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Besigheim / Michael Soltys  Uhr

Acht Uhr früh im Besigheimer Hotel am Markt mitten in der Altstadt. Die Frühstückstische sind gut besetzt, am Buffet gibt es Müsli, Brötchen, Joghurt, Marmelade, Obst und vieles mehr. Die Auswahl ist reichlich, die Gäste greifen zu, über Tische hinweg werden Tipps für die nächste Tagestour ausgetauscht.

Nicht wenige Hotelgäste sind an diesem Tag auf eine gute Grundlage angewiesen, denn sie sind mit dem Fahrrad in die Stadt gekommen und wollen weiter: den Neckar hinab Richtung Heilbronn oder die Enz aufwärts in Richtung Pforzheim. Die Lage Besigheims auf dem Bergsporn über den beiden Flüssen bringt es mit sich, dass viele Radtouristen in der Stadt Station machen.

Neben dem Hotel am Markt sind auch andere Gastbetriebe in der Stadt auf diese spezielle Klientel vorbereitet. Sie macht mittlerweile einen wesentlichen Teil des Tourismus im Erholungsort Besigheim aus, wie ein Blick auf die Homepage des 3B-Tourismus zeigt. „Die ersten Radfahrer kommen ab Mai“, sagt Hotelier Philipp Leibrecht, der ansonsten vor allem von Geschäftskunden lebt und das Hotel mit seiner Partnerin Jana Kirchknopf betreibt. Vor und nach den Ferien sind es ältere Paare und radelnde Rentner, die Zimmer buchen, berichtet er. „Manchmal stehen fast 20 Fahrräder bei mir im Hof.“

Zu dieser Gruppe zählen auch Sonja und Uli Peek aus Calw und Vera und Bertram Gramespacher aus Buggingen im Markgräfler Land. Die beiden Ehepaare sind gemeinsam von Horb am Neckar entlang Richtung Besigheim aufgebrochen. Besigheim kannten sie bis dahin lediglich vom Namen her, den sie mit dem Thema Wein verbunden haben, so Sonja Peek (60). Nicht immer war es einfach, die Wegweiser am Neckartal-Radweg zu finden, „vielleicht haben wir sie auch einfach übersehen“, sagt Bertram Gramespacher (56).

Alle vier sind mit dem E-Bike unterwegs, „Bewegung und Geselligkeit stehen bei der Tour im Vordergrund“, sagt Uli Peek (63). Und natürlich die Natur an den Ufern des Flusses, beispielsweise die Weinbau-Steillagen über dem Neckar. „Die musste ich gleich fotografieren“, sagt Sonja Peek. Auch ein bisschen Sport muss sein, den Akku, der den Fahrradmotor antreibt, schaltet Bertram Gramespacher deshalb auch schon einmal ab. „Sonst wird es knapp mit der Reichweite.“ „Malerisch“ finden sie es alle vier in Besigheim, wo sie am Tag zuvor am späten Nachmittag angekommen sind. Ähnlich schnuckelig, aufgeräumt und sauber, wie sie es im letztem Jahr bei ihrer Tour nach Riquewihr im Elsass erlebt haben. Viel haben sie nicht mehr von der Stadt gesehen, die Innenstadt und den Marktplatz mit dem Café bei der Bücherei. „Wir haben Durst gehabt und sind sitzen geblieben“, sagt Sonja Peek. Aufgefallen ist ihnen der Durchgangsverkehr in der Kirchstraße und die neue mobile Blitzanlage, die in der Innenstadt aufgestellt war. „Man hat es dauernd blitzen gesehen.“

Als die beiden Ehepaare noch am Frühstückstisch sitzen, schwingen sich Dietmar Bender (47) und sein 13 Jahre alter Sohn Michael bereits wieder auf ihre Räder. Es ist die erste Gepäcktour, die sie zusammen unternehmen, beide ohne elektrische Unterstützung an den Fahrrädern. An zwei Tagen mit jeweils 60 bis 70 Kilometern hat sie ihre Tour von Horb aus nach Besigheim geführt. „Man könnte mehr fahren“, sagt Dietmar Bender, aber sein Sohn verdreht die Augen. Nach der Ankunft am Vortrag habe er erst einmal „geduscht, gechillt und Eis gegessen“, erzählt er 13-Jährige.

Dietmar Bender, der aus Empfingen stammt, sitzt im Radtrikot von Ceratizit im Frühstücksraum, der Muttergesellschaft von Komet. Bei einer Tagung des Unternehmens hat er die Stadt bereits kennen und schätzen gelernt. Viel Zeit, einen intensiveren Blick darauf zu werfen, haben er und Michael nicht. Über die Täler von Enz und Nagold soll es wieder zurück nach Horb gehen.

Ganz anders gehen Angelika Retzmann (61) und Georg Bittner (63) ihren Radurlaub an. Das Paar ist mit dem Auto nach Besigheim angereist und nimmt sich vier Tage Zeit, um Verwandte zu besuchen und Radtouren zu machen, mal nach Ingersheim und Marbach, mal nach Mühlacker (zurück mit dem Zug) oder wie an diesem Tag nach Heilbronn zur Bundesgartenschau.

„Das sind ja nur 60 Kilometer hin und zurück“, sagt Angelika Retzmann. „Wir machen ganz viel mit dem Fahrrad“, sagt sie und betont: „Alles noch mit Muskelkraft.“ In Besigheim selbst ist es vor allem die Innenstadt, die es ihnen angetan hat. Mit Informationen über Radtouren sehen sie sich in der Stadt und im Hotel gut versorgt. „Die meisten Regionen haben sich gut auf Radfahrer eingestellt“, ist ihre Erfahrung.

Vom Trend zum Radsporturlaub will auch Philipp Leibrecht weiter profitieren. Von Kiel bis zur Schweiz reicht die deutschsprachige Kundschaft, auch Kanadier habe er schon beherbergt. Eine „Tankstelle“ für Akkus will er einrichten, auf Wunsch fährt er den Gästen auch das Gepäck zum nächsten Hotel, damit es auf dem Rad umso leichter rollt. Die Zusammenarbeit mit Partnerhotels kann er sich ebenfalls vorstellen. Nicht immer kann der Hotelier Zimmerwünsche erfüllen, vor allem nicht, wenn Radtouristen spontan nachfragen. Das tun sie besonders dann häufig gern, wenn es zu regnen beginnt. „Der Urlaub im eigenen Land ist angesagt“, stellt Leibrecht fest.

Info Informationsmaterial über das touristische Angebot für Radfahrer in der Region gibt es auf der Internet-Seite des 3B-Tourismusteams.

www.3b-tourismus.de