Walheim Risikobereit und mit offenem Visier

Albrecht Dautel in seinem Dienstzimmer im Walheimer Rathaus. In zehn Tagen, am Montag, 16. Juli, wird er als Bürgermeister von Bönnigheim verpflichtet.
Albrecht Dautel in seinem Dienstzimmer im Walheimer Rathaus. In zehn Tagen, am Montag, 16. Juli, wird er als Bürgermeister von Bönnigheim verpflichtet. © Foto: Helmut Pangerl
Michael Soltys 06.07.2018

Andere ziehen nach zwei Amtsperioden einen Schlussstrich, „doch für mich ist das keine Lebensperspektive“, sagt Albrecht Dautel. Erst 29 Jahre alt war er, als er vor 13 Jahren zum Bürgermeister von Walheim gewählt wurde. In sechs Tagen tritt er das Amt in Bönnigheim an. „Dieser Beruf macht mir Spaß und er passt zu mir“, erklärt er seine Motivation, ein Beruf, den er „mit Einsatz und persönlicher Hingabe“ ausüben möchte. „Das ist meine Grundmotivation.“

Dabei wären einige Niederlagen in den letzten Jahren in Walheim durchaus geeignet gewesen, Dautels Motivation einen Schlag zu versetzen. Die Fragerunde bei der Vorstellung der Kandidaten, die seine Nachfolge anstreben, machte es vor wenigen Tagen deutlich:  Immer noch fehlt ein Discounter  im Ort. Und dass der Bau einer neuen Kita nicht vorankommt, kritisieren viele Bürger, darunter Eltern, die seit Jahren Verlässlichkeit in der Betreuung einfordern.

Doch mit solchen Negativ-Punkten seiner Bilanz in Walheim geht Dautel offen um. Einen Discounter anzusiedeln, sei ihm nicht gelungen, weil einer der beiden möglichen Standorte an der B 27 von Kirchheim her ihm „planerisch aus der Hand geschlagen“ wurde, wie er sagt, und am zweiten Standort die Flächen nicht zur Verfügung standen. Die Eigentümer wollten nicht verkaufen.

Der Neubau der Kita, für den er sich „mit allen Mitteln“ eingesetzt habe, sei noch nicht vom Tisch, argumentiert er. Dem Gemeinderat seien lediglich die Kosten von 1,6 Millionen Euro zu hoch gewesen, jetzt wird ein neuer Generalunternehmer gesucht. Auf den Anstieg der Baupreise habe er eben keinen Einfluss. Er habe sich im Gremium allerdings auch mit der Ansicht auseinandersetzen müssen, dass eine Kita in einem kleinen Ort wie Walheim überhaupt gar nicht notwendig sei.  Das Unverständnis in der Öffentlichkeit, das darauf folgte,  „muss ich aushalten“, sagt er.

Von einem Zwist oder einer Missstimmung zwischen ihm und dem Gemeinderat will Dautel deshalb aber nichts wissen. Auch nicht in der Auseinandersetzung um die Lärmschutzwand. Er selbst hatte einen Bürgerentscheid befürwortet, war im Gremium aber gescheitert. Schließlich wurde er von Bürgern aufgezwungen. Auch wenn er danach nicht gut dastand: „Ich spiele mit offenem Visier und gehe das Risiko ein, dass der Gemeinderat anderer Meinung ist.“ Alle Themen seien öffentlich beraten worden, auch wenn sich eine Verwaltung damit angreifbar mache. Diese Linie will er auch im neuen Amt in Bönnigheim vertreten.

Aber es ist ja nicht so, dass Dautel in der notorisch klammen Gemeinde Dinge liegen gelassen hätte. Im Gegenteil. „Wir haben keinen Stau in der Infrastruktur“, betont er. Zunächst sei die Gemeindehalle saniert worden, dann wurde das neue Feuerwehrhaus gebaut, schließlich Geld in den Kindergarten investiert. Jetzt sei die Schule an der Reihe, was auch von den Bürgermeister-Kandidaten betont wurde.

Finanziell war der Haushalt der Gemeinde in seinen 13 Jahren immer „nahe an der Mindestrücklage“. Vor zwei Jahren „habe ich  auch Zeiten erlebt, in denen die Gemeinde eine hohe sechsstellige Summe zurückzahlen musste“. Grund waren Steuerrückforderungen, die Folge eine Haushaltssperre. Der guten Konjunktur sei es geschuldet, dass Walheim heute zwei Millionen Euro an liquiden Mitteln hat.

Umso mehr ist Dautel stolz auf die Dinge, die er abseits der reinen Verwaltungstätigkeit auf den Weg bringen konnte, mit geringen Kosten, dafür mit einer gewissen „Pfiffigkeit“, wie er sagt. Dazu zählen für ihn die Renaturierung des Baumbachs und die Umgestaltung der Neckarwiese, die Walheim gerade einmal 60 000 Euro gekostet habe, betont er. An der Förderung des Enztalradweges hat er mitgearbeitet, beim ILEK-Projekt zum Thema Weinbau-Steillagen hielt er die Fäden zusammen. Es mache ihm Spaß sich auf diese Weise ideell einzubringen, und das soll auch in Bönnigheim so bleiben.

Info Am Montag, 16. Juli, 19 Uhr, wird Albrecht Dautel in einer Sitzung des Gemeinderats in der Turn- und Festhalle förmlich in sein Amt eingesetzt.

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