Besigheim Vereinskritik: Geschichte kommt zu kurz

Der Mundartautor Bernd Merkle (links) ist Gast beim Neujahrsempfang des Besigheimer Geschichtsvereins um den Vorsitzenden Hans-Jürgen Gross.
Der Mundartautor Bernd Merkle (links) ist Gast beim Neujahrsempfang des Besigheimer Geschichtsvereins um den Vorsitzenden Hans-Jürgen Gross. © Foto: Roland Willeke
Kritik / Von Roland Willeke 14.01.2019

Vor 40 Jahren, genauer gesagt am 11. Mai 1979, wurde der Geschichtsverein Besigheim gegründet. Inzwischen gehören ihm rund 220 Geschichtsinteressierte aus Besigheim und Umgebung an, wie Margarete Rüeck, die zweite Vorsitzende erklärt. Schon seit vielen Jahren lädt der Verein am Jahresanfang zu seinem inzwischen traditionell gewordenen Neujahrsempfang.

Im vollbesetzten großen Saal des Steinhauses nutzte der Vorsitzende Hans-Jürgen Gross die Gelegenheit für einige kritische Worte an die Adresse der Stadt. Bei der Umgestaltung der Enzauen und bei anderen Bauprojekten komme das historische Erbe zu kurz. Er erinnerte daran, dass im früheren Gasthaus Sonne, das einst an der Enz stand, Eduard Mörike, Victor Hugo und möglicherweise Johann Wolfgang von Goethe zu Gast gewesen seien. Die bewegte Geschichte des Areals, das später von der Textilfabrik Emella geprägt wurde, würde dem neuen Enzpark gut zu Gesicht stehen, meinte Gross. Entsprechende Vorschläge des Vereins seien indes ohne Reaktion geblieben.

Ansonsten ging es eher fröhlich zu. Den Unterhaltungsteil des Vormittags bestritten der Pianist Christoph Spann und Bernd Merkle. Der frühere Schulleiter und jetzige Mundartautor aus Albershausen gab einige seiner aus dem vollen Schwabenleben gegriffenen Humoresken zum Besten. Das Publikum amüsierte sich prächtig.

Auch im neuen Jahr sind wieder 16 Veranstaltungen geplant. Damit leiste der Verein einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Leben in der Stadt, findet Hans-Jürgen Gross. Am 11. Mai wird das 40-jährige Bestehen in der Stadthalle Alte Kelter mit einem Festvortrag begangen. Die diesjährige Studienreise führt nach Trier und Luxemburg. Eintägige Ausfahrten haben Karlsruhe mit dem Badischen Landesmuseum, Leonberg und Ellwangen zum Ziel. Auch Stuttgart mit der Villa Reitzenstein, dem Sitz der baden-württembergischen Landesregierung, steht auf dem Programm.

Einen thematischen Schwerpunkt bilden heuer die Alemannen in unserer Region. Man blickt aber auch über den Spätzlesäquator hinaus: ein Vortrag im Dezember beschäftigt sich mit „Kleopatra – Triumph und Tragödie der letzten Königin von Ägypten“. Die vom Geschichtsverein angebotenen 3B-Führungen werden sich mit dem Thema Mobilität in der alten Stadt beschäftigen. Das Jahresprogramm ist bereits auf der Homepage des Vereins veröffentlicht.

geschichtsverein-besigheim.de

Das war 2018 beim Geschichtsverein

Der Vorsitzende des Besigheimer Geschichtsvereins, Hans-Jürgen Gross blickte beim Neujahrsempfang auch auf 2018 zurück. Der Verein organisierte 16 meist öffentliche Veranstaltungen. Höhepunkte waren das Sommerfest auf Schloss Liebenstein mit Frank Merkle, Historiker und Liebenstein-Kenner aus Walheim, und eine mehrtägige Studienfahrt nach Kassel, Hannoversch-Münden, Göttingen und Fulda sowie die Ausfahrt in die Pfalz, wo man sich auf die Spuren von Richard Löwenherz begab. Eine Ausfahrt zum Thema Flößerei führte in den Nordschwarzwald.

Vorträge über Friedrich Schelling und Johannes Brenz rundeten das Vereinsprogramm im vergangenen Jahr ab. Daneben beschäftigt sich der Verein mit der Herausgabe der Besigheimer Geschichtsblätter. In den 40 Jahren seines Bestehens brachte man es auf bisher 34 Publikationen. wil

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