Beim Projekt "Stuttgart 21" hat der Juchtenkäfer für Aufregung gesorgt, im geplanten Baugebiet "Bülzen-Ost" in Besigheim zwingen zwei Feldlerchenpaare die städtischen Planer zu Änderungen. Naturschützer im Landratsamt Ludwigsburg haben wegen der Vögel Einwände gegen den Bebauungsplan erhoben, den der Besigheimer Gemeinderat Ende Mai gebilligt und dann öffentlich zur Einsicht ausgelegt hatte. Auf einem Gelände von etwa 5,2 Hektar sollen 200 Wohneinheiten entstehen.

Die beiden Feldlerchenpaare, die dem Vorhaben im Weg stehen, brüten nach den Unterlagen der Naturschützer direkt auf dem Gelände des Bebauungsplans, fünf weitere Brutreviere wurden "im direkten Umfeld" festgestellt. Weil diese Brutreviere nicht zerstört werden dürfen, war die Stadt gezwungen, den Bebauungsplan zu ändern. Das geht aus der Vorlage hervor, über die der Gemeinderat an diesem Dienstag, 7. Oktober, diskutieren wird.

Die Lösung, die dem Gemeinderat heute präsentiert wird: Die Stadt wird in Abstimmung mit dem Landratsamt neue Brutflächen anlegen. Nur so ist es möglich, das Verbot der Zerstörung von Brutrevieren zu umgehen, erläuterte Uta Hermenau, Ökologin beim Landratsamt. Die Grundstücke, die dafür in Frage kommen, sind im Besitz der Stadt, allerdings verpachtet. Die betreffenden Pachtverträge will die Stadt zum Ende des Jahres kündigen. Laut Hermenau werden zwei Randstreifen mit blühenden Pflanzen angelegt, die zusammen etwa 3000 Quadratmeter umfassen.

Die Feldlerchen waren nicht das einzige Hindernis auf dem Weg zum neuen Baugebiet. Das Landratsamt sperrte sich auch gegen die Ausweisung eines 27 Hektar großen Waldgebietes als Refugium, in dem Alt- und Totholz eine besondere ökologische Bedeutung haben. Denn der von der Stadt benannte Wald ist bereits als Naturschutzgebiet, als FFH-Gebiet und als Waldbiotop ausgewiesen. "Eine ökologische Aufwertung ist derzeit nicht erkennbar", kritisierten die Naturschützer. Stattdessen weist die Stadt jetzt einen zehn Hektar großen Waldbestand in der Neckarhälde als Waldrefugium aus, in dem das Alt- und Totholzkonzept umgesetzt werden soll. Ebenfalls auf Drängen des Landratsamtes wird der Humusboden, der bei Kanal- und Umlegungsarbeiten im "Bülzen-Ost" ausgebaggert wird, auf drei landwirtschaftlichen Flächen zur Bodenverbesserung aufgetragen.

Info

Die Sitzung des Gemeinderates beginnt an diesem Dienstag, 7. Oktober, 18 Uhr im Rathaus. Zu Beginn wird Achim Schober als Stadtrat verpflichtet, es folgt eine Bürgerfragestunde. Tagesordnungspunkt sind die Kriminalstatistik und die Jahresrechnung 2013. Zudem geht es um die Übertragung städtischer Forderungen an eine Inkassofirma.