Staatsbesuch Und wieder war Obama nicht da

SANDRA BILDMANN 20.06.2013
Barack Obama in Deutschland: Die optimale Gelegenheit für einen Abstecher nach Besigheim, die Geburtsstadt einer seiner Vorfahren. Doch Pustekuchen.

US-Präsident Barack Obama war endlich wieder in Deutschland. Nach viereinhalb Jahren im Amt wäre es auch mal an der Zeit gewesen, die Geburtsstadt der eigenen Vorfahren zu besuchen - Besigheim. Doch der Blick auf die Terminliste für seinen Deutschlandaufenthalt verriet: Obama zog politische Gespräche der Pflege verwandtschaftlicher Kontakte vor. Nichts wars also mit der Aufmerksamkeit der medialen Welt.

Versuche, Obama für seinen Ururururururgroßvater zu begeistern, gab es mehrere: Zuletzt habe man Eberhard Gienger, Abgeordneter im Bundestag mit Wahlkreis Neckar-Zaber, damit beauftragt, über Bundeskanzlerin Merkel an den US-Präsidenten zu gelangen, wie Stadtkämmerer Klaus Schrempf erklärt. Er räumt allerdings ein: "Antworten haben wir noch keine." Auch die Kontakte mit Harald Leibrecht, der als Koordinator der Bundesregierung für transatlantische Beziehungen zuständig ist, waren erfolglos.

Aber mal angenommen, Barack Obama hätte zugesagt: Was hätten die Besigheimer auf die Beine gestellt? Klaus Schrempf: "Wir sind da sehr erfinderisch und hätten was aus dem Boden gestampft. Natürlich müsste man die üblichen Sicherheitsvorkehrungen treffen. Aber das ist ja alles hypothetisch." Apropos Sicherheit: Hätte die Stadt solch ein Ereignis überhaupt bewältigen können? Wohl kaum, denn allem voran fehle Personal, erklärt Schrempf. Zwar werden sich die Weltmedien nicht um Storys zu einem Obama-Hype in Besigheim reißen können, doch Aufmerksamkeit hat die Stadt seit den Verwandtschafts-Enthüllungen 2009 reichlich bekommen. Als Werbegag wurden Postkarten gedruckt, die Obama mit der Aufschrift "Ich bin ein Besigheimer" zeigen. Klaus Schrempf nimmt die ganze Geschichte jedoch nicht zu ernst: "Es ist eben ein lustiger Nebenaspekt."

Aufgeben will man in Besigheim aber auf keinen Fall: Das Geburtshaus des Obama-Vorfahren Johann Conrad Woelfle befindet sich zwar im Privatbesitz. Ein Schild, das auf den geschichtsträchtigen Ort hinweisen soll, ist aber im Entwurf. Wenn Präsident Obama kommt, soll schließlich alles an seinem Platz sein.

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