Besigheim Neue Liste verspricht mehr Schwung

Simone Majdandzic (rechts), Sekretärin des Bürgermeisters, zählt bei der Kommunalwahl 2014 die Stimmen aus. Für welche Gruppierungen reicht es diesmal zum Einzug in den Gemeinderat?
Simone Majdandzic (rechts), Sekretärin des Bürgermeisters, zählt bei der Kommunalwahl 2014 die Stimmen aus. Für welche Gruppierungen reicht es diesmal zum Einzug in den Gemeinderat? © Foto: Martin Kalb
Michael Soltys 07.12.2018

Bei der Gemeinderatswahl in Besigheim ist ein neuer Mitspieler auf den Plan getreten. Das Anliegen der neuen Liste, das die Kandidaten künftig im Gemeinderat vertreten wollen: frischen Wind ins Gremium bringen.

„Wir suchen offene Leute mit praktikablen Ideen“, sagt Edgar Braune, einer der Sprecher der neuen Wahlliste. Um ihn herum hat sich ein Kern von fünf bis sechs Besigheimern gebildet, darunter Gastronomen und Anlieger der Altstadt. Doch Braune wehrt sich dagegen, die Liste auf die Anliegen der Initiative „Ein Herz für Besigheim“ oder auf die der Gastronomen zu begrenzen, die sich gerade erst um eine Verkürzung der Sperrzeiten bemüht haben. Es geht um mehr, sagt er, um ganz Besigheim, um Tourismus, Wirtschaft, Verkehr, Schulen und andere Dinge.

Im aktuellen Gemeinderat hat er eine gewisse Lethargie festgestellt, deshalb brauche es neue Leute.  Bei manchen Entscheidungen hat er den Eindruck, dass sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorbereitet worden seien oder von der Verwaltung vorgegeben: „Es fehlt die ergebnisoffene Diskussion“, sagt der Veranstaltungsmanager. Das Interesse an der neuen Liste sei groß, will er festgestellt haben, er sei auch schon von Besigheimern angesprochen worden, die bisher auf anderen Listen kandidiert haben. „Wir sind dran und wir haben Bock drauf.“

Eine gewisse Unzufriedenheit mit den Themen im Gemeinderat dürfte der Grund für die Aufstellung der neuen Liste sein, vermutet Uttam Das, der Vorsitzende des Stadtverbandes der CDU. Seine Partei will trotz der neuen Konkurrenz von bekannten Gesichtern aus Besigheim wieder mit sechs Sitzen im Gemeinderat vertreten sein. Bisher haben auch einige jüngere Männer von einer Kandidatur überzeugt werden können und durchaus auch einige Frauen. „Hoffentlich bleiben sie bei der Stange“, sagt Das, bis Ende Januar, Anfang Februar die Kandidaten nominiert werden. Möglichst voll soll die Kandidatenliste werden. Jochen Rieth, einer der sechs CDU-Gemeinderäte, werde aber wohl nicht mehr antreten.

„Wir haben die Liste bis jetzt vollbekommen und wir werden sie auch dieses Mal vollbekommen“, sagt dagegen Bruno Kneisler, der Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes. Wie für alle anderen sei es für die SPD schwer, jüngere Kandidaten und Frauen für die Liste zu gewinnen. Sicher spiele im Einzelfall der Verdruss über die Politik in Berlin eine Rolle, doch junge Leute zögerten vor allem, weil sie mit Ausbildung und Beruf beschäftigt seien, und Frauen, weil sie praktische Probleme des Alltags nicht mit einem Gemeinderatsmandat in Einklang bringen können. Dass seine Partei gerade in Baden-Württemberg an Rückhalt verliert, weiß auch Bruno Kneisler. Doch er ist überzeugt, dass die „gute Arbeit“ der drei SPD-Stadträte im Gemeinderat, die alle wieder antreten werden, auch belohnt wird. Kommunalwahlen seien eben Persönlichkeitswahlen.

Helmut Fischer vom Bündnis Mensch und Umwelt, BMU, sieht die Bemühungen der neuen Liste gelassen. Er glaubt nicht, dass sie für die grüne Klientel interessant ist. Bei der Aufstellung der eigenen Liste sieht es momentan „günstiger aus als zuvor“, sagt er. Möglicherweise liege dies daran, dass das BMU eine oppositionelle Rolle spiele und manche Dinge kritischer sehe als andere Fraktionen. Der 68-Jährige tritt selbst noch einmal an, „für zwei Sitze ist mein persönliches Ergebnis noch gut“, glaubt er. Die BMU-Liste soll eine homogene Mischung aus allen Generationen darstellen, möglichst mit 50 Prozent Frauen. Doch die Bereitschaft von Frauen zur Kandidatur sei nicht groß, räumt er ein. Dafür sei es gelungen einige jüngere Kandidaten zu finden.

Wie alle anderen Gruppierungen auch, sind die Freien Wähler darauf angewiesen, potenzielle Kandidaten persönlich anzusprechen. Dies umso mehr, als keine Parteiorganisation  hinter der Gruppierung steht, macht Walter Zeyhle deutlich, der Sprecher der Freien Wähler im Gemeinderat. Die „Findungsphase“, wie Zeyhle sagt, gestaltet sich schwierig, die wichtigste Schiene der Kandidatensuche sei die persönliche Ansprache.

Schwierig ist auch für ihn die Suche nach jüngeren Kandidaten. Für sie sind möglicherweise die Freien Wähler „nicht greifbar“.  Zeyhle und Fraktionskollege Friedrich Köhler machen zwar weiter, doch der altgediente Adolf Eisenmann, der im Frühjahr 79 Jahre alt wird, hört wohl auf und auch hinter dem Namen von Marion Mohn stehe noch ein Fragezeichen, so Zeyhle.

Auch die FDP wird wieder mit einer eigenen Liste ins Rennen gehen, sagt Stadtrat Thomas Herbst, der bei den Freien Wählern hospitiert. Für die Organisation der Wahl zeichnet Jürgen Appich verantwortlich, der Vorsitzende des Ortsverbandes. Beim letzten Gespräch mit ihm standen fünf Namen auf der Liste, berichtet Herbst. Doch es bleibt noch genug Zeit. Bis 28. März müssen die Listen fertig sein.

Wochenthema Kommunalwahl

In einem Wochenschwerpunkt befasst sich die BZ mit den Vorbereitungen für die Kommunalwahl. In der morgigen Ausgabe werfen wir einen Blick nach Ingersheim und Ludwigsburg.

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