Schwerpunkt Verborgene Orte Tief unten im Rathauskeller

Stadtarchivarin Helga Engster-Möck zeigt das älteste Dokument von Bönnigheim: eine Vertragsurkunde von 1549.
Stadtarchivarin Helga Engster-Möck zeigt das älteste Dokument von Bönnigheim: eine Vertragsurkunde von 1549. © Foto: Martin Kalb
bz 25.08.2018

Dass Archivare tief unten in dunklen Kellern ihre Dokumente und Urkunden ordnen und hüten, das ist beileibe kein Vorurteil. Beobachten lässt es sich im Bönnigheimer Rathaus, im Reich von Archivarin Helga Engster-Möck.

Man muss schon ein paar Treppenstufen hinab steigen, um den  unverputzten Raum zu erreichen, in dem Engster-Möck an einem Schreibtisch direkt neben der Tür ihre Arbeit erledigt,  über ihr die Rohre mit Installationen des Hauses. Die Archivarin selbst findet es „mittelprächtig“, wie die historischen Urkunden und Unterlagen untergebracht sind. Und dennoch sagt sie: „Es hat sich schon gebessert.“

Immerhin ist in den Installationen auch ein Raumentfeuchter untergebracht, der die Luftfeuchtigkeit konstant bei 50 Prozent hält. Von einer Klimaanlage, um auch die Temperatur konstant zu halten, kann die Archivarin dagegen nur träumen: „Immerhin ist es im Keller kühler als im übrigen Teil des Hauses“, sagt sie.

 Dabei sind es die Archivalien wert, sorgsam aufbewahrt und zugänglich gemacht zu werden. Zwar ist ein großer Teil der historischen Dokumente aus der Geschichte Bönnigheims verbrannt, als das historische Rathaus der Stadt in den letzten Kriegstagen 1945 zerstört wurde.  Immerhin aber blieben unter anderem Güterbücher, die Grundbücher früherer Zeiten, aus den Jahren seit 1750 erhalten. Der Bestand, der den zentralen Raum des Archivs einnimmt, war damals aus dem Rathaus ausgelagert und blieb vom Feuer verschont, berichtet Engster-Möck.

Was davor geschah, lässt sich im Archiv häufig nur noch indirekt erschließen. Dabei ist Engster-Möck auf die Arbeiten der früheren Stadtpfarrer Ernst Mayer und August Stocker angewiesen, die aus historischem Interesse heraus vor dem Zweiten Weltkrieg Akten gesichtet und exzerpiert hatten, um Chroniken zu verfassen.

Mit den Güterbüchern lagern auch weitere Inventar- und Teilungsakten im Archiv, oft umfangreiche Listen eines Besitzes. Wo welche Dokumente zu finden sind, das steht in einem Findbuch, das in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts verfasst wurde, und in einem Leitz-Ordner, „mit vielen, vielen handschriftlichen Einträgen“, sagt die Archivarin. Ihre aktuelle Aufgabe ist es, diese Informationen elektronisch zu verarbeiten, vorerst „ohne Rückmeldung am Regal“, also ohne konkrete Nachprüfung.

In zwei weiteren kleineren Räumen des Archivs ist die Registratur untergebracht, das sind alle relevanten schriftlich festgehaltenen Vorgänge in der Verwaltung etwa von den 1980er-Jahren bis heute: „Schriftverkehre, Rechnungen, Wettbewerbsunterlagen“, zählt die Archivarin auf.

Es kommt zwar nicht allzu oft Besuch, um im Archiv Nachforschungen anzustellen. Doch wenn ja, dann kann Engster-Möck die Besucher wenigstens in ein kleines Besprechungszimmer führen. Die meisten Anfragen kommen aber über Mail oder Telefon, und häufig erkundigen sich die Anrufer nach ihren Vorfahren. Sie muss die Archivarin zunächst einmal an die Kirche verweisen, um Fragen der Genealogie zu beantworten. Erst danach kann sie ihn ihren Güterbüchern nachsehen, ob sie Informationen zu einem bestimmten Namen erhalten.

Nur mit weißen Baumwoll-Handschuhen holt die Archivarin das älteste Dokument des Archivs hervor: eine Urkunde aus dem Jahr 1549, ausgestellt von Erzbischof Sebastian von Mainz, der zu dieser Zeit Stadtherr von Bönnigheim  war.

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