Besigheim Schüler und Lehrer verabschieden Rektorin im Zirkus

Rita Haller (64), die Rektorin der Maximilian-Lutz-Realschule in Besigheim, geht in Pension - nach 43 Jahren im Schuldienst.
Rita Haller (64), die Rektorin der Maximilian-Lutz-Realschule in Besigheim, geht in Pension - nach 43 Jahren im Schuldienst. © Foto: Martin Kalb
Besigheim / MARTIN TRÖSTER 09.07.2015
43 Jahre im Schuldienst, nun geht Rita Haller, die Rektorin der Maximilian-Lutz-Realschule in Pension. Kollegium und Schüler haben sich schon mal mit großem Zirkus verabschiedet. Nun will Haller ihre Traumreise machen - und Jura studieren.

43 Jahre lang, ach was, ihr ganzes Leben lang hat sich Rita Haller "im Kreis bewegt", wie sie sagt: 43 Jahre lang war sie inklusive Babypausen im Schuldienst, zu jeder Zeit im Kreis Ludwigsburg, in dem sie auch 1951, in Freiberg, geboren und aufgewachsen ist.

Seit 15 Jahren ist Rita Haller Rektorin der Maximilian-Lutz-Realschule in Besigheim. Davor war sie elf Jahre lang Konrektorin in der Gottlieb-Daimler-Realschule in Ludwigsburg, zuvor seit 1981 Lehrerin in der Oscar-Paret-Schule in Freiberg. Vor der Kinderpause war sie bereits von 1974 bis 1978 Realschullehrerin in Besigheim.

Offiziell geht Rita Haller am 1. August in Pension, wenn dieses Schuljahr zu Ende ist. Im Februar wird sie dann 65 Jahre alt sein. "Lehrer gehen immer vor dem Schuljahr in Pension, in dem sie 65 werden."

Was macht sie dann? Zunächst: "Unsere Traumreise" - mit ihrem Mann in der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau bis nach Peking. "Das ist unser Lebenstraum seit Jahrzehnten", sagt Rita Haller. Zusammen hätte sich das Ehepaar immer wieder gesagt: "Wenn wir mal pensioniert sind, machen wir das." Denn in den Sommerferien habe die Rektorin im Schnitt nur drei Wochen Zeit zum Reisen. Ihr Mann ist bereits pensioniert, er war Hauptschullehrer.

Was wird sie ansonsten machen? "Wenn es mir ganz langweilig wird, fange ich noch mal an zu studieren." Jura. "Ich musste mich oft in juristische Themen einarbeiten. Das hat mir nie etwas ausgemacht. Viele Lehrer haben ja einen Horror davor." Eigentlich, sagt Rita Haller, hätte sie "am liebsten etwas ganz verrücktes Brotloses, zum Beispiel Assyriologie" studiert. "Die alten Syrer hätten mich gereizt. Das geht aber leider nicht im Fernstudium."

Bei einem Fernstudium bleibe sie ein bisschen Herrin ihrer eigenen Zeit und betreibe dazu ein bisschen Gehirnjogging. Wichtig bei ihrem angepeilten Zweitstudium sei ihr: Es solle ein Fach sein, das nichts mit ihrer Schultätigkeit zu tun hat. "Auch keine Vertiefung mehr, das ist jetzt durch." Wichtig sei ihr auch, möglicher Langeweile entgegenzuwirken: "Langeweile", sagt Rita Haller, "könnte ich nicht aushalten."

Dass dieses Problem aufkommen könnte, deutet ihr Engagement in verschiedenen Gremien nicht gerade an. Sie bleibe Mitglied im Landesschulbeirat, einem Gremium des Kultusministeriums in Stuttgart, und Vorsitzende des Trägervereins der Abendrealschule Ludwigsburg.

Zwar ist Rita Haller noch amtierende Rektorin, allerdings haben sich Schüler und das Kollegium bereits am Dienstagabend groß von ihr verabschiedet - in einem Zirkuszelt. "Das ist gigantisch, was das Kollegium da auf die Beine gestellt hat", zeigt sich Haller erfreut.

Die Lehrer der Realschule sangen und tanzten - und der Konrektor Christoph Hofer fungierte als Zirkusdirektor. "Die haben ein ganzes Jahr heimlich geübt", sagt Rita Haller. Ohne, dass die Chefin etwas gemerkt hat. Zudem trat ein Clown auf - und die Schüler wirkten ebenfalls tatkräftig mit: Chor und Musikklassen trugen einen Querschnitt aus Musical-Produktionen der Schule der letzten zehn Jahre vor. Obendrein führte die Jonglier- und Ropeskipping-AG Rita Haller zu Ehren erstmals das neue Programm auf. Das Zirkuszelt stand wegen einer Projektwoche in der Nähe der Schule.