Mit seiner Verurteilung wegen einer Unfallflucht war ein 42-jähriger Berufskraftfahrer aus Gemmrigheim vor dem Ludwigsburger Amtsgericht bedient: Er darf nach seinem Verkehrsunfall an einem rege frequentierten Altenheim drei Monate lang nicht hinter das Steuer. So lange gilt das gerichtliche Fahrverbot. Zudem muss er eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu jeweils 30 Euro bezahlen.

Der schuldig gesprochene Berufskraftfahrer musste am 6. Februar dieses Jahres zwischen 14 und 14.30 Uhr einen Gegenstand in dem Altenheim in Ludwigsburg abholen, ergab die Verhandlung vor Gericht. Beim Wegfahren streifte er mit seinem Auto den geparkten Pkw einer Frau und verursachte dabei einen Schaden von etwa 1500 Euro.

Da der Angeklagte vor Gericht beteuerte, er habe den Unfall nicht bemerkt, beschäftigte sich ein Gutachter damit und sah sich die Örtlichkeit an. Es handelt sich um eine schmale Sackgasse mit Wendemöglichkeit am Ende der Straße, berichtete der Sachverständige. Das Schadensbild an dem geparkten Wagen passe zum Schaden an dem Fahrzeug des Angeklagten.

Der Experte berichtete auch von einer Augenzeugin, die ausgesagt habe, der Unfall habe sich im „normalen Begegnungsverkehr“ ereignet. Weitere Zeuginnen hätten von einem „abrupten Weglenken“ des Gemmrigheimers von dem beschädigten Fahrzeug gesprochen. Sie hätten auch ein „Kratz- und Schürfgeräusch“ gehört. Was der Gutachter eindeutig feststellte war, dass der Angeklagte die Kollision im Inneren seines Fahrzeugs habe hören müssen.

Den Schaden an seinem eigenen Fahrzeug erklärte der Beschuldigte allerdings damit, dass er mit dem Kotflügel einmal „an einer Mauer hängen geblieben“ sei und dass er auch beim Parken „ab und zu mal die Wand berührt“ habe. Der 21-jährige Kollege und Beifahrer des Angeklagten aus Mundelsheim gab im Zeugenstand an, ihm sei bei der Fahrt zu dem Seniorenheim „nichts aufgefallen“. Den Augenzeuginnen hingegen schon, denn sie notierten sogleich das Autokennzeichen und hefteten der Besitzerin des Fahrzeugs einen Zettel an die Windschutzscheibe.

Der Staatsanwalt hatte nach der Beweisaufnahme und dem Gutachten des Sachverständigen keinen Zweifel mehr, dass der Gemmrigheimer der Unfallverursacher war. Er forderte sogar ein um einen Monat längeres Fahrverbot, als im Urteil heraus kam. Der Verteidiger plädierte dagegen auf Freispruch, denn seiner Überzeugung nach konnte der Unfall seinem Mandanten keineswegs nachgewiesen werden. Bei dessen eigenem Auto, sagte der Anwalt, handele es sich um einen Altschaden. Und das von den Zeuginnen als „Weglenken“ beschriebene Verhalten könne auch ganz einfach eine Korrekturbewegung des Fahrers gewesen sein.

Aus der Sicht des Gerichts hat der Gemmrigheimer den Unfall eindeutig verursacht. Die Richterin ging davon aus, dass er sich an dem Altenheim schlicht verfahren habe. Die Zeuginnen befand sie für glaubhaft, als sie das Urteil von 1200 Euro Geldstrafe und drei Monaten Fahrverbot sprach. Sie hätten die Kollision schon von weitem gehört und der Unfallverursacher habe sie selbst dann hören müssen, wenn das Radio im Auto lief. „Sie brauchen das Fahrverbot als Denkzettel“, hieß es in der Urteilsbegründung. „Ein Fahrverbot soll wehtun und eine Lehre sein.“