Besigheim / Von Roland Willeke  Uhr

Besigheim gilt laut intensiv betriebener Eigenwerbung vielen als schönster Weinort Deutschlands. Und märchenhaft ist er obendrein. Zumindest, wenn Märchenhexe Steffi, wie am Samstag geschehen, ihre kleinen und großen Zuhörer an die Hand nimmt und durch die Gassen der Besigheimer Altstadt führt.

Ausgehend vom 1. Besigheimer Glühweindorf rund um die Event-Bar „Route 27“ folgte kurz nach Einbruch der Dunkelheit ein langer Zug von rund 40 Märcheninteressierten mit Kind, Kegel und Kinderwagen der in ein langes schwarzes Gewand gekleideten Märchenhexe, die gar nichts mit der fürchterlichen Hexe der Gebrüder Grimm gemein hat, hinauf in die Stadt.

Erste Station des knapp einstündigen Märchenspaziergangs war der Platz vor der evangelischen Stadtkirche, wo es ein Märchen über einen hochmütigen Pfarrer gab, dem sein herrisches Wesen letztendlich den Job kostete. In der Nähe des Gerichts erzählte Steffi von einem pfiffigen, aber armen Bäuerlein, das seinen reichen, raffgierigen und unendlich geizigen Nachbarn mit Bauernschläue hereinlegte, vor dem Richter aber dennoch Recht bekommen haben soll.

Was wahr ist an den Geschichten, weiß heute niemand mehr zu sagen. „Hier lebte einst – oder auch nicht ...“, begann Märchenhexe Steffi denn auch ihre Geschichten und überließ den Rest ganz der Phantasie ihrer Zuhörer. Die zeigten sich total fasziniert, besonders die Kinder. Vielleicht lag das aber auch nur daran, dass hier ein Mensch zum Anfassen Geschichten erzählte. Dann wäre das Konzept der Märchenerzählerin aufgegangen, die mit dem Zauber des gesprochenen Wortes ihre Zuhörer einfangen möchte. Märchenhexe Steffi, im bürgerlichen Leben Stefanie Keller aus Pleidelsheim, ist ausgebildete Märchenerzählerin und Schreibtherapeutin.

In ihrer letzten Geschichte erzählte sie von der Entstehung der Besigheimer Weinberge. Als der liebe Gott diese schuf, fragte ihn der Teufel, ob er ihm dabei helfen dürfe. Er bekam die Erlaubnis und verspritzte daraufhin über den Reben die Lebenssäfte von Drossel, Löwe und Esel. Seither singt der Mensch nach dem Weingenuss wie eine Drossel, fühlt sich nach einigen Gläschen stark wie ein Löwe und benimmt sich nach zu vielen Gläsern wie ein Esel.

Mit der charmanten Mahnung, dies immer im Kopf zu behalten, entließ Märchenhexe Steffi ihre Zuhörer wieder beim Glühweindorf, nicht ohne jedem einen Gutschein über ein Glas Glühwein mitzugeben – den Kindern natürlich in nicht alkoholischer Form.

Info Die Besigheimer Märchenspaziergänge finden noch an den nächsten drei Samstagen jeweils um 17 Uhr statt. Das Besigheimer Glühweindorf geht noch bis zum 4. Februar (samstags und sonntags ab 16 Uhr).
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