Besigheim / CHRISTIAN BRINKSCHMIDT  Uhr
Ab September soll aus der Schule am Steinhaus ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum werden. Damit hätte die hiesige Förderschule eine Zukunft.

Seit dem Regierungswechsel im Land und der neuen grün-roten Bildungspolitik wird immer wieder die Frage nach der Zukunft einzelner Schularten erörtert. In den Fokus sind dabei besonders die Hauptschule und die Förderschule geraten. Letztere könnte nun im Zuge des vom baden-württembergischen Kultusministerium geplanten Ausbaus von inklusiven Bildungsangeboten eine neue Aufwertung erfahren. Näheres dazu erläuterte am Dienstag im Gemeinderat die Rektorin der Schule am Steinhaus, Sabine Müller.

Demnach soll auf Wunsch der Schulleitung aus der hiesigen Förderschule neben der Stadtkirche mit Beginn des kommenden Schuljahres ein sogenanntes "Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum" (SBBZ) werden. Köme diese Umwandlung zustande, würde das für die Förderschule also so etwas wie eine Chance zur Neufindung sein, nach der Abschaffung der Sonderschulpflicht. "Es ist unser großes Anliegen, die Schule am Steinhaus zu erhalten", lautete denn auch Müllers Credo vom Dienstag.

Gemäß den Regelungen des Beschlusses zur "Schulischen Bildung von jungen Menschen mit Behinderung" soll künftig für junge Behinderte anstelle der bisherigen Pflicht zum Besuch der Sonderschule das Recht auf sonderpädagogischen Unterricht gelten. Die betreffenden Kinder müssen also in Zukunft nicht mehr unbedingt auf eine Förderschule gehen, sondern können auch eine Grundschule, eine weiterführende Bildungseinrichtung, oder auch eine Berufsschule besuchen. Ob ein behindertes Kind zusammen mit nicht behinderten Schülern an einer Grundschule oder an einer weiterführenden Schule unterrichtet werden kann, wird von Fachleuten und den Behörden individuell geprüft. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt: Sowohl die Kinder mit Behinderung, als auch die nicht behinderten Kinder profitieren vom gemeinsamen Lernen. An der Schule am Steinhaus werden im Schuljahr 2015/2016 nach Aussage von Müller insgesamt rund 60 Schülerinnen und Schüler unterrichtet.

Mit der Inklusion hat die Förderschule bereits Erfahrungen: Derzeit besuchen fünf Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf aus der Bietigheimer Schule für Geistigbehinderte am Gröninger Weg die Schule am Steinhaus. "Sie bilden bei uns eine virtuelle Außenklasse", berichtete Müller. Die betreffenden Schüler nähmen an der Besigheimer Förderschule jeweils in verschiedenen Klassen inklusiv am Unterricht teil, kämen aber auch gelegentlich als eigene Gruppe zusammen. Nächstes Schuljahr sollen es laut Müller nur noch drei Schüler mit Förderbedarf sein. An der Friedrich-Schelling-Schule gibt es bislang einen Schüler mit Förderbedarf, der inklusiv am Unterricht teilnimmt. Für das nächste Schuljahr seien indes dort bereits sieben solcher Schüler von ihren Eltern angemeldet worden, bemerkte Müller. Die neue Entwicklung will die Schule am Steinhaus nun auf ihre Weise nutzen: Um künftig als SBBZ bestehen zu können, will die Schulleitung ihre bisherigen schulischen Angebote erweitern und setzt somit auf eine offizielle Anerkennung als Ganztagsschule. Auch ein Mittagessen will die Schule den Kindern in Zukunft anbieten. Dazu wäre aber der Ausbau der Küche im Vogt-Essich-Keller nötig. Die Kosten dafür hat Stadtbaumeister Andreas Janssen bereits auf rund 12.000 Euro veranschlagt.

Am Dienstag zeigte sich im Rat, dass verschiedene Fragen bei der geplanten Weiterentwicklung der Förderschulen zu sonderpädagogischen Zentren noch ungeklärt sind. Kinder mit Förderbedarf werden zum Beispiel nicht immer an ihrem Wohnort eine passende Schule vorfinden und müssen daher eine Anreise in Kauf nehmen. Über die Kosten für den Schülertransport haben sich die Verantwortlichen aber noch nicht geeinigt. Bürgermeister Steffen Bühler sicherte Müller jedenfalls die Unterstützung der Stadt zu und kündigte an, die Kosten für den Küchenausbau würden im nächsten Haushalt berücksichtigt.