Geradezu triumphal wiedergewählt, geht Bürgermeister Günther Pilz in seine zweite Amtszeit. Die Haushaltslage ist so gut wie seit Jahren nicht mehr.

In der Gesamtbilanz für das Jahr 2018 darf natürlich die Wiederwahl von Günther Pilz im Februar zum Bürgermeister von Hessigheim nicht fehlen, die er bei einer Wahlbeteiligung von über 50 Prozent mit einer Zustimmungsquote von rund 98 Prozent gegen Dauerbewerber Ulrich Raisch gewonnen hat. Launiger Kommentar des Wahlsiegers: „Es war knapp, aber es hat gereicht.“

Anschließend konnte dann gearbeitet werden, beispielsweise an der 2020 zu Ende gehenden Ortskernsanierung, an deren Abschluss der Bereich ums Rathaus durchgehend saniert sein soll.

Rund 30 Flüchtlinge leben derzeit in Hessigheim. Sie werden nach wie vor dezentral untergebracht. Freiwillige Helfer des Arbeitskreises Asyl unterstützen die Gemeinde. „Das klappt wunderbar“, bedankt sich Günther Pilz. „Auch mit den momentan für 2019 prognostizierten weiteren 19 Personen, die hinzukommen sollen, wird das funktionieren“, gibt er sich überzeugt.

Zu den wichtigsten Investitionen 2018 zählt die Sanierung des Sportplatzes am Neckar, ein Projekt, das den Gemeinderat und den Sportverein Jahre beschäftigt hatte. Auf dem Platz war es immer wieder zu Erdsenkungen gekommen. Die Feuerwehr bekam ein neues MLF, ein Mittleres Löschfahrzeug, und im Kindergarten Angelgasse wurden die Außenanlagen erneuert. Außerdem wurde die Brandmelde- und Alarmierungstechnik in der Schule auf Vordermann gebracht. Insgesamt investierte die Gemeinde rund eine Million Euro.

Die Haushaltslage Ende 2018 bleibt dennoch stabil. Man kam ohne Schulden durchs Jahr und rangiert auf einer Liste, die den Verschuldungsgrad der 39 Kreiskommunen aufführt, faktisch auf Platz zwei. Vor Hessigheim legen nur die vier Gemeinden, die überhaupt keine Schulden mehr haben. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt jetzt bei unter 100 Euro und soll bis Ende 2022 auf 14 Euro sinken – und das, obwohl die Steuerkraftsumme pro Einwohner der rund 2500 Hessigheimer gerade mal 75 Prozent des Durchschnittswertes in Baden-Württemberg beträgt. „Eine herausragende Leistung“, findet Günther Pilz, vor allem wenn man berücksichtige, wo Hessigheim vor wenigen Jahren noch gestanden sei.

Bei den Aussichten auf die Entwicklung 2019 sieht der kurz vor Jahresende vorgelegte Haushaltsentwurf Investitionen von rund einer halben Million Euro vor, wovon 120 000 Euro in die energetische Sanierung der Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünfte fließen sollen. Alles in allem werde es aber „ein Jahr zum Luft holen“, meint Günther Pilz. Der Gemeinderat wird sich mit der Organisation der Gemeindeverwaltung zu befassen haben; ein im vergangenen Jahr in Auftrag gegebenes Organisationsgutachten soll im Frühjahr vorliegen. Günther Pilz erwartet, dass im Rahmen der Umsetzung auch das Rathaus an der einen oder anderen Stelle umgebaut wird. Beispielsweise kann er sich vorstellen, dass das Bürgerbüro ins Erdgeschoss des Rathauses zieht. „Nach 32 Jahren ist es an der Zeit, auch dem Rathaus intern einen neuen Anstrich zu verleihen.“

Möglicherweise können, so Pilz, im Laufe des Jahres, neue Baugebiete bei der Kelter beschlossen werden, für die bereits Bebauungspläne vorliegen. Die Gespräche mit den Eigentümern sollen jedenfalls 2019 beginnen.

Die wichtigsten Projekte 2019 richten sich also mehr nach innen. Neue Kräfte oder Mitarbeiterinnen, die aus der Elternzeit zurückkehren, müssen in die Abläufe integriert werden. „Wir wollen uns im neuen Jahr die Zeit nehmen, das alles auf ordentliche Beine zu stellen.“ Hauptamtsleiterin und Kämmerer bleiben dem kleinen Rathaus-Team weiterhin erhalten. Zum Abschluss der Verwaltungsmodernisierung soll auch der Web-Auftritt der Gemeinde auf einen neuen Stand gebracht werden.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet der Dauerbrenner Kinderbetreuung. Die Einrichtungen der Gemeinde sind gut ausgelastet. „Das bedeutet aber noch keine größeren baulichen Klimmzüge“, betont Pilz. Um den Anforderungen der Zukunft besser gerecht werden zu können, will man sich der Expertise eines externen Beratungsunternehmens bedienen, das derzeit ein Gutachten erstellt.

Die persönlichen Erwartungen an das Jahr 2019 von Günther Pilz sind unter anderem von seinem Wunsch geprägt, Hessigheim nach der Kommunalwahl im Mai auch im Kreistag vertreten zu können. Er hebt besonders die gute Arbeitsatmosphäre im Rathaus hervor, die es zu erhalten gelte.

Die örtliche Nahversorgung bleibt das Sorgenkind der Gemeinde, besonders für Ältere und Alleinstehende. „Dass wir einen Nahversorger vor Ort kriegen, ist so gut wie ausgeschlossen“, muss Pilz einräumen. Das hätten Gespräche mit allen in Betracht kommenden Nahversorgern gezeigt. Die Unternehmen machten wegen der etwas abseitigen Lage der Gemeinde eine Einwohnerzahl von 6500 Menschen zur Bedingung. Einen möglichen Ausweg sieht Günther Pilz in gemeinsamen Einkaufsfahrten, die entweder ehrenamtlich oder über die Gemeinde organisiert werden könnten.