Besigheim / Susanne Yvette Walter

Die 21 Natursteinstelen auf dem alten Friedhof in Besigheim sind zurzeit im Fokus der Öffentlichkeit: Es geht darum, wer nach Ablauf der fünfjährigen Dauerausstellung die weitere Pflege und die Verantwortung für die Stelen übernimmt. „Die Stadt wollte die Gedenkstelen von den Steinmetzen abkaufen zu einem Gesamtpreis von 2000 Euro“, sagt Stadtführerin Katrin Held, die sich nun mit einer Spendenaktion dafür einsetzen will, dass die Steinmetze wenigsten das Geld für ihr Arbeitsmaterial ersetzt bekommen, das sie für die Restaurierung ihrer Stele brauchen. Die Stelen sind Bestandteil des Besigheimer Skulpturenpfades.

Vor mehr als fünf Jahren startete Steinmetz Jörg Failmezger zusammen mit seinem Sohn Till ein nachhaltiges Projekt für Besigheim. Er gewann insgesamt 21 Steinmetzkollegen aus dem Rems-Murr-Kreis, aus dem Kreis Ludwigsburg und dem Kreis Böblingen, die hier zu markanten Besigheimer Persönlichkeiten Erinnerungsstelen schufen. Jörg Failmezger hatte das Projekt initiiert. Inzwischen kümmert sich vorwiegend sein Nachfolger und Sohn Till Failmezger um das Stelenprojekt.

Restaurierung notwendig

Nach fünf Jahren im Freien sind die Stelen heute nicht mehr so jungfräulich, taufrisch und schön wie damals. Teils ist die Farbe abgeplatzt, es gibt Spuren von Vandalismus und so manche Stele, wie zum Beispiel die des Besigheimer Bildhauers Andreas Schlatterer ist in der Mitte durchgebrochen gewesen und wurde wohl schon wieder repariert. „Die Aussicht, dass die 21 Stelen für 2000 Euro insgesamt in den Besitz der Stadt Besigheim übergehen, hat verschiedene Steinmetze sehr geärgert. Sie fühlen sich in ihrem Tun und in ihrer Person nicht wirklich wertgeschätzt bei so einem Betrag“, berichtet die Stadtführerin, die für die Restaurierung Geld sammelt durch Marmeladenverkauf und ähnliches. „Die Besigheimer freuen sich über diese Stelen. Sie sind ein wichtiger Bestandteil des alten Friedhofs in Besigheim geworden. Und der alte Friedhof ist als Naherholungsort sehr beliebt. Damals vor fünf Jahren habe die Stadtverwaltung zusammen mit der evangelischen Kirchengemeinde beim Friedhof die Schirmherrschaft für das Stelenprojekt übernommen“, lässt Held wissen. „Die Stadt hat fünf Jahre lang die Versicherung dafür bezahlt und der Bauhof hat damals vor der Installierung der Stelen die Fundamente ausgegraben“, erinnert sie sich. „Umso mehr wundern sich jetzt viele Besigheimer, dass das erste Angebot, das die Stadtverwaltung gemacht hat, mit 2000 Euro so gering ausfiel.“ Der Park als Rückzugsort sei sehr beliebt und die Stelen passten dort gut in die Kulisse der Entspannung und der inneren Einkehr. Genau um diese Atmosphäre noch zu unterstreichen habe der Pleidelsheimer Steinmetz damals diese Idee entwickelt und mit Erfolg umgesetzt.

Thema im Gemeinderat

Eine Diskussion über den Verbleib der Stelen nach Ablauf der Fünf-Jahres-Dauerausstellung ist im Gemeinderat im Zuge der Haushaltsdebatte voraus gegangen. Der Gemeinderat will das Thema nun noch einmal aufgreifen, weil sich die beteiligten Steinmetze nicht mit dem angedachten Betrag zufrieden geben wollen. Inzwischen gibt es zwei Termine – Ende April und Anfang Mai – an denen sich die Steinbildhauer treffen wollen und ihre Stele jeweils wieder in einen guten Zustand bringen wollen – ehrenamtlich, versteht sich, so Held.

Damit sie wenigstens die Materialkosten erstattet bekommen, sammelt die Besigheimer Stadtführerin für die Künstler und hat immer wieder in den letzten Tagen „tolle Neuigkeiten“ zu verzeichnen: „Mit einer Einzelspende in Höhe von 50 Euro, die mir gestern spontan übergeben wurde, haben wir die Schallgrenze von 1000 Euro überschritten. Der aktuelle Spendenstand beträgt fast 1200 Euro von angestrebten 2100 Euro für den Erhalt der 21 Meisterwerke.“ Sie weist darauf hin, dass man auch Pate werden kann für eine Stele im alten Friedhof. „Es war sogar schon im Gespräch, die Stelen wieder abzubauen. Manche Steinmetze erklärten, dass sie ihre Stele lieber zuhause vor die Eingangstür stellen wollen, als sich mit so einem Betrag abspeisen zu lassen“, sagt sie

Bei ihr gehen ständig Spendenbeträge ein. „Jeder einzelne Cent ist ein Beitrag zum Erhalt des einzigartigen Gesamtkunstwerks der Steinmetze in unserer idyllischen Parklandschaft“, betont sie und bittet die Bevölkerung das Sanierungsprojekt durch einen Besuch im Ottmarsheimer „MarmeLädle“ zu unterstützen. Auch Obstspenden seien willkommen. Der aktuelle Renner im Marmeladenladen: „Marmelade aus Wildorangen von einem unbehandelten Bäumchen in Ottmarsheim.“