Wir brauchen mehr Information.“ Dies war in den vergangenen Monaten der Tenor der Beratungen des Besigheimer Gemeinderates zum Thema Erweiterung und Neubau eines Schulgebäudes für die Friedrich-Schelling-Schule in Besigheim. Sie ist Grundschule und Gemeinschaftsschule zugleich. Vergebens hatte die Stadtverwaltung auf schnelle Entscheidungen gedrängt, da es an Platz mangelt und Schüler bereits jetzt an mehreren Standorten in der Stadt und in Containern unterrichtet werden. Auch die Aussicht, erst im nächsten Jahr Förderanträge stellen zu können und den Schulneubau erneut um ein Jahr bis 2021 verschieben zu müssen, konnte die Stadträte nicht umstimmen.

Am Donnerstag nun kommen Fachleute in das Gremium. Vertreter des Regierungspräsidiums, von Fachbüros, die sich statistisch mit der Bevölkerungsentwicklung und damit der künftigen Schülerzahl befassen, und Architekten stellen sich den Fragen der Stadträte. Über allem schwebt die Frage, wo denn vernünftigerweise der Schulneubau angesiedelt werden sollte. Vorentwürfe von Architekt Jochen Feyerabend zeigen, dass es genügend Platz auf dem Gelände der Friedrich-Schelling-Schule gibt, um eine fünfzügige Grundschule zu bauen. Doch seit Monaten drängt vor allem die CDU-Fraktion darauf, eingehend zu untersuchen, ob nicht in der Nähe des Schulzentrums auf dem Kies ein Gebäude für die zweizügige Gemeinschaftsschule gebaut werden sollte, während die Grundschule am alten Standort bleiben könnte.

Zur Sitzung am Donnerstag hat die Fraktion jetzt erneut ein Papier vorgelegt, das sie als Grundlage für die weitere Diskussion versteht, wie Fraktionssprecher Achim Schober im Gespräch mit der BZ deutlich machte. „Wir wollen das Problem zur Gänze in den Griff bekommen“, sagte Schober. Detailliert zählt die Fraktion die Vorzüge einer räumlichen Trennung der beiden Schulformen auf.

Und das sind aus Sicht der CDU eine ganze Menge: Die Grundschule könnte ohne Platzprobleme fünfzügig geführt werden, derzeit hat sie vier Züge. Die bestehende Mensa für die Grundschüler könnte vergrößert werden. Die Räumlichkeiten für die Kernzeitbetreuung können erweitert werden, oder es könnte mittelfristig eine Ganztagsgrundschule ohne Platzprobleme entwickelt werden. Die Straße durch den Schulhof, zuletzt wieder ein Streitpunkt im Gemeinderat, könnte anders geführt werden. Auch eine  Schulsporthalle für die Grundschüler hält die CDU für denkbar. Bisher müssen die Kinder 15 Minuten zu den Sportanlagen laufen.

Weitere mögliche Vorteile: Die Außenstelle „Post/Bahnhof“ könnte aufgegeben werden. Die Erweiterung der Realschule könnte zurückgestellt werden. Die CDU-Fraktion geht sogar soweit, über neue Nutzungen für das alte Schulhaus nachzudenken: als Galerie, Museum oder Haus der Stadtgeschichte.

Wenige Nachteile

Deutlich kürzer ist die CDU-Liste der Nachteile. Die Leitung der Friedrich-Schelling-Schule müsste zwei Standorte betreuen. Das hatte Schulleiterin Renate Opiolla selbst als Argument gegen die Verlagerung genannt. Die Trennung der beiden Schulformen und der Umzug auf den Kies sei arbeitsintensiver und dauert länger. Und möglicherweise entstehen Spannungen zwischen Gemeinschaftsschülern in der Ganztagsschule und Schülern anderer Schulformen. Auch dies war ein Argument der Schulleiterin.

Unter Zeitdruck sieht sich die Fraktion nicht. Der 30. September 2020 ist das letzte Datum, an dem Förderanträge für 2021 gestellt werden können. Bis dahin müssten die entsprechenden Entscheidungen fallen, so Schober. Die Rückmeldungen von Kollegen anderer Fraktionen stimmen ihn positiv.

Info Die Sitzung des Besigheimer Gemeinderates am Donnerstag, 10. Oktober, beginnt um 18.30 Uhr im Rathaus. Das Schulthema ist dabei neben Verpflichtungen neuer Gemeinderäte der einzige Punkt auf der Tagesordnung.