwahl am 25. Februar zu machen. Wie berichtet, möchte der amtierende Bürgermeister Günther Pilz, der vor acht Jahren als einziger Kandidat angetreten war und 99,5 Prozent der Stimmen geholt hatte, für weitere acht Jahre auf den Bürgermeisterstuhl der mit 2454 Einwohnern zweitkleinsten Gemeinde im Landkreis. Neben ihm haben sich noch Dauer-Bürgermeisterkandidat, Musikpädagoge und Akademieleiter Ulrich Raisch aus Stuttgart und die Sindelfinger Familienhelferin Friedhild „Fridi“ Miller beworben. Letztere kandidiert gleichzeitig in rund 50 Gemeinden, möchte nach eigener Aussage aber eigentlich Bundeskanzlerin werden.

Stolzer Blick zurück

In Hessigheim präsentierte sich das Kandidatentrio als Duo: Bei Miller habe es eine Überschneidung mit einem Termin mit Kindern und Jugendlichen gegeben, der „Fridi“ noch wichtiger gewesen sei, teilte Hauptamtsleiterin Ranjana Hoffmann mit. Die beiden Anwesenden bekamen eine Viertelstunde freie Redezeit und mussten im Anschluss noch drei für alle Kandidaten gleiche Fragen des Versammlungsleiters und stellvertretenden Bürgermeisters Bernd Schaaf beantworten.

Günther Pilz stieg als Erster in die Bütt’. Der 39-jährige diplomierte Verwaltungswirt – verheiratet und in Vorfreude auf das zweite Kind – empfahl sich dem Publikum mit 20 Jahren Erfahrung in der Kommunalverwaltung, davon 8 als Bürgermeister. Mit einem Durchschnittsalter von 40,9 Jahren, 2,3 Jahre weniger als der Durchschnitt im Landkreis, sei Hessigheim eine junge Gemeinde, die einen hohen Standard bei der Kinderbetreuung und der frühkindlichen Bildung und Erziehung aufweise, erklärte Pilz. Nachholbedarf sieht er beim seniorengerechten Wohnen. Er zeigte sich erleichtert, dass beim lange geplanten Wohnprojekt der Firma Paulus, mit dem neun Seniorenwohnungen und sechs familiengerechte Wohnungen in der Ortsmitte erstellt werden, nächste Woche der erste Spatenstich erfolgen wird.

Man könne auf die letzten acht Jahre, in denen Hessigheim um zehn Prozent gewachsen sei, dankbar und stolz zurückblicken. 2,3 Millionen Euro seien in die städtebauliche Erneuerung investiert worden, davon 1,4 Millionen Landesmittel. Pilz zählt viele Verbesserungen der  Infrastruktur auf: beispielsweise die Sanierung der Gemeindehalle, den Ausbau der Kindergärten, das Kanalnetz und die LED-Straßenbeleuchtung. 7,6 Millionen Euro wurden in den letzten acht Jahren hierfür ausgegeben, 1,6 Millionen waren Zuschüsse. Trotzdem sei die Pro-Kopf-Verschuldung von 400 auf unter 100 Euro gedrückt worden.

Ulrich Raisch, 58 Jahre, sieht im „herausgehobenen Amt des Bürgermeisters“ die reale Chance, Hessigheim zu einem „Modell deutscher Möglichkeiten“ zu machen, ganz im Sinne des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss, der einst in Baden-Württemberg das Modell deutscher Möglichkeiten gesehen habe. Raisch möchte Hessigheim – so, wie jede andere Gemeinde, in der er kandidiert – zur „menschenfreundlichen Kommune mit Musikkindergarten“ entwickeln und folgt dabei dem Vorbild des Berliner Musikkindergartens, den der weltbekannte Dirigent Daniel Barenboim 2005 anregte.

Neue Bildungslandschaft

Eine generelle und umfassende Bildung durch Musik ist Ulrich Raischs Ideal. Denn „Singen und Tanzen sind Lebenselixiere“. Kein Wunder, dass hinter dem hohen Anspruch, in Hessigheim eine im ganzen Land einzigartige Bildungslandschaft zu entwickeln – außer in Berlin gibt es nur eine Handvoll Musikkindergärten, die dem Barenboimschen Vorbild folgen – die Hessigheimer Belange etwas auf der Strecke blieben. Ulrich Raisch versprach aber, ständig für die Hessigheimer da zu sein, „wohin auch immer Sie mich berufen“.