Die Region vor 500 Jahren Spielball der Herrscher

Relikte der wechselhaften Geschichte sind am Besigheimer Rathaus heute noch erkennbar: Die Südfassade wurde von Kanonenkugeln während der württembergischen Belagerung malträtiert.
Relikte der wechselhaften Geschichte sind am Besigheimer Rathaus heute noch erkennbar: Die Südfassade wurde von Kanonenkugeln während der württembergischen Belagerung malträtiert. © Foto: Martin Kalb
Besigheim / Jonathan Lung 01.07.2017

Als 1504 Herzog Ulrich vor den Toren Besigheims stand, gab es kein Entkommen: 20 000 Fußsoldaten und 500 Reiter hatte der Württemberger zusammengezogen, seine Artillerie nahm die Stadt unter Beschuss. Die Bedrängten hinter den Mauern Besigheims hatten die Wahl, kapitulieren oder untergehen.

Das 16. Jahrhundert war ein interessantes in der Geschichte der Stadt an Enz und Neckar, da stimmt auch Sandy Krüger zu, die als Archivarin der Stadt mit der wechselvollen Geschichte bestens vertraut ist.

Nach der Stadtentwicklung gefragt, muss sie aber auch auf die dünne Quellenlage zu der Zeit verweisen. So ist die tatsächliche Größe der Stadt schwer zu benennen, es liegen im 16. Jahrhundert noch keine Einwohnerverzeichnisse vor. Um 1600 kann man allerdings von um die 1300 Einwohnern ausgehen.

Schon gegen Ende des 15. Jahrhunderts wuchs die Stadt wohl und breitete sich über die Stadtmauern hinaus aus. In der Vorstadt konzentrierten sich dann naheliegender Weise die Berufe  mit erhöhtem Wasserverbrauch, am Fluss tummelten sich also die Seifenhersteller, ein paar Mühlen und Walkereien – ebenso wie eine Badstube, die um 1500 erstmals erwähnt wurde.

Weinbau und Landwirtschaft waren seit jeher die Hauptgewerbe in der damals noch badischen Stadt, aber auch Bader, Wundärzte und einige Gasthäuser gehörten zum Stadtbild – allerdings kein Apotheker, den mussten die Einwohner in den Nachbarstädten aufsuchen.

„Die Stadt erlebte eine bescheidene Blüte“, beschreibt Archivarin Krüger die Situation um 1500. 1463 endete allerdings die badische Herrschaft in Besigheim: Zusammen mit Graf Ulrich V. von Württemberg hatte Markgraf Karl I. im Badisch-Pfälzischen Krieg die Schlacht bei Seckenheim verloren, kam in Gefangenschaft und zahlte nach zehn Monaten das Lösegeld, zu dem auch die Stadt gehörte, die von nun an den Pfälzern gehörte.

Württemberger belagern

Diese hatten allerdings nur bis 1504 Freude daran, bis ein neuer württembergischer Ulrich vor der Stadt stand, diesmal im Amt des Herzogs, und die besagte Belagerung durchführte.

Daraufhin bis 1520 württembergisch, fiel Besigheim an die Habsburger, bis die Stadt von den Badener 1529 für 25 000 Gulden zurückgekauft wurde. Allerdings entschlossen sich die Württemberger 1595 dazu, Stadt und Umland für 384 486 Gulden in ihr Territorium einzugliedern. Die Reformation hielt in Besigheim erst 1556 Einzug, die Markgrafen zeigten sich da wenig radikal.

Auch der Bauernkrieg tangierte die Stadt eher kurz. Auch hier sind die Quellen widersprüchlich: „man stellte sich den Bauern vergeblich in den Weg“, ist einer Ortschronik zu lesen, sie gelangten „ohne Widerstand in die Stadt“ andernorts. Die Bauern zogen dann wohl weiter, nicht ohne aber davor noch das Haus des örtlichen Kaplans verwüstet zu haben.

Gebäude noch erhalten

Noch heute sind Bauten aus der Zeit um 1500 erhalten, etwa die Nattersche Herberge in der Bühlstraße, die Obere Mühle, die Kelter und die Badstube, das Dreigiebelhaus – und natürlich das Rathaus, in dessen Dach man immer noch von der Enz aus die Einschusslöcher und im Inneren Repliken der Kanonenkugeln des Belagerers Ulrich sehen kann, angesichts dessen Übermacht sich die Besigheimer 1504 dann doch für Kapitulation und Unversehrtheit entschieden – sowohl für sich selbst als auch für ihre Stadt.