Das Wachstum der Gemeinde hat bedeutende Folgen. Nach der Besiedelung des alten Papierfabrik-Geländes am Neckar, das gut 400 Neubürger bringen wird, hat Gemmrigheim ein Betreuungsproblem. Bei den U3-Kindern sind alle drei Einrichtungen voll ausgelastet und man setzt auf Tagesmütter. Auch werde der Aufbau von „Kindernestern“ von der Gemeinde unterstützt, wie Hauptamtsleiterin Bärbel Petters im Gemeinderat unterstrich. „Wer geeigneten Wohnraum hat, darf ihn gerne anbieten“, so Petters. Gemeint ist damit eine Erdgeschosswohnung mit drei Zimmern, zwei Toiletten und am besten einem Garten.

Die 40 Kleinkindplätze sind in den Kindergärten Neusatz und Bergstraße nach der aktuellen Bedarfsplanung für 2020 belegt. Eingerechnet ist hier bereits die zusätzliche Kleinkindgruppe im Neusatz, wo die Betriebsgenehmigung noch aussteht. Bei den Kindergartenplätzen sieht es kaum besser aus: Die Kindergärten Neusatz und Bergstraße sind ausgebucht, im Nachtigallenweg liegt die Belegungsquote bei 87,5 Prozent.

Die Elternumfrage, die dem Ganzen zugrunde liegt, liefert aber nur ein vages Bild vom Bedarf. Für insgesamt 352 Kinder wurde vor den Sommerferien eine Onlineumfrage gestartet, insgesamt gab es nur für 180 Kinder Rückmeldungen. „Die Rückläufe sind so, das 60 Prozent sagen, ab dem ersten Jahr habe ich Betreuungsbedarf. Stand Juni liege die Kommune bei 29 Geburten, so viel wie im Jahr 2011 insgesamt. Die Kommune müsse dem Rechtsanspruch auf Betreuung gerecht werden, was bei so einer Geburtensteigerung schwierig werde. Erschwerend komme hinzu, so Petters, dass im Neubaugebiet „Neckarlust“ an der früheren Papierfarik hauptsächlich Familien von außerhalb zuziehen.

Nach den Umfrageergebnissen sind 75 Prozent der Mütter, ein Fünftel davon in Teilzeit, und 97 Prozent der Väter berufstätig. 64 Prozent davon bewerten das Angebot als ausreichend, wünschen sich aber eine Ausweitung der Öffnungszeiten und mehr Flexibilität bei den Abholzeiten.

Auswärtige Kinder werden aus Kapazitätsgründen regelmäßig abgelehnt, künftige Neubürger in einer Warteliste vorgemerkt und in der Planung berücksichtigt. Auch soll die Benutzungsordnung geändert werden, die Jürgen Appich (Aktives Gemmrigheim) ansprach. „Ein Kind mit fünf Jahren, das hierher zieht, gehört in den Kindergarten“, so der Gemeinderat. Das sieht auch die Verwaltung so und will dafür Änderungen festlegen.

Noch ein Problem ergibt sich aus der früheren Einschulung, die es in den nächsten drei Jahren geben wird. „Wir gehen 2020 von 13 Kindern aus, die länger in der Einrichtung bleiben“, machte die Hauptamtsleiterin deutlich. Das bedeutet ein Jahr zusätzlich im Kindergarten mit allen Folgen für die Betreuungssituation.

Dem Problem begegnen will man im Ü3-Bereich mit dem Naturkindergarten nahe des Kernkraftwerks, der sich in der Baugenehmigungsphase befindet. Dort soll die alte Schutzhütte auf dem „Atombuckel“ über dem GKN ausgebaut werden und für 20 Kinder Plätze bieten (die BZ berichtete). Erst später greift das Angebot des „Neckarlust“-Investors für einer Einrichtung im Erdgeschoss zum Pauschalpreis. Ab 2022 soll die Kita „Am Holzplatz“ 70 weitere Betreuungsplätze schaffen.

„Wird das noch öffentlich gemacht?“, fragte Dr. Edith Markert (Aktives Gemmrigheim) im Anschluss. Sie habe viele Fragen von Bürgern bekommen und die Leute seien neugierig. Man werde die Planung auf der Homepage der Gemeinde veröffentlichen, versprach Petters.