Das Stadtticket, dessen Einführung der Ausschuss für Technik und Umwelt des Besigheimer Gemeinderats befürwortete, wird nur im Stadtgebiet inklusive Ottmarsheim gelten. Das machte Martin Schugt, Teamleiter beim VVS im Ausschuss deutlich. Der Gemeinderat hatte sich eine Ausweitung auf Nachbarkommunen im Verbandsgebiet gewünscht.

Drei Euro wird es kosten und es erlaubt unendlich viele Fahrten im Stadtgebiet, auch bis am nächsten Morgen um 7 Uhr. Gleichzeitig gibt es ein Familienticket für bis zu fünf Personen, das sechs Euro kosten wird.

„Wir haben mit dem Pilotprojekt seit 1. August Erkenntnisse gewonnen“, so Schugt, der auf gute Erfahrungen seit dem letzten Jahr in größeren Kommunen verwies. In Ludwigsburg stiegen beispielsweise seit September 2018 die monatlich verkauften Tagestickets von 16 000 auf 35 000. In seiner Präsentation benannte Schugt die Vorteile des Tickets: Es sei niederschwellig, einfach zu verstehen und bedeute weniger Verkaufsvorgänge im Bus, weil es per App und Automaten am Bahnhof zu beziehen sei.

Gut bei Festen

Zudem biete es die Möglichkeiten zusätzlicher Fahrten und auch ein attraktives Familienangebot. Unterm Strich mache es den ÖPNV attraktiver, verringere Fahrten mit dem Pkw und reduziere so die Umweltbelastung. „Auch für Festivitäten“ sei das Ticket eine gute Sache, es fördere außerdem den Einzelhandel und die Gastronomie.

Zu kurz gesprungen

Thomas Pulli vom BMU sah die Einführung des Stadttickets als richtigen Weg, um den ÖPNV zu verbessern. „Jedes Auto weniger bedeutet zehn Meter weniger Stau“, so der Rat, der darum bat, für das Ticket auch richtig zu werben. Friedrich Köhler bewertete das Modell als „zu kurz gesprungen“. Nach Walheim gelte es nicht, und wenigstens der Verwaltungsbezirk sollte eingebunden werden. Ulrich Gerstetter von der CDU-Fraktion sah die gleichen Mängel wie im letzten Jahr, als das Ticket erstmals vorgestellt wurde (die BZ berichtete). Nahe Gemeinden seien damit nicht erreichbar und man komme zwar zu Veranstaltungen in der Stadt, aber bei den fehlenden Spätfahrten nicht mehr zurück. „Zufrieden sind wir damit nicht“, so der Rat.

Dass man zunächst nach dem VVS-Beschluss nur mit jeweils einer Kommune starte, machte Schugt deutlich, bei mehr müsste man den Ticketpreis erhöhen. Der Preis von drei Euro sei attraktiv und so gestaltet, dass auch die Kunden für Monats- und Jahreskarten nicht abspringen. „Wir werden die Werbung auf die Beine stellen“, versprach der Teamleiter. Das Ticket werde auf Flyern, in der Tarifinfo und in der VVS-App angeboten.

Kein kostenloses Ticket

Das Ticket am Samstag kostenlos anzubieten wie etwa in Konstanz, regte Ulrich Gerstetter an. Der VVS habe sich dagegen entschieden, es an bestimmten Tagen kostenlos zu machen, erläuterte Schugt, vor allem wegen der Kritik der Abokunden, die überhaupt keine Vorteile hätten. „Anlassbezogen könnten wir uns das vorstellten“, so der VVS-Mann, „vier bis sechs Tage könnten wir mitgehen“.

Bürgermeister Steffen Bühler wollte beim Verbandsgebiet nicht locker lassen. Sieben Kommunen einzubinden, sei sein Wunsch für die Zukunft. Schugt versprach, Zahlen zu ermitteln, zunächst aber starte man so wie geplant.

Das Gremium einigte sich bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung darauf, das Stadtticket zum 1. April einzuführen, mit der Bitte, die Kosten für das Verbandsgebiet durchzurechnen. Die Dauer der Versuchsphase beträgt drei Jahre, die Kosten für die Stadt liegen bei 25 000 Euro pro Jahr.