Nach der Entscheidung des Gemeinderats, die Besigheimer Friedrich-Schelling-Schule zu erweitern, hat der Gemeinderats-Ausschuss für Umwelt und Technik jetzt das Verfahren für die Ausschreibung eines europaweiten Wettbewerbs vorangetrieben. Der Mittelbau auf dem Schulgelände wird abgerissen und ein Neubau für die Klassen 1 bis 4 der Gemeinschaftsschule errichtet (die BZ berichtete). Nahe der Stadtmauer und im Dachgeschoss des Altbaus soll nach Raumreserven gesucht werden.

Bis Ende September 2020 müssen die Planungen abgeschlossen sein, um noch Fördermittel beantragen zu können. Die Baukosten werden mittlerweile auf rund elf Millionen Euro geschätzt. Durch den hohen Anteil auswärtiger Schüler kann mit bis zu 54 Prozent Zuschüssen gerechnet werden, dennoch muss in dieser Höhe europaweit ausgeschrieben werden, ein Prozedere, das Zeit kostet. Mitte des Jahres hatte die Stadt noch gehofft, auf eine europaweite Ausschreibung verzichten zu können und in diesem Jahr einen Baubeschluss zu bekommen, um eine Förderung vor Oktober zu beantragen.

Man sei nicht ganz unerfahren im europaweiten Ausschreibungsverfahren, machte Stadtbaumeister Andreas Janssen im Ausschuss für Umwelt und Technik mit Verweis auf das Steinhaus, den Kindergarten Wörth oder den Enzpark deutlich. Die Verwaltung sei mit zwei Planungsgesellschaften im Gespräch, von denen diejenige im Januar im Ausschuss für Umwelt und Technik vorgestellt werde, die von der Verwaltung den Zuschlag erhält. Sie soll den Wettbewerb betreuen.

Für den Architektenwettbewerb sprächen aber auch städtebauliche Gründe. Die Lage an der Altstadt und der Stadtmauer, die Überbauung des B27-Tunnels und die Integration des Baus zu den bestehenden Gebäuden seien wichtige Gründe für einen Wettbewerb. Für den Auslobungstext sollen noch Gutachten zur Vermessung, des Baugrunds, des Tunnelüberbaus sowie zur historischen Einbindung eingeholt werden. Der Text soll parallel zur Abwicklung des Teilnahmewettbewerbs erstellt und etwa im März im Gremium beraten werden. „Es gibt eine dreimonatige Auslobungsfrist, in der die Architekten die Pläne erarbeiten“, erläuterte Janssen das Vorgehen.

Zusätzlich zu diesen Planungen will die Verwaltung auch Ideen für den Schulhof und die Freiflächen an der Turmstraße erarbeiten lassen. Im September 2020 soll dann nach der Preisgerichtsentscheidung die Auftragserteilung zur Planung erfolgen. Die Kosten für das ganze Verfahren schätzt Jansen auf 125 000 bis 180 000 Euro.

„Sportlich von der Zeitschiene her“, bewertete SPD-Rat Christian Herbst den Zeitplan. Er hält die Planungskosten für vertretbar. Er stellte aber auch die Frage, wie die pädagogischen Fachkräfte in die Planung einbezogen werden. Diese sollen im Preisgericht zum Zuge kommen, versicherte Bürgermeister Steffen Bühler.

„Wir hatten noch kein pädagogisches Konzept in der Hand“, gab CDU-Rat Ulrich Gerstetter zu bedenken. Die Größe einer Schule und das Angebot sei auch Sache des Gemeinderats. Ob nun ein Ganztag komme oder nicht, darüber entscheide das Gremium, bekräftigte Bühler, und dies sei auch Gegenstand der Auslobung im Architektenwettbewerb.

Am Konzept werde derzeit gearbeitet, erklärte Rektorin Renate Opiolla in der Sitzung. Parallel das Kernzeit- und das Ganztagsangebot zu planen mache keinen Sinn, da der Lehrermangel die nächsten drei bis vier Jahre den Ganztagsbetrieb unmöglich mache, doch die Räume dafür sollten vorgesehen werden.

Das Projekt begleiten

Thomas Pulli vom BMU forderte, einen projektbegleitenden Ausschuss frühzeitig einzubinden. Für Vergaben gebe es keinen baubegleitenden Ausschuss, konstatierte Bürgermeister Steffen Bühler, aber eine Projektgruppe mit Vertretern der Stadt, Pädagogen und Architekten.

Ob durch das europaweite Verfahren mehr Bürokratie entstehe oder auch Kosten gespart würden, wollte Manfred Hiller von der WIR-Fraktion wissen. Beides sei der Fall, so Janssen. Man sei dazu verpflichtet, europaweit auszuschreiben. „Der riesengroße Vorteil ist, dass wir mehrere Denkansätze bekommen, aus denen wir dann auswählen können“. Das Thema soll am 21. Januar erneut auf die Tagesordnung im Ausschuss kommen.