Rund neun Hektar Wohnbebauung möchte Gemmrigheim im neuen Flächennutzungsplan verwirklichen. Darüber wurde am Montag im Gemeinderat diskutiert, der allerdings nicht allen Vorschlägen der Planer zustimmte.

Die Kommune am Neckar ist allerdings auch ohne die Pläne des geltenden Flächennutzungsplans in den letzten zwei Jahren stark gewachsen. Grund ist die Besiedelung des früheren Papierfabrik-Geländes, wo aktuell 420 Neubürger wohnen. Das Gelände ging bekanntlich an einen Investor und wurde schnell bebaut. Weitere Neubürger werden erwartet.

Die Berechnungen für den Flächennutzungsplan, die Uwe Müller vom Büro KMB in der Sitzung des Gemeinderates vorstellte, gingen noch vom alten Stand aus, der inzwischen aber überholt ist. „Fast überall in der Gegend sind die Orte von Schutzgebieten umschlossen und in den Entwicklungsmöglichkeiten begrenzt“, machte Müller in der Sitzung des Gemeinderates deutlich. Gemmrigheim habe es besonders schwer, weil es kaum noch ebene Flächen gibt und der Natur- und Landschaftsschutz eine große Rolle spielt.

In Gesprächen mit dem Gemeinderat und dem Landkreis wurden in den letzten Wochen dennoch weitere Flächen für eine Bebauung ausgelotet. Ausgehend von Faktoren wie einer guten ÖPNV-Anbindung, dem Wunsch nach jungen Bauherren und wenig Hochbetagten und vielen Neurentnern gebe es Bedarf an Wohnbauflächen. So errechnet der Verband Region Stuttgart die Nachfrage, am Ende jedoch entscheidet das Regierungspräsidium. Im Ergebnis wird für Gemmrigheim ein Zuwachs von 578 Einwohnern bis zum Jahr 2035 erwartet, für die neue Wohnbauflächen geschaffen werden sollten.

Gefunden hat man sie zunächst jenseits des Autobahnzubringers im 3,2 Hektar großen Gebiet „Nördlicher Weinberg“, das von Landschaftsschutzgebieten umschlossen ist, relativ flach und daher gut bebaubar ist. Schwieriger wird es im 1,5 Hektar großen Gebiet „Alter Berg“ entlang der Häfnerstraße, das ist ein größtenteils geschütztes Biotop mit alten Weinbergen und Trockenmauern mit schwieriger Topografie. Am „Oberen Bergweg“ wären es 4,4 Hektar, die im Landschaftsschutzgebiet liegen und geschützte Biotope in Form von Trockenmauern aufweisen. „Das Landratsamt könnte sich eine neue Abgrenzung des Landschafts­schutzgebietes vorstellen“, so Müller nach seinen Gesprächen mit der Behörde.

Etwas unproblematischer dürfte es am „Backnanger Weg“ mit 5,5 Hektar sein, wo es eine Streuobstwiese gibt und die Nähe zum Gewerbegebiet. Ganz in der Nähe liegt die Fläche mit 3,9 Hektar, die für Gewerbeflächen vorgeschlagen ist und als Gebiet für Naturschutz und Landschaftspflege gilt.

„Wir haben bewusst mehr Flächen ausgewiesen als Alternativen für die Stellungnahmen der Behörden“, erklärte Müller den großen Umfang. Sollte es Einwände geben, habe man die Möglichkeit auf andere Flächen auszuweichen.

Nicht einverstanden war Markus Beckbissinger von der CDU-Liste mit der Größe der Flächen und der Ausweitung über die Landesstraße 1115 hinaus nach Norden. „Mir sind 9,4 Hektar zu viel“, so der Gemeinderat, der auf die Folgekosten mit Kindergärten und Schulen verwies. Sein Listenkollege Ralf Schober fragte nach, ob die 420 neuen Einwohner der letzten zwei Jahre mit berücksichtigt seien.

Deutliches Votum

Es könne sein, dass dies im Verfahren abgezogen werde, so Müller. „Wir sind im Spannungsfeld“, sagte Bürgermeister Jörg Frauhammer zur hohen Nachfrage, die errechneten Zahlen stellten die Kommune vor neue Herausforderungen. Das Votum fiel dennoch deutlich aus: Bei einer Gegenstimme wurden die Pläne angenommen. In zwei Wochen werden sie dann im Gemeindeverwaltungsverband diskutiert, wo dann der Aufstellungsbeschluss zur Fortschreibung des Flächennutzungsplans gefasst werden soll.