Das ist aber ein irritierender Balken auf der rechten Seite.“ Halb anerkennend, halb ironisch kommentierte Helmut Fischer, Fraktionschef von Bündnis Mensch und Umwelt (BMU), am Dienstag  die Grafik mit den Zahlen der Wahl zum Besigheimer Gemeinderat, die im Foyer des Rathauses über den Bildschirm flimmerten. Während die Balken von CDU, Freien Wählern und SPD nach unten zeigten, ragte ganz rechts das Ergebnis der neuen Wahlliste „WIR Besigheimer Bürger“ weit nach oben.

Mit 17,49 Prozent der Stimmen errang die neue Gruppierung auf Anhieb einen klaren Erfolg. Sie zieht mit drei Kandidaten in den Gemeinderat ein: dem Veranstaltungsmanager Edgar Braune, Gastwirt Frank Land und Schreinermeister Manfred Hiller.  „Unsere Hoffnungen haben sich erfüllt“, sagte Edgar Braune im Gespräch mit der BZ. Jetzt freue er sich auf die gemeinsame Arbeit mit den anderen Fraktionen des Gemeinderates, wenn auch wichtige Entscheidungen beispielsweise für die Anlage des Enzparks noch vom alten Gemeinderat getroffen worden seien.
  Auf den grünen Balken des BMU schaute Helmut Fischer mit Wohlgefallen. Denn im Gegensatz zu allen Gruppierungen, die schon bisher im Gemeinderat vertreten sind, zeigte dieser Balken nach oben. Um mehr als zwei Prozent legt das BMU zu, auf 25,78 Prozent, die vierköpfige Fraktion wird um einen Sitz wachsen. Zu Fischer selbst, Hansjörg Kollar und Miriam Staudacher – Waldemar Held trat nicht mehr an – stoßen Thomas Pulli und die Veterinärin Anne Posthoff als neue Stadträte hinzu. Das BMU ist damit die stärkste Fraktion im Gemeinderat. Kein Wunder also, dass Fischer mit dem Erfolg seiner Liste, dem Programm und den Personen, mehr als zufrieden war. Er hoffe, dass die „tolle Truppe“ die Basisarbeit auch nach der Wahl fortsetzen werde. „Wir müssen nicht schlucken“, sagte der Fraktionschef mit Blick auf die Verluste der anderen Gruppierungen.

„Keineswegs erfreulich“, nannte Uttam Das, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes, das Ergebnis seiner Partei, die mehr als sieben Prozentpunkte verlor und bei 21,36 Prozent landete. Mit Heinz Streicher, der erst vor kurzem für Albert Joos nachgerückt war, und Jochen Rieth verliert die CDU zwei Mandatsträger. Der nur noch vierköpfigen Fraktion gehören Achim Schober, Ulrich Gerstetter, Ulrich Herbst und Ruben Wald an. Uttam Das führte das Abschneiden der Partei zu einem guten Teil auf die Kandidatur der neuen WIR-Liste zurück. Es sind „bekannte Leute, die ziehen“, sagte er. Das sieht auch Achim Schober so, der Fraktionsvorsitzende der CDU. Die Verluste seien die Konsequenz der neuen Konkurrenz „aus dem bürgerlichen Lager“. Ein kleiner Anteil der Verluste sei möglicherweise auch dem bundesweiten Trend der Europawahl geschuldet, vermutet Schober.

Mit den ausscheidenden Stadträten Adolf Eisenmann und Marion Mohn hatte Walter Zeyhle, Fraktionschef der Freien Wähler, zwei Stimmenbringer auf seiner Liste verloren. Mit einem Minus von sechs Prozentpunkten „haben wir uns gut geschlagen“, sagte ein durchaus zufriedener Zeyhle, dessen Liste 17,83 Prozent erzielte. Besonders freue ihn, dass Fraktionskollege Friedrich Köhler erneut die meisten Stimmen (4670) aller Kandidaten bekam. Statt bisher vier wird die neue Fraktion noch drei Sitze haben: Als neu gewählter Stadtrat stößt Stefan Bruker hinzu. Auch Stadtrat Thomas Herbst gehörte der Fraktion bisher an. Er wurde wieder gewählt, die FDP erzielte 4,55 Prozent.

Mit 3585 Stimmen erzielte Christian Herbst von der SPD das zweitbeste Stimmenergebnis aller Kandidaten. Das dürfte den Sprecher der SPD-Fraktion jedoch wenig trösten, da die Sozialdemokraten künftig nur noch über zwei statt drei Sitze verfügen und 12,99 Prozent erzielten. Sibylle Reustle schaffte es wieder in den Gemeinderat, Eva Herbst-Schetter dagegen nicht.