Besigheim / Uwe Deecke  Uhr

Die „unverpackt“-Kaufläden im Land entstehen gerade in vielen Städten, und sie füllen offenbar eine Marktlücke: Den Wunsch nach wenig Plastik und einem guten Gewissen beim Einkauf. Angela Beyl und Nathalie Alméras haben sich den Schritt schon lange überlegt, einen eigenen Laden dafür zu eröffnen und lange nach einer Immobilie gesucht. Schon vor drei Jahren hatten beide den gleichen Artikel zum Thema gelesen und waren sich einig: „Wir sind der Meinung, dass die Menschen das brauchen und die Möglichkeit haben sollten, so einzukaufen“, erklärt Nathalie Almerás.

Und sie haben sich beraten lassen. Unter 90 Quadratmeter sollte ein Laden nicht haben, ebenerdig sollte er erreichbar sein und natürlich bezahlbar. „Das wär‘s für uns“, dachten beide, als die zentral gelegene Apotheke in der Hauptstraße 16 vor eineinhalb Jahren zugemacht hat.

Facebook-Seite hat 900 Freunde

Sie bekamen den Zuschlag, suchten Lieferanten, machten Werbung und eine eigene Facebookseite, die inzwischen 900 „Freunde“ hat. Bekannt sind beide ohnehin in Besigheim, was das Vorhaben erleichterte. Alméras ist Vorsitzende des Elternbeirats an der Friedrich-Schelling-Schule, Angela Beyl spielte beim Eichenkreuz Handball, wo nun auch die Kinder der beiden aktiv sind.

Nun gibt es hier alles ohne jene Verpackungen, auf die man oft verzichten kann. Die Müslisorten können aus dem Glas abgefüllt werden, es gibt Äpfel, Mangos, Datteln, Feigen, Bananenchips, Haferflocken, Nudeln, Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln, Brokkoli, Tomaten, Salat, Gewürze, Süßigkeiten für Kinder, auch lokale Produkte wie Mehl von der Erligheimer Mühle und Weine aus Hesigheim werden hier verkauft. Dazu findet man auch Sonnencreme und Shampoo ohne Plastikflaschen. Die Zahnbürsten sind aus Bambus und sogar die Zahnpasta wird hier ohne Plastiktube verkauft.

Donnerstags kommt Frischware

„Wir bekommen immer donnerstags Frischware“, erklärt Alméras, die auch dann beim täglichen vegetarischen Mittagstisch Verwendung findet. Was übrig bleibt, geht ins Foodsharing und wird vor dem Verfall an andere Einrichtungen weitergegeben.

Für den täglichen Mittagstisch brauchten beide eine Gaststättenerlaubnis, überhaupt gab es viel Bürokratie zu bewältigen, bis man den Laden vor zwei Monaten endlich eröffnen konnte. Und es läuft für die beiden.

„Wir wollen erweitern“, so Almèras, vor allem soll die Kühltheke nun endlich kommen, um auch Käse oder Joghurt anbieten zu können. Dann kann das Müsli auch dort an einem der beiden Tische genossen werden, wo es auch Platz für Gespräche gibt. Der Laden soll auch Treffpunkt und Ort für Veranstaltungen wie Vorträge zum Thema werden. Im Programm der Volkshochschule ist man schon und beim Winzerfest spielt vor dem Laden in der Hauptstraße eine Band.

„Es ist so toll angenommen worden“, freut sich Beyl. Von Schülern bis zu betagten Senioren reiche die Altersspanne der Kundschaft, vor allem sei sie aber weiblich. Es sind tolle interessierte Leute“, so die Besigheimerin, und viele seien überrascht, was es hier alles gibt.

Kooperationen mit Schulen möchten die beiden anstoßen und so das Umweltbewusstsein der Schülerinnen und Schülern wecken. Auch einen Bestell- und Lieferservice mit dem Lastenrad will der Laden in Zukunft anbieten. Es läuft so gut, dass beide auch in diesem Sommer nicht auf ihren Urlaub verzichten müssen. Vom 14. bis 28 August ist der Laden geschlossen. Davor sollen aber möglichst noch die Produkte auf die eigene Homepage, an der gerade gebastelt wird.

Info „AnNa Unverpackt“ in der Hauptstraße 16 hat montags, dienstags und freitags von 9 bis 18.30 Uhr, donnerstags von 9 bis 22 Uhr und samstags von 8 bis 14 Uhr geöffnet. Mittwochs ist „Familientag“ für beide und der Laden bleibt geschlossen.

www.anna-unverpackt.de