Die Ursprünge Ottmarsheims liegen als älteste Gemeinde im Jahr 766, später war der Ort stark mit den Herren von Liebenstein verbunden und wurde von diesen als Poststelle genutzt.  1971 zählte Ottmarsheim gerade einmal 791 Einwohner, heute sind es mehr als 2300.

Für die Eingemeindung gab es im Gegenzug eine Gemeindehalle und das Feuerwehrhaus, wie es damals oft praktiziert wurde. Aber die neue Fläche wurde auch von der Stadt Besigheim genutzt. „Sie haben damals als erstes den Tannenwald abgeholzt“, erinnert sich Walter Ziegler, der bis vor einem Jahr für die kommunalen Gebäude im Ort zuständig war und nun in Rente ist. Er betreute die Gemeindehalle, die Schule und das Rathaus, das auch heute noch an zwei Tagen pro Woche genutzt wird.

20 Jahre war er für die Stadt als Hausmeister in den Gebäuden tätig, ebenso lang war er Vorstand im Liederkranz, wo er seit 48 Jahren mitsingt. Doch so richtig in Rente ist er noch nicht, denn als am Donnerstag in Schule und Kindergarten kalt blieben, kümmerte er sich spontan um die Pelletheizung, die auch die neue Kita versorgen soll. 4,1 Millionen Euro investiert die Stadt dafür, für das neue Feuerwehrhaus, das schon im Betrieb ist, kommen nochmal 2,3 Millionen Euro zusammen.

Die Stadt Besigheim kümmert sich abseits der Pflichtaufgaben auch sonst um Verbesserungen. So fahren nun mehr Busse in die Stadt, doch abends nicht mehr zurück. Einen Spätbus aus Besigheim wünscht sich Ziegler, vor allem bei Veranstaltungen. Und es könnte auch die Baulücke zwischen Norma und dem Ort erschlossen werden. Ein Problem, dass die Stadt nicht beeinflussen kann, sind die Banken, die allerorts Filialen reduzieren. In Ottmarsheim hat die Sparkasse seit Mai kein Personal mehr, die VR-Bank bietet im Container ein Terminal, in dem mit dem Berater online die Geschäfte abgewickelt werden können.

Auch das Gewerbegebiet wächst weiter. Hier parken nachts die vielen Laster, und es werden die Ruhezeiten eingehalten, um am nächsten Tag weiterfahren zu dürfen. Ein Flächenverbrauch, der für Arbeitsplätze in Ordnung sei, aber nicht unbedingt für Speditionen, wo nur zehn Leute arbeitet, findet Ziegler.

Dass trotz der gestiegenen Einwohnerzahl nur zwei Gemeinderäte von Ottmarsheim  kommen, verwundert etwas. Der Ottmarsheimer Stefan Bruker von den Freien Wählern erinnert sich noch, dass es früher die „unechte Teilortswahl“ gab, in der auf jeden Fall drei Räte aus dem Ort kommen mussten. „Es wurde irgendwann abgeschafft, weil man glaubte, dass dann mehr in den Gemeinderat kommen“, so Bruker, aber das Gegenteil sei passiert. „Manchmal kommt es so rüber, als ob wir nur ein kleiner Teilort sind“, sagt er, doch der Zusammenschluss sei ein Gewinn für jeden.

Was  noch im Argen liege, sei im  Ortskern das Internet. Auch die Feldwege seien vernachlässigt, dort müsste das Gehölz zurückgeschnitten werden. Frisch auf Wunsch der AVL asphaltiert ist nun der Häckselplatz, der jeden Tag frei zugänglich ist und auch von Ilsfeldern gerne genutzt wird, wo er samstags um 12 Uhr schließt. Hier gebe es schon mal laute Worte, wenn ein AVL-Mitarbeiter die fremden Fahrzeugführer anspricht.

„Bei uns hat man Angst, dass sie den Häckselplatz einzäunen“, sagt Bruker. Er ist überzeugter Ottmarsheimer und lebt gerne  auf der Höhe. Wenn es im Neckartal neblig sei, dann scheine über Ottmarsheim häufig die Sonne. Von denen, die den Ort berufs- oder familienbedingt verlassen haben weiß er: „95 Prozent wollen zurückkommen“.