Es ist ein großes Fass, das mit der Initiative der Gastronomen und der anschließenden Bürgerumfrage der Stadt aufgemacht wurde. Einerseits will die Altstadt attraktiv für Touristen sein und soll ihnen auch im Sommer Abendstunden im Freien ermöglichen, andererseits fühlten sich Anwohner stets gestört und sie ergriffen auch schon eigene Maßnahmen, um für Ruhe in der Fußgängerzone zu sorgen. Ein runder Tisch, wie er von den Gastronomen vorgeschlagen wurde, würde wohl kaum funktionieren, machte Bürgermeister Steffen Bühler auf der Sitzung deutlich. „So einen großen runden Tisch gibt es gar nicht“, brachte er die Vielzahl von Interessen auf den Punkt.

Bei zwei neuen Ratsmitgliedern der WIR-Fraktion war die Befangenheit bei dem Thema klar, bei einem Dritten nicht. Frank Land und Ulrich Herbst mussten als Gastronomen weg vom Ratstisch und durften nicht mitentscheiden. Bei Edgar Braune sah Bühler, anders als BMU-Rätin Anne Posthoff, keine Befangenheit vorliegen. Er kümmere sich zwar um Veranstaltungen, schenke aber selbst nicht aus, machte der WIR-Rat deutlich.

Bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen sprach sich das Gremium für 22.30 Uhr in den Monaten April bis Oktober aus. Der Gemeinderat folgte damit seiner Linie aus dem Verwaltungsrat, der zuletzt ebenfalls die Regelung für 22.30 Uhr befürwortet hatte. In den anderen Monaten gilt 22 Uhr, insbesondere bei musikalischen und sonstigen Aufführungen. Die Gastwirte werden auf die Regelung hingewiesen, die Kontrolle der Sperrzeit liegt beim städtischen Vollzugsdienst. Eine etwaige Sondernutzungserlaubnis soll bei Verstoß auch widerrufen werden können. Der vom Gemeinderat gefasste Beschluss für 22.30 Uhr betrifft dabei auch die anderen Gebiete der Stadt und ist nicht auf die Altstadt beschränkt.

Veröffentlicht wurde auch das Ergebnis der Anwohnerumfrage, die durchgeführt worden war. Und zwar nur im „unmittelbaren Einflussbereich“, wie Bühler sagte. Darin hatten sich 34 Prozent für die Beibehaltung von 22.30 Uhr ausgesprochen, 19 Prozent für eine längere Sperrzeit und 47 Prozent für eine Verkürzung der Sperrzeit.

Darüber hinaus sollen die Lärmwerte auch kontrolliert werden. „Wir haben Messungen beim Glühweinfest vor“, so Bühler auf der Sitzung zum Umstand, dass empfundener Lärm immer subjektiv beurteilt wird. „Wir müssen auch mal die Kirche im Dorf lassen“, erklärte dazu Edgar Braune. Man lade hier Touristen ein und stelle Lärmmessgeräte auf, die dafür sorgen, dass sie wieder gehen müssten, so der WIR-Rat. Neben der Wirte-Umfrage hätten sich schließlich auch 47 Prozent der direkten Anwohner für eine Lockerung ausgesprochen.

Für SPD-Rat Christian Herbst war 22.30 Uhr „konsensfähig“, die Freiluftsaison aber prinzipiell zu lang angesetzt, Helmut Fischer vom BMU sah das Votum aus dem Verwaltungsrat letztlich bestätigt. Nochmals brachte die WIR-Fraktion den Antrag ein, die Sperrzeiten im Sommer auf 23 Uhr zu verkürzen. Dieser wurde jedoch bei zwei Pro-Stimmen bei zwei Enthaltungen abgelehnt.