Zeitlich wird es nun schwierig für den Kreisel, den man in Gemmrigheim längst haben wollte. Denn schon im Sommer soll der Neubau der Enzbrücke bei Besigheim beginnen, im Anschluss soll die neue Besigheimer Kanalbrücke über den Neckar gebaut werden, was sich bis 2023 hinziehen könnte. Ein Kreisverkehr vor oder während der Brückenbaumaßnahmen der B 27 sei aufgrund des geplanten Umleitungsverkehrs nicht machbar, heißt es von Seiten des Landratsamts, das mit der Planung beauftragt ist. In der Interimszeit soll daher eine Ampel am Abzweig Gemmrigheim installiert werden.

Bereits jetzt ist es in Stoßzeiten schwer für die Gemmrigheimer, aus dem Ort und auf die Kreisstraße zur Autobahn oder nach Kirchheim zu kommen. Das wird sich mit den anstehenden Brückenneubauten wohl verschärfen: Zunächst soll die neue Enzbrücke bei Besigheim parallel zur bestehenden Brücke gebaut werden, sodass der Verkehr auf der B27 weiter fließen kann. Dann wird die neue Brücke über die Enz angeschlossen und die alte kann abgerissen werden. Sperrungen der B27 sind nur für die Zeit des Straßenanschlusses vorgesehen.

Schwierig könnte es danach werden, wenn die Besigheimer Kanalbrücke über den Neckar abgerissen wird und die Sanierung der Wehrbrücke kommen soll. Die Entwurfsplanung für die Erhaltungsmaßnahmen an der Wehrbrücke und den Ersatzneubau der Kanalbrücke in Besigheim könne voraussichtlich 2020 abgeschlossen werden, erklärt Julia Christiansen, Sprecherin beim Regierungspräsidium in Stuttgart. Geplant ist dann ein Umleitungsverkehr über Kirchheim nach Besigheim, für den im letzten Sommer Messungen erfolgten. Zunächst sah die untere Verkehrsbehörde im Landratsamt dort einen „provisorischen Kreisverkehr“ als beste Option, der die Zufahrt der Gemmrigheimer leichter machen würde. Obwohl die B27 weiter befahrbar sein wird, sieht das Land die Ampelanlage bereits jetzt als erforderlich an.

Provisorische Ampel erforderlich

Um den zusätzlichen Verkehr während des Ersatzneubaus der Enzbrücke bei Besigheim aufzunehmen, werde der Knotenpunkt K 1625 /K 1623 mit einer provisorischen Lichtsignalanlage ausgestattet. Der Aufbau der provisorischen Lichtsignalanlage erfolge zu Beginn der Bauarbeiten für die gesamte Dauer der Baumaßnahme, so Christiansen. Dennoch seien für einzelne Bauphasen Sperrungen mit Umleitungen erforderlich. „Nach dem Abschluss des Ersatzneubaus der Enzbrücke Besigheim kann mit den Instandsetzungsarbeiten an der Wehrbrücke sowie dem Ersatzneubau der Kanalbrücke Besigheim begonnen werden. Für die Errichtung des Ersatzneubaus der Enzbrücke Besigheim gehen wir von einer Bauzeit von etwa 14 Monaten aus. Für die Abbrucharbeiten des alten Bauwerks sowie den Rückbau der Straßenanschlüsse wird mit  rund 3 Monaten gerechnet“, so die Sprecherin weiter. Die Ampel sei für die gesamte Dauer der Bauzeit vorgesehen. Von einer Beeinträchtigung der Knotenunkte Max-Eyth-Straße / Bahnhofstraße und Max-Eyth-Straße / B27 sei „im Regelfall nicht auszugehen“.

„Das Landratsamt hat sich jetzt unserer Argumentation angeschlossen. Die Studie, die das Regierungspräsidium gemacht hat, hat gezeigt, dass der Kreisverkehr tatsächlich die leistungsfähigste Variante wäre“, sagt Gemmrigheims Bürgermeister Jörg Frauhammer auf Anfrage der BZ. Die Planungen würden nun vom Landratsamt verfolgt, nun müsse der Kreistag dafür noch die Gelder zur Verfügung stellen. „Fachlich gesehen sind unsere Argumente die richtigen“, betont der Verwaltungschef. Ein Kreisverkehr sei für 2021/2022 angedacht, so Frauhammer, der nicht sagen kann, ob sich auch das Land an der Finanzierung beteiligt.

Die K 1625 besitzt längst den Charakter einer Landesstraße und wird als Anbindung der B27 zur Autobahn von täglich über 20 000 Fahrzeugen genutzt. Auch der Ausbau der Straße zwischen Mundelsheim und Backnang zur Bundesstraße dürfte höhere Verkehrszahlen bringen. „Ich denke, dass sich deshalb auch das Regierungspräsidium eingeschaltet hat, weil es auch überregional eine erhebliche Rolle spielt“, so Frauhammer.

Täglich über 20 000 Fahrzeuge

Nun wurde elektronisch gezählt und ein Kreisverkehr als beste Lösung ermittelt. Legt man die Zahlen der Kirchheimer Max-Eyth-Straße zugrunde, so passieren hier täglich mehr als 20 000 Fahrzeuge die Einfahrt nach Gemmrigheim.

Problematisch kann die Entscheidung werden, statt eines provisorischen Kreisels hier nun eine neue Ampelanlage für die Zeit des Brückenbaus einzurichten, die in Stoßzeiten für Rückstaus sorgen könnte. Auch bergab müsste dann abgebremst werden, wenn die Ampel an der Gemmrigheimer Einfahrt rot zeigt. „Die Planungsmaßnahme wurde noch nicht vergeben“, heißt es vom Landratsamt zu dem Kreisverkehr, Verkehrszahlen des Landes lagen noch nicht vor und sollen im Februar den Kommunen vorgestellt werden. Das Gutachten, auf dessen Grundlage das Regierungspräsidium Stuttgart die Option eines Kreisverkehrs für das Landratsamt mituntersucht hat, liege erst seit Kurzem vor.

Wie die neue Enzbrücke an der B27 dann für Fahrräder aussehen wird, darüber gibt noch keine neuen Erkenntnisse. Hier wurde zuletzt eine Online-Petition beim Bundestag zur Radwegunterführung abgelehnt. Voraussichtlich im Februar wird es dazu ein Gespräch mit Verkehrsminister Winfried Hermann geben.