Laute und intensive Klagen bekamen die Stadträte zu hören, als es Anfang 2018 im Gemeinderat im Rahmen der Haushaltsberatungen um die digitale Ausstattung der Schulen in Besigheim ging. Am deutlichsten formulierte Frank Hielscher, der Leiter des Gymnasiums, die Kritik. Ausgerechnet diejenige Schule, die ihre Schüler zum Abitur hinführt, sei in digitaler Hinsicht völlig unzureichend ausgestattet. Ein Wlan-Netz gebe es nicht am Gymnasium, die Geräte im Computerraum seien veraltet, der PC-Raum müsse erneuert werden, die Schüler arbeiteten mit „vorsintflutlicher Technik“. Er fürchte um den Ruf des Schulstandorts, sagte Hielscher damals.

Andere Schulleiter hatten nicht ebenso viel Grund zur Klage, zufrieden waren aber auch sie nicht: Am besten ist noch die Realschule ausgestattet, die über ein Netzwerk mit 300 Rechnern verfügt. Die Friedrich-Schelling-Schule verfüge gerade einmal über das Nötigste, so deren Leiterin Renate Opiolla, ein Wlan-Netz gibt es nur im Neubau.

Mit dem einstimmigen Beschluss des Besigheimer Gemeinderates von diesem Dienstag dürften Hielscher und mit ihm die Leiter der anderen Besigheimer Schulen deshalb mehr als zufrieden sein. Zum Angebotspreis von 386 000 Euro wird die Stadt für alle Schulen moderne digitale Ausrüstung anschaffen. Die Schüler bekommen PCs, Laptops, Tablets und eine schnelle Glasfaserleitung mit einer Leistungsfähigkeit von einem Gigabit. Schon zum neuen Schuljahr könnte die Arbeit mit den neuen Geräten beginnen. Jede Schule hatte zuvor ihren Bedarf an Geräten und Infrastruktur bei der Stadt angemeldet. Die Sammelbestellung führte jetzt zu „unschlagbar guten Preisen“, sagte Roland Hauber von der Stadtkämmerei, der für die Angelegenheit zuständig ist.

Für die Finanzierung der digitalen Ausstattung hat sich die Stadt für ein Leasingmodell entschieden. „Wir sind jetzt für die kommenden fünf Jahre gewappnet“, sagte Hauber. Solange läuft die Leasingvereinbarung. In dieser Zeit haben die Schulen sogar das Recht, jährlich einen Anteil von neun Prozent der Geräte auszutauschen, das biete die „gewünschte Flexibilität“. Bei einer Anschaffung von Servern könne der Vertrag beispielsweise „jederzeit aufgestockt und ergänzt werden“, so Hauber weiter.

Sind die Geräte erst einmal aufgebaut, bedeute das für das Gymnasium einen „Riesenfortschritt, aber auch einen notwendigen“, sagte Rektor Hielscher am Dienstag auf Rückfrage der BZ. Für ihn geht es jetzt darum, für die Nutzung der Geräte ein pädagogisches Konzept zu entwerfen. Dabei geht es um die Fort- und Weiterbildung der Lehrer, die mit der digitalen Ausstattung arbeiten sollen.

Nach dem Beschluss des Gemeinderats bekommt das Gymnasium jetzt ein komplett neues Wlan-Netz, um ein pädagogisches Netzwerk aufzubauen. Alle PCs seien so veraltet, dass sie ersetzt werden müssen. Der Computerraum der Schule wird von Grund auf neu ausgestattet, und es wird ein zweiter Computerraum entstehen. Vor allem für den Unterricht in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern werden Laptops angeschafft. Zusätzlich bekommt das Gymnasium zwei Klassensätze Tablets. Damit das alles funktioniert, muss das gesamte Gebäude neu verkabelt werden, machte Hielscher deutlich. Um das finanzieren zu können, muss Hielscher allerdings seinen Schuletat durchforsten. Denn die Stadt überweist künftig pro Jahr und Schüler 25 Euro an die Schulen, mit denen diese die Leasingraten bezahlen müssen. Pro Monat und Schule werden im Schnitt etwa 6500 Euro fällig. Um die Summe aufzubringen, reicht der Zuschuss der Stadt nicht aus, so Hielscher, der allerdings keine genauen Zahlen nennen konnte. Allerdings fallen dafür auch die Ausgaben für die Anschaffung eigener Computertechnik weg, die ebenfalls aus dem Schuletat bestritten worden waren.