Eva Vollkopf genießt den Sommerabend auf ihrem Campingstuhl neben dem Wohnmobil. Erst seit Kurzem ist sie zurück von einer Radtour nach Marbach mit ihrem Mann Wolfgang. Das Ehepaar aus Kassel hat auf seiner Fahrt den Neckar hinab Station in Besigheim gemacht. Jeden Urlaubstag unternehmen die Vollkopfs mit ihren Rädern eine etwa 50 Kilometer lange Tour, ausgesucht und geplant von Wolfgang Vollkopf. Nach Marbach ist Lauffen das nächste Tourenziel auf dem Neckartal-Radweg. Zuvor geht es am Abend in die Besigheimer Altstadt, die nur wenige hundert Meter entfernt zu Fuß den Hügel hinauf erreichbar ist.

Rund 800 Wohnmobilisten sind allein im vergangenen Jahr nach Besigheim gekommen, berichtet Andreas Ammer vom benachbarten Minigolf-Platz. Er kümmert sich im Auftrag der Stadt um die Wohnmobil-Stellplätze, hält sie in Schuss und rechnet die Übernachtungen ab. Die meisten Wohnmobiltouristen kommen für ein oder zwei Tage berichtet Ammer, selten für länger. Ähnlich wie die Vollkopfs nutzen sie die Stadt als Ausgangspunkt für Radtouren, Wanderungen oder Ausflüge am Neckar entlang, sei es bis Marbach oder nur bis zu den Felsengärten in Hessigheim. Heilbronn und Ludwigsburg sind vom Besigheimer Bahnhof aus in 20 Minuten mit dem Zug zu erreichen. Mit dem Fahrrad "ist man gleich unten am Neckar" hebt Eva Vollkopf einen weiteren Vorteil hervor.

Für fünf Euro pro Nacht bekommen die Touristen auf dem Besigheimer Platz einen guten Service. "Bei diesem Preis meckert niemand", sagt Ammer. In Besigheim haben die Fahrer die Möglichkeit, ihr Schmutzwasser zu entsorgen. Sogar ein kabelloser Internet-Anschluss befindet sich in der Nähe - der Zugang ist kostenlos. Wolfgang Vollkopf macht aber auch gar keinen Hehl daraus, dass er Besigheim noch aus einem ganz anderen Grund angesteuert hat. "Hier gibt es keine Umweltzone". Sein Wohnmobil älteren Baujahrs bekommt keine grüne Plakette mehr. Damit fallen viele Ortschaften als Standort aus - ein echter Vorteil für Besigheim, findet auch Andreas Ammer.

Es sind zumeist deutsche Gäste, die nach Besigheim auf den Stellplatz kommen, berichtet Ammer. Nicht immer sind es Touristen, manchmal parkt hier auch ein Vater, der Sohn oder Tochter beim Umzug helfen will oder jemand, der Verwandte in Besigheim besuchen will, berichtet Ammer. Während Eva Vollkopf entspannt den Abend genießt, putzt nebenan ein Spanier sein Wohnmobil, wieder einen Platz weiter hat ein Franzose seine fahrbare Behausung abgestellt, auf dem vierten Platz parkt ein Wagen aus Olpe im Sauerland. Beim letzten Winzerfest war der ganzjährig geöffnete Platz gefüllt mit schwedischen Fahrzeugen, so Ammer. Einige Holländer zieht es nach Besigheim, ab und zu trifft man auch Italiener. Nach zwei Tagen in Besigheim ist für die Vollkopfs Zeit zum Aufbruch. Dann geht es auf einen Campingplatz nach Neckarzimmern, wo Wolfgang Vollkopf bereits die nächste Radtour geplant hat.