Die Planung beginnt von vorn: Über viele Jahre hatte sich in der Frage eines Radweges entlang der Kreisstraße zwischen Gemmrigheim und Besigheim gar nichts bewegt. Ob unbequem und teils gefährlich: Die Radfahrer nutzen den Wirtschaftsweg unterhalb der Weinberge, der eigentlich den Besitzern der Steillagen vorbehalten ist.

Mit der Wahl von Jörg Frauhammer zum Bürgermeister von Gemmrigheim im März vergangenen Jahres kam Bewegung in die Sache. Das Landratsamt kündigte den Bau eines Radweges auf der Neckarseite an. Mittlerweile jedoch hat sich die Behörde neu orientiert. Jetzt soll der holprige Weg unterhalb der Weinberge in eine „Multifunktionsfläche“ umgewandelt werden, die von Radfahrern und Wengertern gleichermaßen genutzt werden kann.

Die Widerstände waren einfach zu groß, um die Idee eines Radweges an der Neckarseite umzusetzen. Das werden Vertreter der Planungsbehörde im Landratsamt am Montag in der Sitzung des Besigheimer Gemeinderates darlegen. Die Idee ist vom Tisch, weil sie enorme Eingriffe in die Neckarböschung zur Folge hätte, geht aus der Vorlage an den Gemeinderat hervor.

Auf einer Länge von rund 500 Metern müsste eine massive Stützmauer gebaut werden, die gesamte Böschung müsste auf diesem Teilstück gerodet werden. Mit dem Naturschutz sei das nicht vereinbar, und praktisch sei es schwer umsetzbar. Eine entsprechende Genehmigung zu bekommen „ist unwahrscheinlich“, heißt es in der Vorlage. Auch in den übrigen Abschnitten sei der Eingriff massiv.

Probleme bekämen die Straßenbauer auch mit dem Bauwerk der Schleuse, die in den nächsten Jahren erweitert werden soll. Für den Radweg müssten Grundstücksflächen vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSV) erworben werden. Darüber aber sei kein Einvernehmen zu erzielen. Fazit: „Eine Umsetzung in absehbarer Zeit ist nicht realistisch.“ Die ursprüngliche Ankündigung, noch 2019 mit dem Bau zu beginnen, ist damit hinfällig.

Beschluss in diesem Jahr?

Besser sieht es jetzt bei den aktuellen Planungen des Landratsamtes aus. Die Planer hoffen, bis Ende des Jahres 2019 einen Beschluss des Kreistages in dieser Sache einholen zu können. Sie stellen fest, dass die für einen Geh- und Radweg notwendige Breite von 2,50 Meter auf der gesamten Strecke unterhalb der Weinberge vorhanden ist. Dort, wo die Weinberge bewirtschaftet werden, sei sogar eine größere Fläche vorhanden. Nach ihrem Vorschlag wird die Achse der Fahrbahn um etwa einen Meter in Richtung Neckar verschwenkt, so dass die „Multifunktionsfläche“, also die Kombination aus Radweg und Wirtschaftsweg, durchgehend eine Breite von 3,30 Meter bis sieben Meter hat.

Die Wengerter nutzen den Weg in der Regel nur, wenn sie in den  Weinbergen darüber Arbeit haben, vor allem während der Lese ist er streckenweise stark frequentiert. Dann parken auch viele Traktoren und andere Fahrzeuge dort. Die neuen Vorschläge bieten jedoch ausreichend Platz für Stellplätze, so die Planer. Parkende Fahrzeuge könnten in den Zeiten der Bewirtschaftung problemlos von Radfahrern umfahren werden. Zu den übrigen Zeiten hätten die Radler den breiten Fahrstreifen für sich allein. Und das Beste daran: „Konflikte mit dem Naturschutz oder der WSV bestehen nicht.“ Die vorherige Lösung, den Radweg auf der Neckarseite zu bauen, war mit 1,5 Millionen Euro veranschlagt worden. Zahlen für die aktuelle Planung wurden noch nicht genannt.

Info Die Sitzung des Gemmrigheimer Gemeinderates findet am Montag, 18. März, statt. Sie beginnt um 19 Uhr im Rathaus. Dort geht es nach einer Bürgerfragestunde und der Diskussion über den Radweg unter anderem um verschiedene Bausachen.